Tansania: Kilimandscharo-Naturparadies steht in Flammen

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In den Hängen des Kilimandscharo-Berges in Nord-Tansania ist ein Riesenfeuer ausgebrochen.

Die Brandwalzen breiten sich schnell aus. Am Montagabend hatte sich die Feuerschlange um den halben Berg gelegt. Wie Mitarbeiter des Schweizer Vereins „Freunde der Serengeti“ berichten, sei das Feuer zwischen den Nationalpark-Stationen Horombo und Mandara ausgebrochen. Afrikas höchster Berg (5895 Meter) ist ein Nationalpark und die Heimat seltener Tier- und Pflanzenarten. Selbst Elefanten ziehen dort ihre Fährte, und in 5.600 Meter Höhe wurde einst gar ein gefrorener Leopard gefunden.

Die berühmte Gletscher-Schneekappe des Kilimandscharo ist in den letzten Jahrzehnten großenteils weggeschmolzen (Foto: Pixabay)

Die Flammenwände und die große Hitze verhindern ein effektives Löschen. In Tansania gibt es kein schweres Gerät für diese Zwecke. Ein einzelner Hubschrauber wird derzeit eingesetzt, der angesichts der Ausdehnung des Feuers aber nur wenig erreichen kann. Die Nationalpark-Behörde TANAPA setzt nur eigene Leute zum Löschen ein, so hört man. Denn die Naturschützer stehen vor der Pleite. Seit einiger Zeit müssen die Einnahmen der Nationalpark-Besucher vollständig an die Staatskasse abgegeben werden. Der unbeliebte und zunehmend diktatorisch regierende Präsident Magufuli braucht jeden Cent für den Wahlkampf. Ende Oktober sind Präsidentschaftswahlen. Und seit Corona kommen keine Besucher mehr.

Die Ursache des Brandes ist nicht bekannt. Brandstiftung wird nicht ausgeschlossen. Wilddiebe legen oft Feuer, um Wild in ihre Schlingen zu treiben. In letzter Zeit sind auch die Konflikte um die Landnutzung eskaliert. Denn als Nationalpark ist der Bevölkerung dort das Jagen, Sammeln von Feuerholz oder das Weiden ihrer Rinder und Ziegen verboten. Die Menschen leben in Armut, während jedes Jahr etwa 50.000 Bergwanderer zum Gipfel aufsteigen. Die Gebühren von knapp 1.000 US-Dollar pro Besteigung kommen der Nationalparkverwaltung und nicht den Menschen vor Ort zugute. Sie stellen nur die mäßig bezahlten Träger, die pro Mann eine Last von gut 20 kg den Berg hoch schleppen. Jede Besteigung kostet insgesamt im Durchschnitt 5.000 Dollar.

Auch der Kilimandscharo ist vom Klimawandel betroffen. Dies begünstigt sicher den Brand. Die berühmte Gletscher-Schneekappe des Kilimandscharo ist in den letzten Jahrzehnten großenteils weggeschmolzen: seit 1912 um 85% und zwischen 2000 und 2007 um 26%.

rdb

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