Großbritannien vor den Wahlen: Alle Parteiprogramme gegen die Jagd

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Die nächste britische Unterhauswahl findet vorzeitig am 12. Dezember 2019 statt. Gewählt werden die 650 Abgeordneten des Unterhauses.

Die großen Parteien legen jetzt ihre Wahlprogramme vor. So sehr die Parteien zerstritten sind, eins haben sie gemeinsam: Pläne zur Abschaffung oder erheblichen Einschränkung der Jagd.

Die Konservativen, einst eher jagdfreundlich, wollen das von Tony Blair, dem früheren Labour-Premierminister, veranlasste Verbot der Fuchsjagd beibehalten. Boris Johnson hatte zwar einmal das Gegenteil angekündigt, aber er ist bekannt für wechselnde Meinungen.

Nach den kommenden Unterhauswahlen drohen den britischen Jägern erhebliche Einschränkungen von allen Parteien (Foto: andyreedobe / Pixabay)

Stattdessen will er eine Art von Landpolizei einführen, das so genannte „Büro für Umweltschutz“. Die Polizisten sollen unter anderem den Jägern stärker auf die Finger schauen. Dabei geht es vor allem um „Tierschutz“, wobei die Jagd weitgehend als nicht tierschutzkonform beurteilt wird, da sie angeblich das „Empfindungsvermögen“ der Tiere verletzt. Schärfere Strafen bei Verstößen sind vorgesehen. Die Konservativen wollen Trophäeneinfuhren verbieten, möglicherweise auch die Ausfuhr der Geweihe und Gehörne britischer Hirsche und Rehböcke.

Labour hat vor, die Jagd ganz erheblich weiter einzuschränken. Für die Sozialisten ist Jagen überwiegend ein Hobby der Oberklasse und ihre Beschränkung Teil des Klassenkampfes. Mehrere Jagdarten sollen verboten werden. Auch Labour beabsichtigt Trophäenimportverbote sowie eine Verstärkung polizeilicher Maßnahmen zur Kontrolle der Jäger.

Die Liberaldemokraten setzen ebenfalls auf die „Tierrechte“ und wollen Einschränkungen der Jagd, allerdings von allem ein bisschen weniger und alles etwas „liberaler“. Theorie und Praxis klaffen bei ihnen aber weit auseinander. So gehen in der Praxis verschiedene Abgeordnete der Partei mit am schärfsten gegen die Jagd vor. Auch die Jagdgegner im Europaparlament werden von einer britischen Liberalen angeführt. Dementsprechend sollen der Handel mit Pelzen und die Einfuhr von Jagdtrophäen gefährdeter Tierarten verboten werden.

Die englischen Grünen machen es sich ganz einfach. Ihr Manifest sagt: „Ban all hunting“. (Verbiete alle Jagd.) Falls Wildtiere aus ökologischen Gründen entfernt werden müssen, dann soll dies mit „humanen Abschüssen“ geschehen und von trainierten Profis ausgeführt werden.

Die britische Jägerschaft beobachtet die Entwicklung in einer Art „Schockstarre“. Wenn überhaupt wird sie wohl, ähnlich wie beim Verbot der Fuchsjagd im Jahr 2002, sich erst dann zu einer Demonstration entschließen, wenn alles zu spät ist.

„Zumindest irritierend“, bezeichnete auf Nachfrage der JWW ein Landedelmann von der Insel mit typisch britischer Gelassenheit die Pläne aus der Giftküche der Politik und fuhr dann fort: „Aber wir haben schon Schlimmeres überstanden.“

rdb