Die Patrone 9,3×62

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Die 9,3×62 wurde 1905 von dem Berliner Büchsenmacher Otto Bock entwickelt. Der Gedanke war, eine mittelstarke Patrone für die Jagd in den damaligen afrikanischen Kolonien zu schaffen.

Die Patrone 9,3x62

Von Norbert Klups
Die Patrone 9,3×62 war als Konkurrenz zu den englischen Patronen .350 Rigby und .400/350 N.E. gedacht. Und in kürzester Zeit schlug sie die alten englischen Kaliber aus dem Felde. Sie war zwischen den beiden Weltkriegen die beliebteste Großwild-Patrone der Mittelklasse in Afrika.

Grund war hier sicher auch, dass die 9,3×62 die kostengünstige Verwendung des normalen 98er Mauser-Systems zuließ und dieses System sich bei der Großwild-Jagd schnell einen legendären Ruf verschafft hatte.

Die 9,3×62 besitzt den gleichen Boden wie die anderen Mauser-Patronen und ist genau auf das Mauser-System zugeschnitten. Doch auch in heimischen Revieren wurde die 9,3×62 schnell bekannt und war bei der Jagd auf europäisches Elch-, Rot- und Schwarzwild weit verbreitet. In den Nachkriegsjahren lief ihr dann zunächst die kalibergleiche, aber stärkere 9,3×64 Brenneke den Rang ab.

Doch das änderte sich wieder. Denn die druckschwache und noch angenehm zu schießende 9,3×62 war für unser heimisches Wild völlig ausreichend und hat wesentlich weniger „Nebenwirkungen“. Heute ist sie eine der beliebtesten Drückjagd-Patronen und besonders von „Waldjägern“ gern genutzt. Doch auch für die Auslandsjagd, bei der es um mittelschweres Wild in dichtbewachsenem Gelände geht, ist sie eine gute Wahl.

Die Schuss-Entfernung sollte gut 160 Meter nicht überschreiten. Denn dann fällt das Geschoss ziemlich stark. Dafür ist die Stoppwirkung auf kurze Distanz sehr hoch, und die Wildbret-Entwertung hält sich in erträglichen Grenzen. Die 9,3×62 eignet sich sehr gut für den Bau kurzläufiger Büchsen. Denn für diese Patrone werden in Verbindung mit relativ schweren Geschossen mittelschnelle Pulver verwendet. Sie brennen auch in kürzeren Läufen nahezu vollständig ab, und der Leistungsverlust ist daher sehr gering.

Die 9,3×62 ist eine zwar leistungsstarke, aber trotzdem sehr ausgewogene und angenehm zu schießende Patrone. Viele moderne Patronen verlieren schnell ihren „Magnum-Glanz“, wenn die echten Werte, also aus der Waffe und nicht aus Messläufen, mit denen der 9,3×62 verglichen werden.

Bei den Fabrik-Patronen sieht es heute wieder sehr gut aus. Munition wird von den Firmen RWS, Norma, Lapua, PMP, Blaser und Wolfgang Romey hergestellt. Die Hülsenbeschaffung ist bei diesem Kaliber problematisch. Wird der benötigte Hülsenvorrat nicht durch das Verschießen von Fabrikpatronen gewonnen, so bleibt nur der Kauf von neuen Hülsen.

Theoretisch lassen sich zwar 9,3×62 Hülsen auch durch Umformen aus 7×64 oder .30-06 gewinnen, doch die original 9,3-Hülsen sind im P 1-Bereich stärker gehalten. Umgeformte Hülsen führen daher zu einer stärkeren Verschluss-Belastung.

Bei den Geschossen sieht es dagegen gut aus. Das Angebot ist reichhaltig, und es stehen auch hochwertige Spezialgeschosse zur Verfügung.

Durch die im Vergleich zu anderen Großwild-Patronen kleine Hülse ist mit progressiven Pulvern keine ausreichende Leistung zu erzielen. Zum Einsatz kommen daher die offensiven bis mittelschnellen Pulver. Reduzierte Ladungen sind kein Problem. Die meisten Hersteller von Wiederlade-Matrizen haben die 9,3×62 im Programm. Standard-Zündhütchen reichen für die mittelschnellen Pulver völlig aus.

Zur Ermittlung der Ladedaten wurde eine Repetierbüchse mit 60 Zentimeter Lauflänge benutzt. Die Geschwindigkeit wurde drei Meter vor der Laufmündung gemessen.

Die Angabe der Ladedaten erfolgt in jeder Hinsicht ohne Gewähr. Denn es besteht keine Garantie dafür, mit welcher Sorgfalt und welchen Komponenten der Wiederlader arbeitet, noch in welchem Zustand sich die Waffe befindet, mit der er seine Munition verschießt.

Die 9,3x62 neben der 9,3x64 und der .375 Holland&Holland Magnum.
Von links: Die 9,3×62 neben der 9,3×64 und der .375 Holland&Holland Magnum.

 

Tabellen:
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Fabrik-Laborierungen
Was passt zu wem?
Ladedaten
Fotos: Norbert Klups

JWW
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