Südliches Afrika: Dürre, Brunnen, wilde Tiere

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Das ganze südliche Afrika wird derzeit von einer Dürre heimgesucht. Grünes Gras ist Mangelware, Quellen versiegen und Wasserlöcher sind leer.

Farmer, die ihr Vieh nicht rechtzeitig verkaufen oder schlachten konnten, haben erhebliche Probleme, die oft existenzbedrohend sind. Auch Wildtiere leiden Hunger und Durst und verenden in großer Zahl. 52 Elefanten seien in Simbabwe schon verdurstet, einige davon direkt vor den künstlichen Wasserstellen, meldeten die Gazetten.

Impala
Hwange Nationalpark/Simbabwe: Ein Impala steckt im Schlamm in der Nähe eines Bohrlochs fest                      Foto: Vernon Booth/Archiv Baldus

In Wirklichkeit dürfte die Anzahl um ein Vielfaches höher sein. Setzt man diese Zahl allerdings mit den seit Jahresanfang in Simbabwe schon von Elefanten getöteten 25 Menschen in Vergleich, dann relativiert sich ihre Bedeutung. Im Norden Botswanas sind mindestens 120 Elefanten an Milzbrand gestorben, dessen Ausbruch ebenfalls durch die Trockenheit begünstigt wird.

Solche Dürren sind im südlichen Afrika nichts Ungewöhnliches. Sie kommen seit Menschengedenken im biblischen Rhythmus von etwa sieben Jahren daher, fordern einen hohen Blutzoll und werden dann wieder von normalen Regenjahren oder Starkregen mit Überschwemmungen abgelöst. Vieh ist diesen Dürren nicht gewachsen. Wildtiere sind bei weitem besser angepasst. Deshalb setzen viele Farmer heutzutage auf Wild statt auf Viehwirtschaft.

Dauert die Dürre zu lange oder ist die Zahl der Wildtiere zu hoch, verenden allerdings auch überdurchschnittlich viele der wilden Gras- und Laubfresser. Auf diesem Wege bringt die Natur in ihrer natürlichen „Grausamkeit“ die Herden wieder in ein vorübergehendes Gleichgewicht mit den natürlichen Ressourcen Land und Vegetation. „Dies ist der natürliche Weg der Populationsregulierung“, stellt Ike Phaahla, einer der Direktoren des südafrikanischen Kruger Nationalparks fest. Diese brutale Realität zu akzeptieren fällt verständlicherweise vielen Menschen schwer. Sogenannte Tierschützer, die aufgrund ihrer Aktionen gegen die Jagd oder den Reduktionsabschuss von Elefanten und Nilpferden für Überpopulationen selbst verantwortlich sind, nutzen die Gunst der Stunde und sammeln wie immer Spenden ein. In Simbabwe kündigten Aktivisten einen 600 km-Solidaritätsmarsch an, um auf Tierrechte aufmerksam zu machen und Geld einzusammeln. Inwieweit der Marsch positive Auswirkungen auf das Klima hat, wurde nicht bekannt gegeben. Was von den Spenden nach Abzug der Verwaltungskosten noch übrig bleibt, dient dazu, Heu zu kaufen, Wasserpumpen zu reparieren oder neue Brunnen für das Wild zu bohren.

Dabei tragen gerade diese künstlichen Wasserquellen eine Hauptschuld an der Misere. In Nationalparks wie Krüger in Südafrika oder Hwange in Simbabwe werden seit Jahrzehnten Bohrlöcher unterhalten. Mit Diesel- oder Solarpumpen wird das Wasser an die Oberfläche gepumpt und dem Wild angeboten. Ein wesentliches Ziel ist es dabei, auf diese Weise das ansonsten weit zerstreute Wild für die zahlenden Fototouristen sichtbar zu machen, da es sich an solchen Wasserstellen konzentriert. Die größere Verfügbarkeit von Wasser hat mehr Nachwuchs und vor allem noch mehr Elefanten zur Folge. Die Tiere konzentrieren sich dort in unnatürlicher Weise und zerstören die Vegetation im weiten Umkreis. Die vielen Elefanten machen aus den Wassertümpeln in der Trockenzeit Schlammlöcher, in denen unzählige Antilopen, selbst Büffel, einfach stecken bleiben oder versinken und zu Tode kommen. Die Bereitstellung von Wasser ist gut gemeint, ist langfristig aber für die Natur schädlich.

rdb

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