Andenken im Wandel Editorial 2 2015

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Editorial 2/2015
 

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Andenken im Wandel

Jeder Jäger hat Trophäen. Egal, ob der Weidmann die Büchse nur in seiner Heimat oder auch im Ausland geführt hat, irgendwo bei ihm daheim werden sich Trophäen befinden. Vom Rehbockgehörn aus dem Revier um die Ecke über einen starken Oryxbullen aus Namibia bis hin zu einem präparierten Eisbären, fast alles ist zu finden. Die Palette an jagdlichen Erinnerungsstücken ist riesig.
Zusätzlich zu Geweihen, Gehörnen, Fellen oder Vollpräparaten gibt’ bei den meisten Jägern noch ein Fotoalbum und manchmal auch ein Jagdtagebuch.
 
Darin finden sich Bilder, welche die Geschichten rund um die Trophäen an der Wand erzählen. Bekommt der Grünrock Besuch von Jagdkumpanen, wird das Album gewälzt und zusammen bei einem guten Rotwein in Erinnerungen geschwelgt. Die Erlebnisse mit Gleichgesinnten zu teilen, ist für mich eine wahre Freude.
Doch Vorsicht! Bilder, Geschichten und Trophäen, die bei Jägern neugieriges Zuhören verursachen, können bei Nichtjägern zu Kopfschütteln führen. Sogar Hasstiraden oder Shitstorms, wie sie heute genannt werden, hageln dann auf die glücklichen Erleger ein. Vor allem jagende Prominente bekommen das zu spüren (siehe auch Seite 10).
Anlass dieser Aufreger sind meist Bilder in sozialen Netzwerken oder anderen Plattformen im Internet. Ein, zwei Aufnahmen von glücklichen Erlegern, die hinter ihrer Beute zu sehen sind, und ratzfatz machen die Aufnahmen die Runde und rufen starke Emotionen bei Nichtjägern oder schlimmstenfalls Jagdgegnern hervor. Wie ein Virus, der sich in der Bevölkerung ausbreitet, gehen die Fotos zusammen mit den Kommentaren der Internetnutzer in den Netzwerken um. Ist das Interesse der User riesig, springen ab und an sogar Medien auf und stricken ihre Berichte rund um die Bilder.
Die Folgen dieser ungewollten Outings im Internet sind oft dramatisch und für die Jäger existenzbedrohend. Elefanten-Udo, ein Umweltbeamter aus Thüringen, der Ende 2013 völlig legal einen Elefanten in Botswana erlegte, ist zwar mittlerweile beruflich rehabilitiert, hat aber einen langen Weg hinter sich. Ein hochrangiger Mediziner aus Heidelberg sorgte ebenfalls mit einem Erlegerbild für Aufregung und brachte die Emotionen bei Nichtjägern damit zum Kochen.
Das Thema „Jagdfotos im Internet oder auf sozialen Netzwerken“ ist ein heißes Eisen. Rasch gelangen die Aufnahmen in falsche Hände. Ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen und kochen die Emotionen hoch, lässt sich die Verbeitung der Fotos im Netz kaum noch stoppen. Problem: Das Internet vergisst nicht. Selbst wenn Fotos aus dem eigenen Facebook-Profil gelöscht werden, können die Aufnahmen per Screenshot auf den Rechnern anderer User schlummern. Der Jäger hat das Zepter dann aus der Hand gegeben.
 
Ihr Markus Lück (Redakteur)