Afrika/Großbritannien: Lügen zur Giraffenjagd

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In 7 Wochen beginnt die Weltkonferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) in Sri Lanka. Wie vor jeder solchen Konferenz decken die Antijagdorganisationen die Medien mit Lügen zur Jagd ein. Dank guter Verbindungen in die Verlagshäuser und Sendeanstalten werden die Falschmeldungen auch gedruckt und gesendet.

So konnten die 1,7 Millionen Leser der englischen Boulevardzeitung Mirror am 1. April einer Schlagzeile entnehmen, dass Jäger zum Sport und Vergnügen Afrikas Giraffen abknallen. Allein in die USA seien 40.000 „Exemplare“ eingeführt worden. Ein alarmierender Anstieg von „widerlichen Trophäenjägern“ könnte die Tierart bald ganz ausrotten. Aber es gibt Hoffnung: Großbritannien soll die EU dazu bringen, auf der CITES-Weltkonferenz die Jagd zu stoppen.

Giraffe
Die Zahl der Giraffen in Südafrika steigt steil an, Wildfarmer müssen die Tiere nachhaltig bejagen lassen (Foto: Sophia Lorenzoni)

Nun war diese Meldung kein Aprilscherz, aber dennoch im Wesentlichen unrichtig. Die Zentralafrikanische Republik, Tschad, Kenia, Mali, Niger und Senegal haben in der Tat den Antrag gestellt, die Giraffe auf Anhang II bei CITES zu listen und damit perspektivisch den Handel und die Jagd einzuschränken. Dabei haben gerade diese Länder in den vergangenen 30 bis 40 Jahren die schlimmsten Einbrüche bei ihren Giraffen erlebt. Legale Jagd hat dabei überhaupt keine Rolle gespielt. Die EU will gegen den Antrag stimmen, da es keinen Beleg dafür gibt, dass Handel am Rückgang der Giraffen beteiligt ist. Insofern werden die Kriterien für eine Listung der Tierart bei CITES nicht erfüllt, so die EU-Kommission.

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat wie immer mit einer Vielzahl von Wissenschaftlern die Fakten zu den vorliegenden CITES-Anträgen geliefert, ohne dabei eigene Bewertungen abzugeben. Die Populationen der einzelnen Unterarten haben sich sehr unterschiedlich entwickelt, stellt IUCN fest. Es gibt nicht nur Rückgänge, sondern auch einen Anstieg von bestimmten Populationen, vor allem solchen, die bejagt werden.

Giraffenjagd findet heute vor allem in Südafrika statt und zwar auf Wildfarmen, die auf ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen eingerichtet wurden. Dort gab es vorher überhaupt keine Giraffen. Ihre Zahl steigt derzeit steil an, und Wildfarmer müssen die Tiere nachhaltig bejagen lassen, damit sie nicht die Tragfähigkeit der Habitate überfordern. In freier Wildbahn werden kaum Giraffen bejagt. Im Jagdland Tansania ist diese Wildart als nationales Symboltier ohnehin geschützt. Leider hilft das den Tieren wenig. Sie werden ihres Fleisches wegen gewildert oder weil man ihnen Wunderkräfte zur Heilung von Aids andichtet.

Bei den genannten 40.000 „Exemplaren“, die in die USA eingeführt wurden, handelt es sich nicht um 40.000 Tiere, wie der Artikel nahelegt. Die „Exemplare“ sind vor allem Knochenteile. Diese stammen aus südafrikanischen Farmen oder wurden von natürlich verendeten Tieren eingesammelt. Jedes eingeführte Teil wird in den CITES-Statistiken als „Exemplar“ aufgeführt. In Wirklichkeit wurden in einem Zeitraum von zehn Jahren Trophäen von 3.500 Giraffen in die USA eingeführt. 98 Prozent kamen aus dem südlichen Afrika, im Wesentlichen aus prosperierenden Populationen in Südafrika. IUCN stellt wie die EU fest, dass der Handel, wozu auch die Jagd zählt, nicht zum Niedergang der Giraffen beigetragen hat. Eine stärkere Regulierung des Handels würde deshalb auch nicht zu ihrem Schutz beitragen. Die wirklichen Ursachen des Rückgangs der Giraffen seien Verluste an Lebensraum, Fleischwilderei, Bürgerkriege und ökologische Veränderungen. Hinzuzufügen ist, dass Veterinär- und Viehzäune berüchtigte Giraffenkiller sind, da die Tiere sich mit ihren Läufen im Draht verfangen und elend zugrundegehen.

Auf die Lügen zur Giraffenjagd werden weitere folgen, denn es gibt noch viele Anträge, deren Annahme die Tierrechtler verhindern oder befördern wollen.

rdb