Mongolei: Hangai-Argali – eine neue Schaf-Unterart

1654


Zu Beginn der 80er Jahre erlegten viele Jäger ein Argali-Schaf im Hangai-Gebirge der Zentralmongolei.

Erst seit kurzem anerkannt: die dritte Unterart, das Hangai-Argali.
Von Werner Jaeger
Zu Beginn der 80er Jahre erlegten viele Jäger ein Argali-Schaf im Hangai-Gebirge der Zentralmongolei. Das Jagdgebiet liegt zwischen dem Hohen Altai und Gobi und wird „Mittel-Altai“ genannt. Es wurde damit geworben, dass das Altai-Argali aus dieser Region zwar etwas schwächer sei als der Widder aus dem Hoch-Altai, dafür konnte die Jagd wesentlich preisgünstiger angeboten werden.

Zu Beginn der 90er Jahre wurden dann andere Jäger in das selbe Gebirge des Hangai-Massivs geschickt, um angeblich auf außergewöhnlich starke Gobi-Argalis zu jagen, aber zu einem deutlich höheren Preis. Hier sah sich der amerikanische SCI gezwungen, einzugreifen, weil man nicht zulassen konnte, dass aus dem selben Gebiet zwei verschiedene Unterarten kommen. Im SCI-Rekordbuch müssten alle Schafe aus diesem Gebirge zu ein und derselben Unterart gehören. Also entweder zum Altai- oder zum Gobi-Argali. Oder halt zu einer dritten Unterart.

So wurde 1997 entschieden, dass Argalis aus der Zentralmongolei (Hangai-Gebirge) zu einer besonderen Unterart gehören sollen, nämlich dem Hangai-Argali (Ovis ammon hangaii). Zwar wird diese neue Argali-Unterart aus der Mongolei im SCI-Rekordbuch bereits extra geführt, sie ist aber nicht als echte Unterart anerkannt, zumindest „noch nicht“. Das ist aber nur die Frage der Zeit, darin sind sich alle Schafexperten der Welt einig .

Auch die größte Autorität auf diesem Gebiet, Dennis Campbell, Herausgeber und Chefredakteur des maßgebenden Schafjägermagazins „OVIS“, ist damit einverstanden und führt bereits das Hangai-Schaf auf seiner Liste der Wildschafe für sein „OVIS World Slam“.

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Denn sowohl die Körpergröße wie die Trophäenstärke der Argalis aus dem Hangai-Gebirge sind grundsätzlich geringer als beim Altai-Schaf, aber deutlich höher als beim Gobi-Widder. Außerdem ist dieses Gebiet weder Altai noch Gobi, sondern ist ein Teil des Hangai-Systems, wodurch der Name voll gerechtfertig ist.

Die Durchschnittstrophäen des Hangai-Schafes weisen eine Hornlänge von 46 Inch auf. An der Basis sind sie etwa 16 bis 17 Inch stark. Ganz starke Widder haben eine Schneckenlänge bis maximal 52 Inch (Basis 18 bis 19 Inch). Von der Färbung her, körperlich und trophäenmäßig ist diese neue Argali-Unterart durchaus mit dem Altai-Argali vergleichbar. Man sagt, ein alter, starker Hangai-Widder ist fast so gewaltig wie das Altai-Schaf und kann von dem kaum noch unterschieden werden.

Preislich ist diese Jagd in der Klasse einer Gobi-Argali-Jagd, also nicht ganz auf dem Niveau des Königs aller Argalis. Je nach Gebiet ist der Jäger mit Geländewagen oder Pferden unterwegs und hält Ausschau nach starken Widdern. Wenn einer in der obersten Klasse bestätigt ist, wird er mit einem erfahrenen Guide vorsichtig angegangen. Die Jagdzeit erstreckt sich auf die Monate Juli bis November, wobei September und Oktober besonders zu empfehlen sind.

In der letzten Zeit passiert des Öfteren, dass dieser oder jener Schafjäger seine Jagd verschiebt oder storniert, wodurch kurzfristig sehr günstige Jagdmöglichkeiten auf sonst recht teuere Schafe entstehen. Im vorigen Winter bekam ich so den Anruf von einem Freund, der mir eine freigewordene Lizenz gerade für das Hangai-Argali in der Mongolei anbot.

Ich war zwar davon etwas überrascht, es reizte mich jedoch die Möglichkeit, auf diese neue Argali-Unterart zu jagen. Ich wusste, wenn ich einen starken, alten Widder bekomme, wird er sich kaum von einem echten Altai-Argali unterscheiden. So entschied ich mich spontan und sagte zu. Mitte November 2002 war ich dann bereits in Ulan-Bator. Von der mongolischen Hauptstadt ging es weiter mit dem Geländewagen über die zugeschneite Steppe noch 200 Kilometer ins Hangai-Gebirge. Wegen geschlossener Schneedecke war es schwer zu fahren, wir blieben oft im Schnee stecken. Fast acht Stunden haben wir für diese 200 Kilometer gebraucht!

Ich war in einer warmen Jurte untergebracht, die uns mongolische Nomaden in ihrem Winterlager freigemacht hatten. Um uns herum stand in geschlossener Schneedecke weit verstreut unzähliges Hausvieh und fraß die spärlichen Grasreste, die aus dem Schnee herausragten. Tagsüber gab es Temperaturen um minus 15 Grad Celsius, in der Nacht auch minus 20 bis 25 Grad. Deshalb waren den Kühen Decken auf Rücken und Bauch gebunden. In den ersten zwei Jagdtagen fuhr ich mit meinen mongolischen Jagdführern mit einem Geländewagen durch die Gegend. Es lag sehr viel Schnee, wir blieben des Öfteren in den Verwehungen stecken oder fuhren uns fest.

Jeden Tag hatte ich Anblick von Maralwild und sogar Wölfen. Heute bereue ich, nicht einen guten Wintermaral erlegt zu haben. Und zwar gegen meinen bei vielen Jagdreisen beherzigten Grundsatz „Die erste gute Chance nutzen“ verstoßen zu haben. Die Lizenz war vorhanden, aber meine Jagdführer sagten, wir bekämen nach der Argali-Jagd leicht einen noch stärkeren Maral, aber es gab dann keine Chance mehr.

Immer wieder beobachteten wir, mal durch das Spektiv, mal durch das Fernglas größere und kleinere Argalirudel, aber wirklich starke, alte Widder hatte ich in den ersten zwei Tagen nicht gesehen. Alles, was an Widdern zu sehen war, waren mittelstarke Widder mit Trophäen um 40 bis 43 Inch.

Am dritten Jagdtag sahen wir am späten Nachmittag ein Argali-Rudel in einem Felskessel. Mehrere Widder waren dabei, aber höchstens in der Klasse um 44 bis 46 Inch, ich wollte einen besseren. Und während wir über die Trophäenstärke einzelner Schafe diskutierten, zeigte sich ein einzelner Widder, sehr dunkel in der Decke und mit deutlich stärkeren Schnecken. Ein Blick durch das Spektiv genügte mir. Der war gut genug! Wir beschlossen, ihn vorsichtig anzugehen. Die Jäger stiegen mir zu schnell, sie waren auch halb so jung wie ich. Ich musste doch unterwegs im Schnee ein paar Mal stehen bleiben und verschnaufen. Trotzdem kamen wir ziemlich flott hoch, dem Widder immer näher.

Der hatte uns offenbar bereits bemerkt, zog unruhig durch den Schnee auf die rechte Seite. Wir standen etwas ungünstig in der freien Schneefläche, so dass der Widder vom Felsen zu uns herunteräugte. Schnell machte ich mich zum Schießen fertig. Mit guter Auflage, gemessener Entfernung von 300 Metern und markierter Absehen-Schnellverstellung hätte ich einen sicheren Schuss wagen können, aber meine Jäger wollten das nicht. Sie meinten, das sei auf diese Entfernung nicht möglich, und wir krochen noch ein Stückchen weiter vor bis auf etwa 200 Schritt.

Ich musste nochmals die Stellung wechseln, weil ein paar kleine Büsche genau in der Schussbahn standen. Mein Widder stieg in der Felswand noch höher, verhoffte für eine Sekunde, äugte zu uns. Ich richtete mir den Rucksack im Schnee zurecht, ging ruhig ins Ziel und ließ fliegen. Es war schon stark dämmerig, als wir vor einem starken Widder standen, der über zehn Jahre alt war. Alles war bei ihm perfekt. Mit knapp 50 Inch hatte er eine gute Hornlänge für einen Hangai-Widder, und auch der Basisumfang von 18,5 Inch war enorm. Ich war sehr zufrieden, meine mongolischen Begleiter auch. Keiner fror mehr, vor uns lag doch auf der Strecke ein Schaf, fast so stark wie das Altai-Argali und von ihm kaum zu unterscheiden.

 
Foto: Werner Jaeger
Hansgeorg Arndt