Nashornwilderer vertrauen auf Brünner Jagdbüchsen

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Schwere Vorwürfe gegen Behörden Südafrikas und Mosambiks, aber auch gegen die Waffenwerke Brünn und die tschechische Regierung. Jahrelang sollen Brünner Repetierbüchsen der Marke CZ über ein kriminelles Netzwerk bei Nashornwilderern in Südafrika gelandet sein.

Jedes Jahr werden in Südafrika um die tausend Nashörner gewildert. Die wertvollen Hörner landen in Südostasien, vor allem in China. Das Multimillionengeschäft ist fest in der Hand weltweit operierender Syndikate.

Die Wildhüter des Krüger Nationalparks fanden immer wieder nagelneue CZ Brünner Repetierbüchsen in den Kalibern .375 und .458 bei den Wilderern. 90 % der aufgegriffenen Jagdbüchsen sollen aus dieser Quelle stammen. Zum Teil hatten die Waffen fortlaufende Nummern. Einige waren aufgrund der Beschriftungen offensichtlich für den amerikanischen Markt bestimmt.

Jedes Jahr werden in Südafrika um die tausend Nashörner gewildert (Foto: Markus Lück)

Vier Jahre lang hat die Nichtregierungsorganisation „Conflict Awareness Project“, die sich vor allem mit illegalem Waffenhandel beschäftigt, die Vorgänge untersucht. In einem sehr detaillierten, aktuellen Bericht beschreibt ein Autorenteam ein kriminelles Netzwerk, das die CZ Waffen im Großhandel in der Tschechischen Republik eingekauft und über Zwischenhändler in Portugal nach Mosambik geliefert hat. Zum Teil sollen auch Waffen aus den USA nach Afrika geliefert worden sein. Dort wurden sie dann an Wilderei-Syndikate weitergegeben.

Jahrelang konnte dies funktionieren, da lasche Kontrollen und korrupte Behörden den Kriminellen das Handwerk erleichterten. Durch die Lieferung in Kleinmengen blieben die Schmuggler oft auch unterhalb des Radarschirms der offiziellen Kontrollorgane. Obgleich viele Beteiligte namentlich bekannt sind und Beweise übergeben wurden, haben die Behörden Mosambiks und Südafrikas keine strafrechtlichen Maßnahmen ergriffen. Eine Strategie des Aussitzens habe sich für Händler, Schmuggler und Wilderer ausgezahlt, so die Autoren.

Der Bericht wirft den Brünner Waffenwerken keine wissentliche Lieferung an Kriminelle vor, unterstellt ihnen aber eine laxe Haltung nach dem Motto „Was geht uns das an?“ Waffen sollen auch dann noch weiter nach Mosambik geliefert worden sein, als die Vorwürfe schon bekannt waren. Der Tschechischen Republik wird völliges Versagen bei den Ausfuhrkontrollen und Mithilfe bei den Verkäufen angelastet.

Der explosive Bericht ist noch weitgehend unbekannt. Es wird interessant sein, welche Erklärungen die Brünner Waffenwerke und die Tschechische Regierung anzubieten haben.

rdb