CITES: Neo-koloniale Tierrechtler kontra arme Kleinbauern aus der 3. Welt

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Seit Jahren arbeitet die CITES-Konvention an dem Ziel, dass Schutzmaßnahmen für bedrohte Wildtiere die Lebensbedingungen armer Gemeinden in Entwicklungsländern möglichst wenig schädigen. Im Gegenteil, die arme Bevölkerung soll vom Wild profitieren. Das steigert auch deren Bereitschaft, das Wild zu schützen.

Neo-koloniale Tierrechtler torpedieren Arbeitsgruppe bei CITES-Ausschusssitzung in Sotschi. Die Verzögerungstaktik könnte Jahre kosten, zu Lasten armer Kleinbauern (Foto: Pixabay)

Derzeit tagt der Ständige Ausschuss der CITES in Sotschi (Russland). Hier sollten eigentlich Beschlüsse der Generalversammlung zu diesem Thema vorbereitet werden. Doch die großen Tierrechtsorganisationen, die Millionen zum angeblichen Schutz bedrohter Tierarten einsammeln, zeigen sich als Bremser auf dem Rücken der Ärmsten in der Dritten Welt.

Aufgrund ihrer Lautstärke und der immensen Finanzmittel, die sie einsetzen, spielen die Vertreter der so genannten „Tierwohlfahrt“ bei den CITES Konferenzen eine große Rolle als Lobbyisten. Sie nehmen an den Sitzungen teil, haben Rederecht und beeinflussen ihnen hörige Regierungen. Sie fürchten, ihr Einfluss könnte Schaden nehmen, wenn die ländliche Bevölkerung, die Seite an Seite mit den Wildtieren lebt und die Kosten des Wildes trägt, bei CITES ihre Stimme erheben dürfte. Außerdem ist es die Jagd, die den größten Nutzen für die ortsansässige Bevölkerung aus der Nutzung des Wildes verspricht. Nichtjagdlicher Ökotourismus landet weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz. In neo-kolonialer Manier will man die Vertreter armer Bevölkerungsgruppen vor den Türen von CITES halten.

Tierrechtler torpedierten deshalb die Arbeitsgruppe, die in Sotschi zu dem Thema tagte. „Es ist eine Schande, wie das Thema der Beteiligung ländlicher Gemeinden an den CITES-Entscheidungsprozessen hier behandelt wird,“ kommentierte Willem Wijnstekers, der frühere CITES-Generalsekretär. Er vertritt in der russischen Stadt am Schwarzen Meer den Internationalen Jagdrat CIC, der sich dort für die Rechte der indigenen Völker und armer Dorfgemeinschaften einsetzt. „Sie müssen schließlich mit den Konsequenzen von CITES-Entscheidungen leben“, so Tamás Marghescu, der Generaldirektor des CIC.

In den Verhandlungen bestätigte sich auch, dass bestimmte Regierungen von Entwicklungsländern keinesfalls ihrer armen ländlichen Bevölkerung ein Mitspracherecht beim Wildschutz oder gar direkte Vorteile aus gemeindebasierter Jagd einräumen wollen. Die Einnahmen aus Tourismus und Jagd stecken sich die Regierungen und ihre Administrationen lieber selbst in die Tasche. So ergab sich in Sotschi eine interessante Koalition von Tierrechtlern aus reichen Ländern und Regierungen armer Länder von zweifelhafter Governance. Durch die Obstruktionspolitik der Tierrechtler können Entscheidungen wahrscheinlich erst auf der CITES-Weltkonferenz in vier Jahren getroffen werden.

rdb