Gesundheitsgefahren im Ausland – Malaria und Diphterie

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Wenn man im Ausland auf Jagd geht, muss man sich vor Krankheiten hüten, die sich immer weiter ausbreiten.

Hansgeorg Arndt

Dem Link zur Tabelle können Sie entnehmen, welche Gegenden der Erde besonders gefährdet sind.
Dem Link zur Tabelle können Sie entnehmen, welche Gegenden der Erde besonders gefährdet sind.
Von Dr. Reinald von Meurers
Malaria
 
Malaria-Erkrankungen haben derzeit Hochkonjunktur in Deutschland! In verschiedenen Veröffentlichungen bestätigt das Robert Koch Institut eine Verdoppelung der Malaria-Erkrankungen in Deutschland. 1997 erkrankten noch 73 Bundesbürger an der gefährlichen Infektionskrankheit. Etliche Fälle traten 1998 nach einem Aufenthalt in Kenia auf. Sieben Todesfälle wurden registriert, sechs davon waren Kenia-Urlauber.
 
Gesundheitsbehörden und Tropeninstitute warnen schon seit Jahren vor den gesundheitlichen Gefahren, die mit Reisen in tropische und subtropische Regionen der Erde verbunden sind (Tabelle zum Bild). Mittlerweile wurde sogar in Mittelmeerländern eine leichte Zunahme von Malaria-Erkrankungen registriert.
 
Die Malaria, insbesondere die „Malaria tropica“, ist die Infektionskrankheit mit der höchsten Sterblichkeitsrate. Alle Malaria-Erkrankungen werden durch Plasmodien (Blutparasiten) verursacht, die beim Stechvorgang der weiblichen Anopheles-Mücke übertragen werden. Bisher gibt es keinen wirksamen Impfstoff. Neben der medikamentösen Prophylaxe gilt daher nach wie vor: Mückenstiche möglichst vermeiden.
 
Die medikamentöse Prophylaxe muß unbedingt genau nach Vorschrift befolgt werden. Allerdings haben die Erreger der Malaria in einigen Gebieten gegen verschiedene Medikamente Resistenzen entwickelt. Ärzte, Apotheken mit Fernreiseberatung, Gesundheitsämter und Tropeninstitute raten deshalb zu zusätzlichen Schutzmaßnahmen, wie beispielsweise der Verwendung von Repellents.
 
Diphtherie
 
1998 ist in Langen, Kreis Offenbach, ein dreijähriges Mädchen an Diphtherie gestorben. Die Ursache der in Deutschland extrem seltenen schweren Infektionskrankheit war der Besuch von Verwandten, die zuvor auf einer Reise in Russland waren.
 
Die Verwandten blieben völlig frei von Krankheitszeichen, man konnte auch nachträglich keine Keime mehr feststellen. Vermutlich waren sie nur vorübergehend Bakterien-Träger und hatten per Tröpfchen-Infektion, also durch beim Sprechen in winzigen Wassertröpfchen übertragene Keime, das Kind infiziert.
 
Selbst bei dem hohen medizinischen Niveau der großen Krankenhäuser in Deutschland können Erkrankte an dieser vermeintlichen Kinderkrankheit sterben.
So geschah es im Herbst ´94 mit einem kirgisischen Touristen, der aus einer Region kam, die vermehrt im Blickpunkt der Seuchenmediziner liegt.
Seit 1990 wurden in den Nachfolgestaaten der UdSSR zahlreiche Diphtheriefälle gemeldet, wobei aber die Dunkelziffer hoch ist. Allein im Gipfel der Erkrankungen in Russland wurden 1994 über 40 000 Fälle gezählt.
 
Auch die anderen Staaten der GUS wurden zunehmend betroffen, so dass zwischenzeitlich selbst die Stadt Alma Ata komplett abgeriegelt war. 1995 lag die Erkrankungszahl in der gesamten GUS bei 50 000, und insgesamt sind in den vergangenen fünf Jahren bis 1997 140 000 Fälle berichtet worden. Es handelt sich also um ein ernstes Problem.
 
Wir haben keinen Grund, uns nach dem Motto: „Wenn in fernen Ländern die Völker aufeinanderschlagen…“ zufrieden zurückzulehnen. Vor Beginn der nun schon acht Jahre lang wütenden Seuche bestand in der GUS ein ebenso geringer Impfschutz wie aktuell in Westeuropa. Nur wenige Erwachsene haben sich nach den meistens in der Kindheit durchgeführten Grund-Immunisierungen wiederimpfen lassen.
 
Zur Zeit haben wir nur sporadische Meldungen über Erkrankungen durch Diphtherie, die aus den Tropen und Subtropen eingeschleppt wurden. Meistens wurde erst nach längerer Zeit die Ursache des ungewohnten Krankheitsbildes erkannt und entsprechend behandelt. Die Gefahr besteht hier nicht nur für den Patienten, sondern auch für seine Umgebung, da laufend Keime ausgeschieden werden.
 
Die Behandlung durch Antibiotika mit Abtöten der Diphtherie-Bakterien ist aber nur die erste Maßnahme. Viel wichtiger ist die sofortige Gabe von Antitoxin, einer Substanz, die das Gift der Bakterien neutralisiert und somit die tödlichen Zerstörungen am Gewebe verhindert. Wenn die Giftstoffe ins Blut gelangen, lagern sie sich an Zellen im Herzen, der Nieren oder der Nerven an und vernichten sie.
 
Daher sollte man die alle zehn Jahre empfohlene Auffrischungs-Impfung gegen Wundstarrkrampf mit einer Impfung gegen Diphtherie kombinieren. Bei Erwachsenen und bei Kindern ab sechs Jahren wird eine wesentlich geringere Dosis als bei Kindern im Vorschulalter injiziert, man darf daher den Impfstoff nicht verwechseln.
 
Das im August 1997 in Hessen erkrankte Kind wurde schon am nächsten Tag mit Penizillin behandelt, aber erst am übernächsten Tag wegen sich schnell verschlechterndem Allgemeinzustand in eine Klinik gebracht. Dort wurde gleich der Verdacht auf Diphtherie geäußert und ein Abstrich entnommen, aber erst zwei Tage später das Gegengift verabreicht. Am sechsten Krankheitstag verstarb die Dreijährige.
 
Schon beim Verdacht auf Diphtherie soll das Gegengift gegeben und ein Nasen- und Rachenabstrich entnommen werden. Kontaktpersonen sind auch vorbeugend mit Penizillin zu behandeln. Vermutlich wurden die Bakterien von einer Tante oder deren Kind übertragen, die vorher den Raum Königsberg, eine Hochburg an Diphtherie-Erkrankungen, besuchten.
Weitere Informationen:
Fotos: Dr. Reinald von Meurers
Hansgeorg Arndt

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