Heathrow: Bermuda-Dreieck

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Glück hat dagegen unsere Jägerin, der in Heathrow aus ihrem Rucksack das Schloß ihrer Repetierbüchse herausgefischt und als Sicherheitsgepäck im Cockpit nach Calgary gebracht wird. Anfangs scheint es ebenfalls nicht angekommen zu sein. Erst als wir Mitgliedern der Crew unser Problem schildern, wird im Cockpit nachgesehen. Der Umschlag mit dem Schloß für den Repetierer liegt noch dort.
Gepäck auf Irrfahrt
In Fort McMurray erneute und ausgiebige Verlustmeldung. Der Computer meldet anhand der Gepäcknummern, daß sowohl der Waffenkoffer von Thomas und Andreas, als auch das Gepäck des Tiroler Jägers – aus welchen Gründen auch immer – in München zurückgehalten werden. Mein verlorenes Gepäckstück ist nach London-Heathrow gelangt, dort aber spurlos verschwunden. Uns wird zugesichert, daß unser Gepäck mit Sicherheit innerhalb 48 Stunden eintreffen und auf Kosten der Fluggesellschaft ins Wildniscamp ausgeflogen wird.
Vor dem Ausflug ins Camp kaufe ich ein Paar Stiefel, zwei Paar warme Socken und ein Paar warme Handschuhe, außerdem Munition für den Blaser-Stutzen von Uschi im Kaliber .308 und Bleischrot für meine Doppelflinte. Munition im Kaliber .338 Win. Mag. für meine Büchse ist nicht erhältlich.
Am Dienstag kommt Chuck mit der Nachricht zum Legend Lake, daß bisher weder mein Gepäck noch der Waffenkoffer aufgetaucht sind. Da Uschi ihren Elch gestreckt hat, erklären sie und ich mich bereit, unsere Waffen Andreas und Thomas zur Verfügung zu stellen. Auch bis zum Abflug von Fort McMurray tauchen die Sachen nicht mehr auf.
Als wir wieder in Düsseldorf landen, ist auch das übrige Gepäck einschließlich Waffenkoffer weg. Es ist, wie man relativ schnell ermittelt, in Heathrow – von Vielfliegern als das Bermuda-Dreieck für Gepäck bezeichnet – verschwunden. Stunden später wird es aufgefunden und nach Düsseldorf gebracht. Ein Kurierdienst liefert es am nächsten Morgen an.
15 Tage nach Abflug in Düsseldorf taucht auch das in Calgary vermißte Gepäckstück aus dem Heathrower Gepäckstrudel auf. Es wird mit einem Sonderkurier der BA nach Hause geliefert. Verschiedene Teile fehlen. Wer immer sich aus meinem Gepäck bedient hat, ist ganz offensichtlich Naturfreund und Angler: Neben dem Zeiss-Fernglas fehlen die Wathose, die Angelruten, Angelzubehör, eine Jacke, zwei Jagdhosen und anderes mehr. Neupreis: 4.030 Mark.
Die Fluggesellschaft erweist sich „großzügig“ und erstattet „aus Kulanz“ in Anrechnung von 32 kg „verloren gegangenem Gepäck“ das, was sie nach dem Warschauer Abkommen zu zahlen hat: 53,50 Mark pro Kilogramm: 1.712 Mark. Eine weitergehende Entschädigung ist nach dem Warschauer Abkommen ausgeschlossen.
Thomas und Andy erfahren nahezu zeitgleich, daß sich ihr Waffenkoffer wieder in München eingefunden hat. Die Recherche über seinen Weg durch die Welt der Flughäfen ergibt, so Thomas, daß er in Stockholm war. Dort wurde er geöffnet, die Waffen entnommen, in einen Spezialsack gesteckt und weiter nach Helsinki verfrachtet. Irgendwann kommen sie wieder an den Versandort Stockholm zurück. Hier puzzelt man alles wieder zusammen und schickt es zurück nach München. Daß bei dieser Art von Umgang mit Jagdwaffen und Zieloptik Schäden nicht ausbleiben, erweist sich auch hier. Eines ist jedenfalls bedenkenswert: Daß in den letzten Monaten sowohl in London wie in München vermehrt Jagdwaffen und von Jägern stammendes Gepäck festgehalten und irgendwohin, aber nicht zum Zielflughafen geschickt werden, läßt Absicht vermuten.
Schadensbegrenzung mit Versicherung
Bei unseren mit uns nach Alberta gestarteten Jagdfreunden, die ohne Gepäckverlust wieder zu Hause ankommen, wandelt sich die Freude darüber am nächsten Morgen in Entsetzen: Sie werden von der Polizei geweckt und mit Fundsachen konfrontiert, die eindeutig ihnen gehören. Was ist geschehen? Nach dem Verbringen des Gepäcks in die Wohnung fahren sie noch zum Essen. In dieser Zeit wird in der Wohnung eingebrochen und das Handgepäck entwendet. Darin befinden sich Zielfernrohre, Kameras, Ferngläser, Ausweispapiere und anderes mehr. Die gesamte Jagdoptik, die Kameras und andere wertvolle persönliche Sachen bleiben verschwunden. Der Rest wird neben einem Waldweg gefunden und von der Polizei eingesammelt.
Daß sich der durch Diebstahl für die Betroffenen entstandene materielle Schaden in Grenzen hält und voll ersetzt wird, haben sie einem besonderen Umstand zu verdanken: Abschluß einer für die Reise geltenden Jagdwaffen- und Jagdausrüstungs-Versicherung. Die auf den Neuwert abgestellte, zeitlich auf 30 Tage befristete Versicherung tritt bei Diebstahl, Verlust oder Beschädigung der versicherten Gegenstände ein. Und das nicht nur während der Jagdreise, sondern auch bei Entwendung aus der Wohnung innerhalb der versicherten Zeit.
Noch ein Rat: Je weniger Umsteige-Flughäfen, desto geringer ist die Gefahr, daß Gepäck verlorengeht. Das ist zwar manchmal teurer – in unserem Fall ersparte man sich bei einem Flug über London 500 Mark – schont aber die Nerven.

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