Namibia/Südafrika: Wie geht es mit der Jagd in Corona-Zeiten weiter?

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Der Jagdtourismus ist in den beiden wichtigsten Jagdländern im Südlichen Afrika zu einem völligen Stillstand gekommen. Auch in Deutschland fragen sich viele Afrikajäger, wie es weiter geht.

Die NAPHA, der Verband der Berufsjäger in Namibia, hat eine Umfrage unter ihren Mitgliedern zu den Auswirkungen der Corona-Krise durchgeführt. Die Ergebnisse wurden am letzten Samstag veröffentlicht. 80 % der Befragten hatten Absagen und Verschiebungen für alle oder einen Teil der bei ihnen gebuchten Jagden zu beklagen. Die Rückzahlung von Anzahlungen wurde als Herausforderung beschrieben, insbesondere auch angesichts von Wechselkursverlusten des Namibia Dollars.

Lodge im wieder geöffneten Etosha Park: Die Regierung von Namibia ermuntert ihre Bürger, die Nationalparks des Landes zu besuchen. (Foto: Beate Trott)

„Katastrophal“ seien die Folgen, heißt es im Abschnitt über die finanziellen Auswirkungen. Mehr als die Hälfte der Befragten schätzt ihre Einbußen auf 50 bis 85%, auf den Durchschnitt der letzten fünf Jahre bezogen. Manche Jagdfarmer denken auch darüber nach, ob sie sich wieder stärker auf die Rinderzucht verlegen sollen.

Am 14. Mai hat die namibische Regierung im Rahmen des schrittweisen Abbaus der COVID-19 Einschränkungen die Wiedereröffnung der Nationalparks, Hotels und Restaurants mitgeteilt. Da die ausländischen Gäste noch fehlen, ermuntert man die Einheimischen, Urlaub im eigenen Land zu machen, vor allem in den Nationalparks. Man kann davon ausgehen, dass Jagdtourismus wieder möglich sein wird, sobald die europäischen Länder ihre Reisebeschränkungen aufheben und Flugverbindungen wieder angeboten werden. In allen Krisen sind es immer die Jäger, die als Erste reisen, lange bevor der Massentourismus wieder Fahrt aufnimmt.

Derzeit ist die Einreise nach Namibia noch untersagt. Am 6. Mai wurden die innernamibischen Flüge wieder aufgenommen. Der Beginn internationaler Flüge wurde für den 30. Juni angekündigt. Es würde keinen Sinn machen, dann noch das Einreiseverbot aufrecht zu erhalten.

Es gibt auch schon Licht am Ende des Tunnels. So befragte zum Beispiel ein amerikanischer Jagdblog, der auch Jagdreisen vermittelt, seine Abonnenten. Drei Viertel der 1.000 Rückmelder waren bereit für die nächste Jagdreise, sobald als möglich. Ein Viertel hatte schon gebucht und ein weiteres Viertel hatte sich schon positiv für baldiges Jagen entschieden, war aber noch auf der Suche nach einer passenden Safari.

In Südafrika steht die Wildwirtschaft am Rande des Zusammenbruchs. So steht es jedenfalls im Bericht über eine Meinungsbefragung des Verbandes der Wildfarmer. Die Zahl der Kunden einschließlich der Jäger sei fast um 90 % und die Wildfleischverkäufe um gut die Hälfte zurück gegangen.

Am 14. Mai veröffentlichte die Regierung im Gesetzblatt gewisse Lockerungen als nächste Phase ihrer COVID-19 Maßnahmen. Zum Jagdsektor gab es Präzisierungen, aber wenig Neues. Culling, also der Abschuss von Wild zur Fleischerzeugung, ist wie schon bisher möglich, muss aber durch Profis vorgenommen werden. Pro Operation sind maximal 12 Personen für das Schießen, Aufbrechen und Versorgen des Wildes zugelassen. Der Verkauf des Wildbrets im Rahmen der Gesetze ist gestattet. Jegliche Jagd als Freizeitaktivität durch Privatpersonen ist weiterhin verboten.

rdb

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