.300 Winchester Short Magnum

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Die .300 WSM war die erste der Winchester Short Magnum-Patronenreihe und läutete 2001 in der Patronenentwicklung ein neues Zeitalter ein – zumindest bei den Fabrikpatronen – denn private Patronenentwickler hatten die Vorteile einer gürtellosen, kurzen, dicken Hülse mit steiler Schulter schon lange erkannt

.300 WinMag
Winchester ist einer der Pioniere bei der Entwicklung von Kurzpatronen. Schon die .308 Winchester war ja nichts anderes als eine Kurzversion der .30-06. Durch die fortschreitende Entwicklung bei den Treibladungspulvern gelang es, die Leistung der längeren Patrone nahezu zu kopieren. Als Ferris Pindell und Dr. Lou Palmisano dann die 6mm PPC herausbrachten und einen Präzisionsrekord nach dem anderen aufstellten, war klar, wie eine moderne  Präzisionspatrone aussehen muss. Daran hielten sich die  Entwickler der .300 WSM auch ziemlich genau: Die kurze, dicke Hülse hat einen 35-Grad- Winkel und keinen Gürtel. Sie arbeitet als Schulteranlieger, was nur Vorteile hat und präzisionsfördernd ist. Durch die nahezu zylindrische Hülse entsteht ein großes Innenvolumen, was in Verbindung mit dem Gebrauchsgasdruck von 4400 bar für reichlich Leistung sorgt. Die Gesamtlänge ist nur geringfügig größer als die einer .308 Winchester, womit die .300 WSM auch für Kurzsysteme geeignet ist.
Der Bodendurchmesser ist mit 13,51 zu 12,01 Millimetern aber etwas größer. Durch den sehr gleichmäßigen und schnellen Abbrand der kurzen Pulversäule hat die Patrone ein sehr hohes Präzisionspotential und schießt sich zudem noch sehr angenehm. Bei den Leistungen blieb man zudem noch in vernünftigem Rahmen. Ein 180 Grains Geschoss wird auf 905 m/s (4777 Joule) beschleunigt, was ziemlich genau der .300 Winchester Magnum entspricht. Diese Patrone hat sich in allen Jagdgebieten der Erde bewährt und gezeigt, dass diese Leistung fast immer ausreicht. Nur bei Extremjagden ist eine .300 Weatherby, .300 RUM oder .30-378 sinnvoll, und diese Mehrleistung wird mit reichlichen Nebenwirkungen erkauft. Mit der .300 WSM wird die .300 Winchester Magnum eigentlich aufs Altenteil geschoben, denn die neue Kurzpatrone kann alles besser. Die .300 WSM ist vielseitig einsetzbar und eignet sich für die Bejagung von afrikanischen Großantilopen genauso gut wie für die Jagd auf Elch, Bär oder Wapiti. Ideal ist sie auch bei der Gebirgsjagd auf Gams, Schaf oder Steinbock. Hülsen und Fabrikpatronen sind bereits von mehreren Herstellern erhältlich, und es ist zu erwarten, dass hier sehr schnell noch weitere Laborierungen folgen werden. Bei den Geschossen ist das Angebot riesig.
Die Geschosspalette reicht von 100 bis 220 Grains (6,5 bis 14,3 Gramm), und damit stehen alle Möglichkeiten offen. Das ideale Geschossgewicht für die .300 WSM liegt bei 150 bis 200 Grains (9,7 bis 13 Gramm). Es sollten nicht zu weiche Geschosse verwendet werden, denn bei der doch sehr hohen Leistung der Patrone ist sonst die Tiefen-sind die langsam abbrennenden Pulver optimal. Besonders Kemira N 160, Rottweil 904, Alliant RE 19 und Hodgden 414 sind gut geeignet. Bei den ganz progressiven Sorten ergeben sich teilweise Pressladungen. Magnum-Zündhütchen sind zur Anzündung der erheblichen Pulvermenge unbedingt erforderlich. Standardzünder machen die Patrone unpräzise. Die modernen homogenen Deformationsgeschosse wie Barnes Triple Shok, Lapua Naturalis, HDB, stabile Zweikammergeschosse wie das Nosler Partition, Blaser CDP oder Swift A-Frame und die modernen Verbundkerngeschosse wie Scirocco, RWS Evolution oder Woodleigh sind eine gute Wahl. Bei den Treibladungsmitteln Matrizensätze sind von RCBS, Redding, Lee oder Triebel zu bekommen. Wegen der Vielzahl der Geschosse im Kaliber .30 wurde eine Auswahl der für die .300 WSM besonders geeigneten Geschossen getroffen.
Zur Ermittlung der Ladedaten wurde eine Repetierbüchse mit 65 Zentimeter langem Lauf benutzt. Die Geschwindigkeit wurde drei Meter vor der Laufmündung gemessen.
 
Hansgeorg Arndt