Oryx von Norma

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Normas Erfolgsrezept war seit vielen Jahren das Vulkan-Geschoss, das in zahlreichen Norma-Patronen Verwendung fand. Im Jahre 1996 stellte der schwedische Munitionshersteller dann ein neues Jagdgeschoss mit der Bezeichnung „Oryx“ vor.

Von Norbert Klups

Geschossaufbau

 Beim Aufbau des Oryx hat Norma die mit dem Vulkan gemachten guten Erfahrungen angewandt und eigentlich nicht viel geändert. Auch das Oryx ist ein einteiliges Deformationsgeschoss mit abgestuftem Mantelverlauf.

Der Tombakmantel ist an der Spitze sehr dünn und wird zum Heck dann deutlich stärker. Im hinteren Drittel ist der Geschossmantel eingebördelt. Spätestens an diesem Punkt soll die Deformation des Geschosses gestoppt werden.

Neu am Oryx, gegenüber dem Vulkan, sind die Form der Spitze und die chemische Verbindung von Tombakmantel und Bleikern. Das Oryx hat eine lang ausgezogene und vorn abgeflachte Geschossspitze.

Auf die Einbördelung der Spitze wie beim Vulkan verzichtet Norma also völlig. Durch die Verbindung von Mantel und Kern soll die Splitterabgabe verringert werden, und wegen des höheren Restgewichtes ist mit einer deutlich stärkeren Durchschlagskraft zu rechnen.

Erwartete Wirkung Norma verspricht sich vom Oryx gegenüber dem alten Vulkan eine höhere Durchschlagskraft und bessere Tiefenwirkung. Durch die chemische Verbindung von Mantel und Bleikern wird ein höheres Restgewicht erzielt, und das Geschoss eignet sich auch für starkes Wild.

Durch den dünnen Mantel am Geschosskopf spricht das Oryx aber auch bei schwachem Zielwiderstand oder weiten Schüssen zuverlässig an und ist so universell einsetzbar.

Die Deformation des Geschosses soll auch bei hohen Zielwiderständen nicht über den zweifachen Kaliberdurchmesser hinausgehen.

Die lang ausgezogene Spitze verleiht dem Geschoss einen guten Formwert und sorgt für nur geringen Geschwindigkeitsverlust bei weiten Schüssen.

Die abgeflachte Spitze, ohne über den Mantelrand herausschauenden Bleikern, verhindert eine präzisionsmindernde Deformation der Geschossspitze im Magazin oder beim Repetiervorgang. Gleichzeitig sorgt der flache Geschosskopf für eine schnelle Einleitung des Deformationsvorganges.

Aus der Praxis Das Oryx ist erst seit einem Jahr auf dem Markt, doch die vorliegenden Abschussberichte zeigen, dass die chemische Verbindung von Kern und Mantel funktioniert.

Eine Norma-Erfindung ist das aber nicht: Etliche US-Geschosse weisen diese Technik bereits auf.

Wenn kein Ausschuss erzielt wurde, weisen die Geschossreste durchweg Restgewichte von über 70 Prozent auf.

Die Tiefenwirkung ist sehr gut, und meist wird Ausschuss erzielt. Bei leichteren Stücken spricht das Geschoss zuverlässig an, ohne „brutal“ zu wirken und übermäßig viel Wildbret zu zerstören.

Der Tombakmatel rollt sich in Fahnen nach hinten auf, wobei diese Fahnen durch das daran chemisch verbundene Blei des Kerns sehr stabil sind und nicht abreißen.

Die Beschränkung der Deformation auf den maximalen doppelten Kaliberdurchmesser funktioniert nicht immer. Bei harten Treffern deformiert das Oryx auch schon mal bis zum Heck, und der Querschnitt ist 2,5 bis dreimal größer.

Das ist aber kein Nachteil, denn auch die stark vergrößerten Geschossreste wiesen ein Restgewicht von über 70 Prozent auf. Die Energieabgabe im Wildkörper ist entsprechend hoch.

Auf Hindernisse in der Flugbahn reagiert das Oryx mit beginnender Kopfdeformation, ohne jedoch in starkem Maße von der Flugbahn abzuweichen. Bei erlegten Stücken fällt dann der überkalibergroße Einschuss auf. Damit ist das Oryx auch für den Waldjäger brauchbar.

Mit dem Oryx- Geschoss hat Norma die Angebotspalette um ein universell einsetzbares Geschoss, dessen Schwerpunkt aber bei starkem Hochwild liegt, ergänzt.

Besonders in den Kalibern .300 Winchester Magnum und 9,3×62 ist die Norma-Laborierung mit dem Oryx-Geschoss auch für den Auslandsjäger, der auf nordamerikanisches Wild wie Elch oder Bär oder afrikanischen Großantilopen jagt, eine interessante Alternative.

Hansgeorg Arndt


Hansgeorg Arndt

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Fotos: Norbert Klups

Hansgeorg Arndt