Safari-Urlaub ohne Happy End

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Derzeit geht ein Video im Internet um die Welt, das zeigt, wie ein offenbar schlecht gelaunter Elefant im südafrikanischen Pilanesberg-Nationalpark ein großes, offenes Fahrzeug mit Touristen anhebt.

Zu nah ist zu nah! (Quelle: Bernd Grumblies/Archiv Baldus)

Mit seinen Stoßzähnen stemmt der ärgerlich trompetende Bulle den Transporter mit den Touristen zweimal vorne in die Höhe. Krachend fällt das Fahrzeug wieder zu Boden, während der Wildhüter das Tier anschreit, es sei genug und es solle stoppen. Im Hintergrund hört man Touristen, die angsterfüllt die Heiligen anrufen. Einige Insassen sollen sich in Panik unter den Sitzen verkrochen haben, berichtet „The Citizen.“ Schließlich hat der tonnenschwere Dickhäuter genug und macht sich von dannen. Alle sind mit dem Schrecken davongekommen. Nur der Wildhüter erklärt sich danach als arbeitsunfähig. Er sei traumatisiert, eine Erkrankung, die bis vor kurzem in Afrika noch unbekannt war.

Weniger Glück hatten Touristen am vergangenen Samstag im sambischen Kafue Nationalpark. Ein Elefant verfolgte ihr Geländefahrzeug über einen Kilometer weit und warf es dann um. Eine Amerikanerin (80) wurde getötet, eine andere Insassin wurde verletzt und musste nach Südafrika ausgeflogen werden. Vier weitere Personen erlitten ebenfalls Verletzungen. Ein schockierendes Video, das aus dem Fahrzeug aufgenommen wurde, ging ebenfalls viral.

Wie kommt es zu solchen Vorfällen, die übrigens keinesfalls selten sind? Häufig werden sie mit der sogenannten „Musth“ erklärt, einer testosteronbedingten Erregung und Aggressivität von Elefantenbullen, wenn sie brunftig sind. Allerdings greifen auch Elefantenkühe an. Das hat sicher mit Stress durch hohes Touristenaufkommen zu tun.

Im Pilanesberg kommt noch etwas anderes hinzu. Der Nationalpark ist keine ursprüngliche Wildnis, sondern wurde ab 1980 auf degradierten landwirtschaftlichen Böden aus der Retorte geschaffen. Der Park liegt 150 km nördlich von Johannesburg und ist 55.000 Hektar groß. Nach der Zäunung wurden Elefanten, Löwen, Nashörner und weitere Wildtiere freigelassen. Insgesamt waren es um die 7.000 Stück Wild. Zunächst wurden Teile des Parks auch bejagt. Die als Jungtiere eingeführten Elefanten stammten aus Fangaktionen und zeigten von Anfang an ein auffälliges Verhalten. Sie töteten beispielsweise eine ganze Anzahl von Nashörnern. Fazit: Große Tiere bleiben auch in Nationalparks unberechenbar und gefährlich.

rdb

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