Jagdmoral im Grenzbereich

202


 

003_003_Editorial_DJZ_0516_1.jpg
Was macht einen guten Jäger aus? Was eine gute Jagd? Wie bei allem im Leben, gehen die Meinungen dabei weit auseinander. So individuell Menschen sind, so einzigartig sind auch deren Geschmäcker und Gedanken. Dies gilt umso mehr für Weidmänner, deren „Größenvergleich“ sich gern in Trophäen äußert oder aber darin bemisst, welche Jagdmoral der jeweilige Nimrod besitzt.
Beim Thema Auslandsjagd trennt sich die Spreu vom Weizen. Manche Jäger der freien Wildbahn wollen sich dabei trennscharf von Gatterjägern abgrenzen. Sie lehnen es strikt ab, in gezäunten Gebieten zu jagen, da das Wild dort angeblich „keine Chance besitzt“.
Warum wärme ich diese alten Kamellen auf? Stein des Anstoßes ist der Artikel unseres Stammautors Peter Flack über jagdliche Perversionen in Südafrika (S. 32). Es geht um Löwen „aus der Dose“ sowie genetisch manipulierte „Wildtiere“ mit ungewöhnlichen Deckenfarben oder Hornlängen. Vor einigen Jahren dachten sich findige Wildtierfarmer, dass der Rubel — oder besser US-Dollar — mit diesen „Exoten“ mächtig rollt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Ganz abgesehen davon, dass das Interesse an Black Impala, Golden Wildebeest & Co. verschwindend gering ist, sorgen diese Eskapaden für einen schlechten Ruf des Jagdlandes. Erst kürzlich wurde auf 3sat der Dokumentarfilm einer französischen Filmemacherin gesendet, der diese Zustände emotional zu nutzen wusste.
Die Grenzen zwischen weidgerechter sowie moralisch verwerflicher Jagd sind verschiebbar und in höchstem Maße subjektiv. Bei der Jagd auf Zuchtlöwen im Kleingatter sind die Grenzen des guten Geschmacks aber eindeutig überschritten! Nicht wegen der Löwen selbst. Ob es denen schlechter geht und ging als Raubkatzen in freier Wildbahn, vermag ich nicht zu beurteilen. Und auch nicht wegen der Schützen, die zu Hause vom „annehmenden Löwen“ und „gefährlicher Großwildjagd“ berichten. Sie betrügen sich dabei nur selbst. Zu verurteilen sind diese Abschüsse vor allem deshalb, da sie der Jagd im Allgemeinen, vor allem aber der in Südafrika schaden.
Ganz offen möchte ich mich hier jedoch für Gatterjagd stark machen. Freilich differieren Qualität, Größe und Art der Bejagung stark. Gatter ist daher nicht gleich Gatter. Es gibt leider allerhand schwarze Schafe. Doch wenn man Jagdfarmen rigoros ablehnt, müsste man auch die Jagd auf Nordseeinseln verurteilen, wo sich Hasen nur mit einem kühnen Sprung ins kalte Nass retten können.
Zahlreiche Wildarten im Südlichen Afrika haben ebenso stark von Gattern profitiert wie die vielen davon lebenden Menschen. Zudem offerieren Jagdfarmen dem Auslandsjäger erschwingliches Weidwerk. Nicht jeder kann es sich leisten, eine 21-Tage-Safari im Caprivi oder dem Erongo-Delta zu bestreiten. Solvente Moralpäpste, die sich auf ein Podest stellen, da sie „weidgerechter“ im Offenland jagen (können), müssen das bedenken. Ob Gatter oder Offenland: Hauptsache mit Freude und weidgerecht! Reichlich Weidmannsheil auf all Ihren Wegen
 
Ihr
Peter Diekmann
stv. Chefredakteur
 
 
 


JWW