Stopp der Trophäeneinfuhr?

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Editorial JWW 2/2016
 

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Die Trophäenjagd steht (mal wieder) unter Beschuss. Viele von Ihnen werden jetzt wahrscheinlich denken: Da kaut der wieder dieses alte Kaugummi durch. Und ich gestehe, allein mit dem Satz sage ich Ihnen nichts Neues. Doch der Kaugummi bekommt einen bitteren Geschmack. Denn anlässlich der Mitte Februar geendeten Messe Jagd & Hund in Dortmund hat der Deutsche Naturschutzring einen Brief an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) geschrieben, in dem ein Verbot der Trophäeneinfuhr von geschützten Arten nach Deutschland gefordert wird.
Konkret fordern die Unterzeichner dieses Briefes, dass die Einfuhrgenehmigungen per Erlass für Wildtierarten gestoppt werden, die der EU-Artenschutzverordnung unterliegen. Die derzeitige in Deutschland übliche Genehmigungspraxis wollen die Unterzeichner auf den Prüfstand stellen. Zusätzlich wird gefordert, dass die Genehmigungsverfahren revidiert werden und die Genehmigungspflicht auf derzeit noch weitgehend frei einführbare Trophäen ausgeweitet wird. Im Klartext: Sie wollen die Trophäeneinfuhr stoppen.
Beim Blick auf die Unterzeichnerliste dieses Forderungskatalogs wird schnell klar, woher der Wind weht: Neben den Mitgliedern des Deutschen Naturschutzrings, dem aktuell 91 Mitgliedsorganisationen angehören, haben auch Pro Wildlife, Nabu, Deutscher Tierschutzbund, Vogelschutz-Komitee sowie die Vier Pfoten Stiftung für Tierschutz unterschrieben. Viele der Unterzeichner haben sich schon in der Vergangenheit gegen die Jagd stark gemacht oder tun dies aktuell.
Doch die derzeit laufenden Bemühungen von Jagdgegnern auf Bundesebene sind kein nationaler Alleingang. Aus dem Europäischen Parlament droht akut noch rauerer Gegenwind für Auslandsjäger: Abgeordnete diverser Parteien haben eine schriftliche Erklärung zur Trophäenjagd eingebracht. Ziel: Abschaffung der Trophäeneinfuhr EU-weit. Noch bis zum 18. April haben die EU-Abgeordneten Zeit, diese Resolution zu unterzeichnen. Danach geht das Papier an den Europäischen Rat und die EU-Kommission. Dort soll es die Grundlage für einen politischen Prozess bilden.
Ähnliches Vorgehen wurde in der Vergangenheit beispielsweise bei der Initiative zum Verbot von Seehundprodukten angewendet – mit Erfolg! Und schon jetzt hat die EU-Resolution Wirkung gezeigt: Die EU-Kommission hat bereits ein Papier auf den Weg gebracht. Es soll eine Resolution für die im September stattfindende CITES Artenschutzkonferenz in Südafrika sein. Unter anderem sind darin eine Ausweitung der Genehmigungspflichten für die Aus- sowie Einfuhr von Jagdtrophäen und insgesamt Verschärfungen der Prüfungspraxis vorgesehen.
Es ist 5 vor 12! Alle Jäger sollten sich so schnell wie möglich aufraffen und in die Tasten hauen! Schreiben Sie den Europa-Abgeordneten aus Deutschland und bringen Sie gute Argumente für die Auslandsjagd. Eine Übersicht zu den zuständigen Abgeordneten finden Sie hier …
 
Ihr
Markus Lück
Redakteur
 
 
 


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