USA: Hirsche – der Erfolg frisst seine Kinder

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Die amerikanischen Hirscharten waren in den 1940er Jahren auf ein extrem niedriges Niveau abgesunken. Jäger nahmen sich damals vor, die Hirschbestände zu retten. Diese Bemühungen waren so erfolgreich, dass man heute fragen muss, wie die weiter wachsenden Bestände kontrolliert werden können.

Ein jagdbarer Weißwedelhirsch. (Bild: Archiv Baldus – A. Sharif)
Die Hirschbestände der USA werden für die Zeit vor der europäischen Besiedlung auf 24 bis 62 Millionen Tiere geschätzt. In den 1940er Jahren war ihre Zahl auf geschätzte 300.000 Stück Rotwild gesunken. Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und die Übernutzung, vor allem durch kommerzielle Bejagung, hatten dies erreicht.
 
Weidmänner nahmen sich damals vor, den Niedergang der verschiedenen Hirscharten, vor allem Weißwedel- und Maultierhirsche, aufzuhalten. Inzwischen frisst der Erfolg seine Kinder. Das amerikanische Modell des Schutzes der Wildtiere war so erfolgreich, dass die Zahl der Hirsche inzwischen auf 30 Millionen angewachsen ist. Das „North American Model of Wildlife Conservation“ basiert auf dem Prinzip, dass Fische und Wild von den Bürgern nicht-kommerziell genutzt werden dürfen und dass diese Ressourcen dauerhaft nachhaltig auf einem optimalen Niveau gemanagt werden.
 
Wissenschaftler und Förster sorgen sich um die Auswirkungen der hohen Bestände auf die natürliche Vegetation und die Wälder. Verschiedene wissenschaftliche Publikationen empfehlen eine drastische Reduktion der Bestände. Mancherorts gibt es über 20 Stück Rotwild auf einen Quadratkilometer. Es ist offensichtlich, dass etwas geschehen muss. Mit der jetzigen Lizenzbejagung durch Sportjägerinnen und -jäger ist das aber nicht möglich. Die erlegten Tiere dürfen nicht verkauft werden, so dass in den USA im Wesentlichen nur für die Eigenversorgung mit Wildbret gejagt wird. Es gibt Überlegungen, dies zu ändern, so dass Jagd zum Zwecke der Gewinnerzielung ermöglicht würde. In der Nähe von Großstädten hat man versucht, weibliches Wild zu sterilisieren, aber dies erwies sich als zu teuer und nicht wirklich wirksam. Im Grunde weiß man derzeit nicht, wie es weiter gehen soll.
 
rdb
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