Begehrte Spiralen: Buschböcke

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Neben den Drehhorn-Antilopen sind auch die indische Nilgau- und die merkwürdige Vierhorn-Antilope weitläufige Verwandte des Buschbockes. Er ist die kleinste Drehhorn-Antilope, besetzt jedoch das größte Areal.

Kontrastreich ist die Decke der Buschböcke: Flecken- und Streifen-Muster am Rumpf und weiß leuchtende Areale an Träger und Läufen.
Der Buschbock (Tragelaphus scriptus) kommt in allen afrikanischen Ländern südlich der Sahara vor, vom Senegal über ganz West-, Zentral- und Ostafrika bis Transvaal, Natal und Kapprovinz in Südafrika – allerdings nur in Lebensräumen, wo es permanent Wasser oder Dickbusch gibt.
Buschböcke äsen neben dem Bongo auf Lichtungen und Schneisen in den Regenwäldern des Kongobeckens; sie stehen in Gebüschen und Galerie-Wäldern der Baum- und Feuchtsavannen, auf Waldinseln in Sumpflandschaften, also in der Nachbarschaft von Nyala und Sitatunga. Der kleine Bock geht hinauf in die lichten Nebelwälder und bis an die Buschgrenze auf 4.000 Meter Meereshöhe in den ostafrikanischen Hochgebirgen, wo Eland-Antilope und Großer Kudu auch noch vorkommen und das seltene Berg-Nyala ihren Einstand hat. Wer auf die großen Antilopen mit den Drehgehörnen jagt, kann in vielen Gebieten auch dem heimlichen kleinen Waldbock begegnen.
Buschböcke fehlen im Grasland des südafrikanischen Hochveldes, in den südwestafrikanischen Wüsten und Trockensteppen, am ariden Horn von Afrika sowie in den Dornsavannen des geographischen Sudan (Sahelzone). Entlang der Galeriewälder, also an den episodisch wasserführenden Rivieren mit grünem Uferdickicht, dringt der Buschbock jedoch in Trockengebiete vor, ähnlich, nur nicht ganz so weit, wie der Große und der Kleine Kudu.
Eine andere Wildart, als Jagdbeute für Auslandsjäger kaum interessant, jedoch sehr auffällig im Verhalten, ist für aufmerksame Beobachter ein Indikator für das Vorkommen des heimlichen Waldbockes an solchen Rivieren: Wo die Grüne Meerkatze herumturnt und das Jagdlager besucht, da gibt es Buschböcke; das natürliche Areal der beiden Arten ist fast deckungsgleich.
Buschböcke sind ausgesprochene Kulturfolger. Sie leben in Forsten, Pflanzungen und Gärten, dicht an menschlichen Siedlungen; sogar in Parks und Grünanlagen von afrikanischen Großstädten kommen sie vor, solange die Bevölkerung keinen Hunger leidet. Nur wo die Lebensräume lokal ganz vernichtet sind oder der Jagddruck durch die örtliche Bevölkerung extrem hoch ist, gibt es keine mehr.
Ansonsten entspricht das heutige Gesamtareal dieser Wildart im Wesentlichen der natürlichen und historisch bekannten Verbreitung. Der Buschbock gehört nicht zu den Arten, die im Bestand bedroht sind. Vielerorts profitiert er von der Land- und Forstwirtschaft.

Uunterarten

Wie viele Unterarten oder Rassen es gibt, ist bei Biologen und Jägern umstritten. Haltenorth (1963) unterscheidet 23 Unterarten, Haltenorth und Diller (1977) nennen nur noch acht. Grzimek und Walther (1968) erwähnen 24 Unterarten; Dorst und Dandelot (1970) kennen 40, Wallace (1978) immerhin noch 20 Rassen. Ansell (1972) erkennt in seiner taxonomischen Revision nur noch neun Unterarten an; Trense (1989) geht von acht aus, weist aber ausdrücklich auf die Unklarheiten hin. Das Trophäenbuch des SCI nennt ebenfalls acht Unterarten, während im Rowland Ward zehn Unterarten aufgeführt sind.
Das erinnert doch stark an die taxonomischen Schwierigkeiten beim Rehwild, wo ernsthafte Zoologen vor einem Jahrhundert noch zwanzig verschiedene Arten oder Unterarten allein in Deutschland beschrieben haben.
Beim Buschbock ist es ganz ähnlich: Er kommt fast flächendeckend in verschiedenen Landschaften vor, er durchrinnt Gewässer und steigt über Gebirge; es gibt keine Wander- oder Ausbreitungsbarrieren zwischen den regionalen Populationen und daher fließende Übergänge. Für reinrassige Artenschützer und Herausgeber von berühmten Trophäenbüchern ist diese natürliche Scheu des gemeinen Bockes vor der Katalogisierung ein gewisses Problem, zumal neue Jagdreviere nicht selten in einer Übergangszone zwischen den früheren Sammelgebieten der Schreiber liegen. Dort sind die Kittel der Böcke dann nicht vorschriftsgemäß.
Trotzdem sollen hier die derzeit acht anerkannten Unterarten mit ihrem Verbreitungsgebiet kurz vorgestellt werden.
Die kleinste Unterart, Tragelaphus scriptus scriptus und Namensgeber für die deutsche Bezeichnung Schirr-Antilope (englisch Harnessed Bushbock), besiedelt das Gebiet vom Senegal ostwärts bis in den südlichen Tschad und die Zentral Afrikanische Republik; das Verbreitungsgebiet reicht südwärts bis Gabun, Kongo und Demokratische Republik Kongo (Zaire). Im Osten kommt es zu Vermischungen mit dem Nil-Buschbock, im Süden mit dem Chobe-Buschbock. Mit knapp unter 14 Zoll steht ein Bock aus dem Tschad an der Spitze des SCI-Trophäenbuches.
Beim Nil-Buschbock (Tragelaphus scriptus bor) sind einige Streifen in Fleckenreihen aufgelöst; das Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Sudan bis kurz über die Grenze zu Äthiopien (Gambrella-Region). Er bewohnt den nordöstlichen Teil der Demokratischen Republik Kongo, Uganda und den nordwestlichen Teil Kenias und mischt sich im Westen mit der Schirr-Antilope, im Osten mit dem Abessinischen Buschbock und im Süden mit dem Ostafrikanischen Buschbock. An der Spitze des SCI-Buches stehen Nil-Buschböcke mit einer Hornlänge um 15 Zoll.
Der deutsche Name Abessinischer Buschbock (Tragelaphus scriptus decula) deutet auf das Vorkommen hin: Äthiopien mit Ausnahme der zentralen Bergregionen. Vermischungen mit dem Nil-Buschbock und Ostafrikanischem Buschbock sind möglich. Die Hornlänge liegt in der Spitzenklasse bei zwölf bis 14 Zoll.
Der Menelik-Buschbock oder Schwarze Buschbock (Tragelaphus scriptus meneleki) kommt nur in den Bergen Äthiopiens vor. Die Decke ist tiefbraun bis schwarz gefärbt. Das Streifen- und Fleckenmuster ist nur gering ausgeprägt. Mischungen des Menelik-Buschbockes mit dem Abessinischen Buschbock sollen das Rift Valley besiedeln. An vorderer Stelle im SCI-Rekordbuch stehen Menelik-Buschböcke mit Hornlängen um 15 Zoll.
Der Ostafrikanische oder Massai-Buschbock (Tragelaphus scriptus delameri) ist stärker, die Grundfarbe ist bei den Bergformen in Kenia ein dunkles Braun mit wenig ausgeprägtem weißen Muster, die Stücke aus Tansania sind heller, das Muster ist aber deutlicher. Früher wurden für diese beiden Formen zu zwei Unterarten gerechnet. Mischformen mit dem Nil-Buschbock und dem Abessinischen Buschbock im Norden und mit dem Chobe-Buschbock im Westen und Süden des Verbreitungsgebiets sind möglich. Die Spitze des SCI-Buches nehmen Massai-Buschböcke mit Hornlängen über 19 Zoll ein.
Der Chobe-Buschbock (Tragelaphus scriptus ornatus) hat sein Verbreitungsgebiet in Angola, im Nordosten von Namibia (Caprivi), im Norden Botswanas, in Sambia und Malawi, im Südosten der Republik Kongo, im Norden Mosambiks und in Simbabwe mit Ausnahme des Einzuggebietes des Limpopo. Er mischt sich an den Rändern mit dem Ostafrikanischen Buschbock und dem Limpopo-Buschbock. Die Hornlänge liegt in der Spitzenklasse um 18 Zoll.
Der zuletzt genannte Limpopo-Buschbock (Tragelaphus scriptus roualeyni) besiedelt das Einzugsystem des Limpopo in Botswana, das südliche Simbabwe, den Süden Mosambiks und die gleichnamige Provinz Limpopo in Südafrika. Das Streifen- und Fleckenmuster kann bei dieser Form fast vollständig fehlen. Mischungen mit dem Chobe-Buschbock und dem Kap-Buschbock sind möglich. Auch der Limpopo-Buschbock hat in der Spitzenklasse Hornlängen um 18 Zoll.
Die letzte und südlichste Unterart ist der Kap-Buschbock (Tragelaphus scriptus sylvaticus). Mit Ausnahme der Provinz Limpopo kommt er im Osten Südafrikas von Mpumalanga über KwaZulu-Natal bis zum Kap der Guten Hoffnung vor. Die Hornlänge der an der Spitze stehenden Kap-Buschböcke liegt um die 17 Zoll.
Die kleinen Waldböcke sind hinten leicht überbaut, also vom Schlüpfertyp, und Waldrand- und Buschbewohner. Die Grundfarbe der Decke reicht, je nach Region, von fahlgelb über gelbrot, braun und rot bis grauoliv bis zu den sehr dunklen Buschböcken am Ostkap; das weiße Streifen- und Punktmuster an Haupt, Ziemer, Flanken und Keulen ist mehr oder weniger ausgeprägt. Die typischen Waldformen West- und Zentralafrikas bis hinunter nach Sambia sind leuchtend rotbraun mit vollem Streifenmuster; auf sie trifft der deutsche Name Schirr-Antilope zu.
Denn das Muster mit den senkrechten Streifen und den Streifen oder Fleckenlinien an den Flanken sieht aus wie ein Pferdegeschirr. Die in Äthiopien, im Massailand oder in Südafrika vorkommenden Formen sind gelbbraun bis braunoliv, teilweise noch dunkler gefärbt, die Streifen sind schwächer oder fehlen sogar.
Die Böcke sind meist dunkler gefärbt und etwa eineinhalbmal stärker als die Geißen. Je nach Gegend wiegt ein Buschbock unaufgebrochen 40 bis 75 Kilogramm, lebende Geißen bringen 25 bis 60 Kilogramm auf die Waage. Nur die Böcke tragen einfach gedrehte Gehörne, ausnahmsweise gibt es aber auch gehörnte Geißen.
Bei den Feuchtland-Rassen sind Schlauchlängen über 19 Zoll rekordverdächtig, 15 Zoll sind guter Durchschnitt; die Trophäen in den Trockengebieten sind generell schwächer, jedoch nicht weniger schwer zu erbeuten, weswegen sie, zur Freude der amerikanischen Maßbandjäger, schon mit 15 Zoll ganz oben in den Rekordbüchern stehen.
Erinnert der Große Kudu in mancher Hinsicht an unser Rotwild, so ist der Buschbock bezüglich Lebensweise, Verhalten und Bejagung das afrikanische Pendant zum Rehwild: Standorttreu und eher Einzelgänger sind beide Geschlechter, es gibt aber Sprünge von Geiß mit Kitz und einjährigen Stücken; seltener sind kleine Junggesellentrupps. Das Streifgebiet, je nach Lebensraum oder Deckungs- und Äsungsangebot, ist fünf bis 50 Hektar groß; diese Homeranges können sich überlappen.
Die Schmalgeiß wird im Alter von einem Jahr brunftig und setzt ein Kitz nach sechs Monaten Tragzeit; das Junge wird in den ersten Tagen abgelegt und nur zum Säugen aufgesucht. In günstigen Lebensräumen ist die Vermehrungsrate sehr hoch. Deswegen können die kleinen Böcke für die Landwirtschaft und in Forstkulturen zum Problem werden.
Buschböcke sind nicht immer territorial. Unklar ist noch, ob die Reviere vielleicht nur saisonal sind, ähnlich wie beim Rehwild. In manchen Klimazonen ihres weiten Verbreitungsgebietes gibt es nämlich keine ausgeprägte Brunftzeit. Zwar gibt es Losungsplätze, Bodenforkeln sowie das typische Imponiergehabe mit Präsentieren von Breitseite und Rückenmähne, doch die derart markierten Territorien sind ziemlich klein, manchmal nur einen halben Hektar groß. Gelegentlich haben mehrere Böcke ihren Tageseinstand in der selben Feldholzinsel und gehen sich nur knapp „aus dem Wechsel“. Auf guten Äsungsplätzen sowie an den Schöpfstellen stehen sie nicht selten friedlich zusammen.
Mancherorts, vor allem in Gebieten mit ausgeprägter Trockenzeit, werden die Einstände mit der Jahreszeit gewechselt; doch wo es Äsung und Deckung ganzjährig gibt, da bleiben die Buschböcke jahraus, jahrein am selben Standort und sind ziemlich verträglich untereinander. Andererseits gibt es heftige Brunftkämpfe, wobei tödliches Forkeln keine Ausnahme ist.
Ein angebleiter Buschbock ist wehrhaftes Wild; die Aggressivität ist in Afrika sprichwörtlich und gefürchtet, zumal der typische Einwirkungsbereich der bemerkenswert spitzen Hörner zu den empfindlichsten Teilen des Kleinen Jägerrechts gehört. Eine kurze Schrotflinte und scharfe Hunde sind bei der Nachsuche im Dickbusch besser als Büchse und Leichtsinn ob des kleinen Wildes.
Der Verfasser erinnert sich lebhaft an einen Ringkampf mit einem Bock, der nur deshalb glimpflich ausging, weil der blitzartig annehmende Bursche beide Vorderläufe durchschossen hatte und nur auf Kniehöhe ankam. Bis der bösartig forkelnde und schlegelnde Kontrahent im Schwitzkasten, das Waidmesser gezogen und schließlich ein Ende gemacht war, gab es noch reichlich Ohrfeigen mit den scharfen Schalen der Hinterläufe.
Junges Laub, Knospen, Triebe, Blüten, Zweige, Kräuter und zartgrünes Gras gehören zur Äsung. Baumfrüchte und Schoten werden sehr gerne genommen, vor allem in der Trockenzeit, wenn die Nahrung am Boden knapp wird. Daher sind Buschböcke oft unter Meerkatzen und Pavianen zu finden. Was den liederlichen Affen vom Baume fällt, äsen die Paarhufer. Außerdem profitieren sie vom Ausblick, den die Strauchdiebe mit dem Gesicht für mächtige Kronenadler und lauernde Leoparden haben. Den lärmenden Herrentieren in luftiger Höhe nützt wieder das feine Gehör und der gute Geruchssinn ihrer Symbionten im dunklen Dickicht.
Anpirschende Leoparden, Löwen, Hyänen und Wildhunde, fleischhungrige Afrikaner sowie deutsche Waidmänner werden mit bellendem Schrecken gemeldet; das klingt dann ähnlich wie beim Rehwild und hat die gleichen Auswirkungen auf die Jagdstrecke.

Die Jagd

Der gewitzte Jäger späht daher sorgfältig und in Ruhe von ferne nach der Affenbande in den Wipfeln des Galeriewaldes. Unter ihnen äst nämlich mit ziemlicher Sicherheit der hochkapitale Bock die schmackhaften Ringelschoten des Anabaumes oder die anrüchigen Leberwürste der Kigelia, bevor er dann entweder ein Stündchen im Dickicht ruht oder sogleich zum nächsten Wasserloch im Rivier zieht. Dort erscheint er alltäglich zum Schöpfen und markiert mit leuchtender Decke seine Anwesenheit.
In der Abenddämmerung, auf dem Wechsel zur frischen Äsung, sowie am Morgen, auf dem Rückwechsel zum Einstand, nicht selten auch zur flimmernd heißen Mittagsstunde, wenn die kühle Tränke lockt, dann sind Buschböcke rege und werden sichtbar; sie haben einen ähnlichen Zwei- bis Vierstundenrhythmus von Äsen, Wiederkäuen und Ruhen wie unser Rehwild.
Deshalb ist es ratsam, sich besonders in den späten Vormittagsstunden bis zum frühen Nachmittag auf die Pirsch zu begeben. In der faulen Stunde an kleinen Lichtungen oder Schneisen auf den heimlichen Drehhornträger zu passen, hat schon manchem Jäger zu seinem Traumbuschbock verholfen!
Das keineswegs uninteressante jagdliche Problem ist nur, durch die Dornenhecken und das knistertrockene Laub am Ufer oder über das blanke Flussbett an den prahlenden Burschen heranzukommen und zu schießen, bevor er wieder ins dunkle Gebüsch entschwindet.
Alle Drehhorn-Antilopen stehen sich zoologisch sehr nahe und kreuzen sich unter gewissen Umständen auch untereinander. In zoologischen Gärten und auf dicht besetzten Wildfarmen gibt es nach Wissen des Verfassers die folgenden Bastarde: Eland x Großer Kudu; Kleiner Kudu x Sitatunga; Kleiner Kudu x Buschbock; Sitatunga x Buschbock; Bongo x Sitatunga. Andererseits scheint es in freier Wildbahn auch Fortpflanzungsbarrieren innerhalb der selben Art zu geben.

Mit 16 Inch einer der starken aus Ostafrika.

Fotos: Werner Layer, Dr. Arwed Bau