Jagdklassiker in Ungarn – Zwischen Duna und Puszta

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Nur wenige Flugminuten oder Autostunden von Deutschland entfernt, links und rechts der Donau, liegt umgeben von einigen wenigen hundert Meter hohen Bergen das Land zwischen Steppe und Strom – Ungarn – ein Jagdparadies im dicht besiedelten Europa

Von PPZV-Team

Saustrecke
Eine solche Saustrecke ist in freier Wildbahn wohl eher die Ausnahme.
Wie hat es sich nach der politischen Wende entwickelt? Unbestreitbar ist Ungarn ein Paradies für Jäger [Jagdzeiten]. Mehr als 25 000 ausländische Jäger reisten in den vergangenen Jahren jährlich nach Ungarn, in ein Land, das nicht nur geographisch, sondern auch mit seiner Geschichte, Kultur, seiner Folklore, seiner Gastronomie und der sprichwörtlich herzlichen Gastfreundschaft seiner liebenswerten Menschen im Herzen Europas liegt.
Dafür spricht auch, dass Ungarn durch die Beseitigung des „Eisernen Vorhangs“ im Sommer 1989, eine wesentliche Grundlage für den Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa und in der DDR geschaffen hatte und jetzt in Kürze Mitglied der EU werden will.
Nur 93000 Quadratkilometer groß ist das Land, in dem 10,7 Millionen Menschen leben: 115 pro Quadratkilometer. Aber über die Hälfte der Einwohner lebt in den Städten, so dass das Land wesentlich dünner besiedelt ist.
Mehr als 10 Millionen Ausländer reisen jährlich in das Donauland mit seiner bezaubernden Zwei-Millionen-Metropole Budapest.
Wilder Strom
Ungarn ist landschaftlich vor allem geprägt durch die Donau. Zwei länderübergreifende Nationalparks zeigen schützenswerte einzigartige Auwaldlandschaften an der ungarischen Donau.
Bei ihrem Eintritt nach Ungarn bilden Österreich, Tschechien, die Slowakei und Ungarn zwischen Wien, Bratislava und Györ, entlang von Donau, March und Thaya, den länderübergreifenden großen Nationalpark „Donau-Auen“ zum Schutz der relativ unberührten Auwald- und Wiesengebiete. Das Gebiet ist bekannt für seine starken Auwald-Hirsche und viele Fasane.
Bei ihrem Austritt aus Ungarn, hinüber nach Kroatien und Serbien, entstand der Donau-Drau-Nationalpark. Es ist der jüngste der sechs ungarischen Nationalparks und umfasst länderübergreifend 49500 Hektar, darin eingeschlossen das Auwaldgebiet von Gemenc-Karapansca: ein Rotwildgebiet, das für seine starken Hirsche ebenso bekannt ist wie einst das ostpreußische Rominten.
Aus diesem Gebiet stammt der letzte ungarische Weltrekordhirsch mit 271 CIC- Punkten aus dem Jahre 1986.
Die große Steppe
Ungarn ist aber auch das Land der Pußta. Neben Donau und Plattensee ist die große ungarische Tiefebene zwischen Donau und Theiß, die sich auf über 100 000 Hektar im Karpatenbecken erstreckt, Ungarns berühmteste und zugleich größte regionale Einheit.
Mittendrin, in einer der größten Heide- und Steppenlandschaften Europas, liegt die weltberühmte Pußta von Hortobagy.
Der Hortobagy-Nationalpark umfasst eine einmalige Steppen- und Teichlandschaft auf über 75 000 Hektar und ist ein riesiges Rast-, Zug- und Überwinterungsgebiet für hundertausende von Zugvögeln.
Bekannt ist die Pußta als eines der letzten Rückzugsgebiete für Europas größte flugfähige Vögel, die Großtrappen. Zuletzt zählte man davon in Ungarn noch rund 1300 Exemplare.
Wenn die Pußta Ungarns Steppe und Wüste ist, dann ist der Balaton Ungarns Meer. Im Nordwesten prägen die Soproner Berge und der Fertö – der ungarische Teil des Neusiedlersees – die Landschaft Nord-Transdanubiens, für die ebenso typisch noch das Bakony-Gebirge ist. In den unendlichen Schilfmeeren des Fertö brüten Silberreiher, Löffler und Graugänse. Hier zählt man über 300 verschiedene Vogelarten.
Östlich der Donau durchzieht den Norden Ungarns eine Gebirgskette zwischen 500 bis 1 000 Meter Seehöhe, die mit Vertes und Pilis westlich von Budapest beginnt, und sich östlich der Hauptstadt mit Börzsöny, Cserhat, Matra, Bükk und Zemplen fortsetzt. Wald bedeckt die Berge, dazwischen Wein auf allen Hängen.
Gleich im Norden von Budapest, zwischen Estergom am Donauknie und der ungarischen Hauptstadt, finden wir mit dem Pilis-Gebirge eines der Lieblingsjagdreviere der ehemaligen ungarischen Könige.
Südlich des Plattensees liegt Süd-Transdanubien mit seinen weiten Ebenen und sanften Hügeln. Nur mit dem Mecsek-Gebirge erheben sich bei Pecs die Berge bis knapp 700 Meter über Meereshöhe.
Dennoch prägen das Land viele Wälder, deren berühmtester wohl Gemenc mit seinen starken Hirschen ist. Auch für Nichtjäger hat das Reservat, das man bequem mit einer Kleinbahn durchqueren kann, seinen Reiz als eines der reichsten Wildreservate Ungarns.
Die Niederungs- und Auwälder sind rund 50 000 Hektar groß und ein Eldorado der Natur. Uralte Eichen, dichte Weidenhaine und endlose Röhrichtflächen bieten Lebensraum für Schwarzstörche, Reiher, aber vor allem für starke Sauen und Hirsche. Auch das andere berühmte Wildreservat Labod liegt in diesem Landesteil.
Land mit reicher Tradition
Das kleine Ungarn ist bekannt als Jagd-Großmacht. Dafür sprechen, neben einer langen Jagdgeschichte, die Pflege der Jagdtraditionen, aber auch ausgezeichnete Fachleute, gute gepflegte Wildbestände und stärkste Trophäen bei fast allen mitteleuropäischen Schalenwildarten.
Dabei waren am Ende des Zweiten Weltkrieges auch in Ungarn die Wildbahnen leergeschossen. Die Jagd war auf dem Null-Punkt angelangt.
Doch wie in den anderen Ostblockstaaten waren dessen höchste Repräsentanten, allen voran die kommunistischen Parteichefs selbst, „große“ Jäger. So wurde viel für die Jagd getan, erhebliche Mittel eingesetzt, über Wildschäden nicht geredet, und alles war staatlich organisiert.
Von Breshnew bis zum Schah von Persien jagten höchste ausländische Staatsgäste in Ungarn.
Durch die in Land- und Forstwirtschaft herrschenden sozialistischen Produktionsverhältnisse wurde eine großzügige und großräumige Jagdwirtschaft und Wildbewirtschaftung betrieben. Auf 18 Prozent der Jagdfläche entstanden staatliche Jagdbetriebe, hauptsächlich für devisenträchtige Gastjäger, für den Wildexport und den Wildbretexport.
Hervorragend organisiert war die Ausbildung von Fachleuten: vom Berufsjäger bis zum diplomierten Fachingenieur für Wildbewirtschaftung mit Universitätsabschluss.
Großzügig förderte der Staat die Revierausstattung mit erstklassigen Jagdhäusern. Unterbringung und Versorgung, kulturelle Betreuung, Führung und Gastfreundschaft für die Gäste waren und sind erstklassig.
So ist insgesamt ein Jagdaufenthalt in Ungarn etwas teurer als vergleichsweise in Polen, aber auch sehr sicher, was die jagdlichen Erwartungen betrifft und ausgezeichnet durchorganisiert. Ist ein Revier mal ein Fehlgriff, wird auch schnell Ersatz geschaffen.
Ein neues Jagdrecht
Auf diesem soliden Fundament findet auch nach der politischen Wende und seit der Einführung eines neuen ungarischen Jagdgesetzes, durch das das Jagdrecht wieder vom Staat auf die Eigentümer von Grund und Boden übertragen wird, die Jagd weiterhin statt.
Dabei schreibt das neue Jagdgesetz vor, dass sich die Eigentümer von Grund und Boden, ähnlich unserer Jagdgenossenschaften, zu „Vereinigungen der Grundeigentümer“ zusammenschließen müssen. Die Mindestgröße der neuen Reviere muß dabei 3 000 Hektar betragen. Damit soll weiterhin eine großräumige Wildbewirtschaftung gewährleistet werden.
Auf dieser Grundlage sind inzwischen 1135 neue Reviere mit einer durchschnittlichen Größe von 7- bis 8 000 Hektar entstanden. Dabei gibt es verschiedene Formen des Eigentums und der Jagdnutzung. Die Regel ist aber in Ungarn die Verpachtung an Jagdgesellschaften.
Einige agrar- oder forstwirtschaftlichen Aktiengesellschaften nutzen aber die Jagd selbst.
Trotz der großen Umstrukturierung, der Revierveränderungen oder auch personellen Änderungen blieben fast 80 Prozent der ehemaligen Strukturen erhalten. Für den Gastjäger, der nach Ungarn reist, hat sich bezüglich Jagdbetrieb, Unterbringung und Ablauf kaum etwas geändert. Zum Thema Trophäenstärke kommen wir später.
Vorraussetzung ist, dass er seine Jagden auch weiterhin über bewährte, langjährig erfahrene Jagdvermittler oder Veranstalter durchführt.
Das staatliche Jagdunternehmen „Mavad“, das über eine 60jährige Erfahrung und Tradition verfügt, wurde in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft für Wildwirtschaft und Handel umgewandelt und verfügt auch weiterhin über den Zugriff zu den bekannten Spitzenrevieren des Landes.
Auch auf den Jagdveranstalter des Ungarischen Landesjagdschutzverbandes „Hungarojagd GmbH“ kann der interessierte Jäger jederzeit zurückgreifen. Hier werden mehr als 700 Genossenschaftsreviere in allen Landesteilen für den Gastjäger bereitgehalten.
Der ungarische Landesjagdschutzverband ist auch weiterhin Interessenvertreter von etwa 50 000 ungarischen Jägern, die in 20 Komitatsverbänden organisiert sind.
Das neue ungarische Jagdrecht verbietet, dass Ausländer, die ihren Wohnsitz nicht in Ungarn haben, Pächter oder Mitpächter von Jagdrevieren oder auch Mitglied von Jagdgesellschaften werden können.
Nur über eine Jagdvermittlungsagentur können Ausländer in Ungarn jagen. Auf jedem Fall wird aber dem Jagdgast empfohlen, sich über die Seriosität des Jagdveranstalters zu informieren, weil jetzt eine Reihe von Jagdvermittlern neu auf dem Markt erscheinen, mit denen es keinerlei Erfahrung gibt. Für einige ist wohl das Ganze in erster Linie nur ein Geschäft, bei dem am Ende der Jagdgast „abgezockt“ wird.
Nach dem neuen Jagdrecht muß ausnahmslos jede Trophäe einer Bewertungskommission vorgelegt werden, bevor sie ausgeführt werden darf. Dabei werden auch wieder Minuspunkte von eins bis drei eingeführt, was dazu erziehen soll, dass ordentlich gejagt wird und junge Trophäenträger bis zum Reifealter geschont werden.
Die Sanktionen treffen in jedem Fall die Jagdgesellschaft, nicht den Jagdgast und führen zu drastischen Strafen . Die Trophäen müssen von jeweils drei unabhängigen Begutachtern bewertet werden.
Auf Grund all dieser Neuerungen im ungarischen Jagdrecht soll man sich davor hüten, sich von günstigen Sonderangebote locken zu lassen.
Noch reiche Wildbestände
Auch in Ungarn forderten die Zeiten des politischen und wirtschaftlichen Umbruchs zu Demokratie und Marktwirtschaft ihren Tribut. In Anbetracht der Unsicherheit, wie wohl ein neues Jagdrecht alte Gewohnheiten einschränken wird, wurde so mancher starke Trophäenträger „noch schnell“ erbeutet und auch die mittlere Altersklasse dabei nicht geschont.
Andererseits erhielten Wildschäden einen neuen Stellenwert: Waldwildschäden ignorierte man zu sozialistischer Zeit; und staatlicherseits wurde jetzt eine drastische Reduzierung der Schalenwildbestände angeordnet. Man kann davon ausgehen, dass die Wildbestände um etwa 25 bis 30 Prozent seit der Wende herabgesenkt wurden.
Trotzdem ist Ungarn noch ein Land mit reichhaltiger Wildbahn. Auf der Grundlage des neuen Jagdgesetzes will man weiterhin den Schutz der Lebensräume, die Bewahrung der Artenvielfalt sowie die Erhaltung der Bestände bei gleichzeitiger nachhaltiger Nutzung durch die Jagd und eine moderne Wildbewirtschaftung verwirklichen.
Auch in Ungarn hatten sich insbesondere die Schalenwildbestände kontinuierlich nach oben entwickelt. Von 1970 bis Ende 1990 stiegen dabei die Bestände beim Rotwild von zirka 30000 auf weit über 50000 Stück, beim Damwild von 2 000 auf 19000 Stück, bei Muffelwild von 2000 auf 10000 Stück, beim Rehwild von 150000 auf 250 000 und beim Schwarzwild von 14000 auf über 40000 Stück.
Besonders in den staatlichen Jagdwirtschaften entstanden neben Aufzuchtstationen für Fasanen, Rebhühner und Wildenten auch Zuchtgatter für Rot- und Damwild. Muffelwild wurde fast in allen Landesteilen eingebürgert, und zahlreiche Schwarzwildjagdgatter wurden speziell für die Devisen-Jagd seit Beginn der 70er Jahre geschaffen.
Wie auch in anderen Ländern wirkten sich die großräumigen Produktionsverhältnisse in der ungarischen Landwirtschaft positiv auf die Entwicklung der Schalenwildbestände aber nachteilig auf die Niederwildbesätze aus.
Die im Rahmen der Großraumbewirtschaftung entstandenen ausgedehnten Ackerflächen mit einer Feldfrucht (Weizen oder Mais) wirkten sich günstig auf die Lebensbedingungen des Rot- und Schwarzwildes aus. Sie boten einerseits ein erweitertes Nahrungsangebot, andererseits Deckungsmöglichkeiten und Ruhezonen über einen langen Zeitraum im Jahresverlauf.
Die Folge war das Ausbreiten des Schalenwildes auch in der ungarischen Tiefebene im Osten, die früher hochwildleer war. Gleichzeitig war eine enorme Zunahme der Wildschäden zu verzeichnen.
Unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit von Land- und Forstwirtschaft und des Natur- und Artenschutzes war eine Begrenzung und Reduzierung der Wildbestände eine objektive Notwendigkeit.
Gegenwärtig schätzt man den Rotwildbestand auf etwa 50 000 Stück. Es wird weiterhin eine Reduzierung vorgenommen, um die Wildschäden weiter zu senken. 1994 betrug der regulierte Wildschaden in der Landwirtschaft 3,52 Millionen und in der Forstwirtschaft 0,83 Millionen Mark.
Mit dem Rückgang des Rotwildbestandes ist aber auch ein qualitativer Rückgang zu beobachten, weil aus einer kleineren Zahl von Hirschen auch weniger Erntehirsche heranwachsen. Gleichzeitig wird stärker in der mittleren Altersklasse reduziert. Die starke Verunsicherung in der Zeit vor dem neuen Jagdgesetz hat auch zu einem heftigen Anstieg von illegaler und „legaler“ Wilderei geführt.
Auch in den örtlichen Jagdgesellschaften wollte mancher Jäger eben noch schnell „seinen“ Hirsch erlegen, bevor das neue Jagdrecht eingeführt wurde. Das nannte man bezeichnenderweise „legale Wilderei“.
Starke Hirschtrophäen aus den Auen
Hauptverbreitungsgebiete des Rotwildes sind die Komitate Somogy, Zala und Baranya in Süd-Transdanubien sowie Vas und Veszprem in Nord-Transdanubien und die nördliche Bergkette in Nordostungarn.
Hier sind aber die Berghirsche nicht so stark wie zum Beispiel die Hirsche aus den Donauauen. Aber auch im Nordosten Ungarns ist man vor Überraschungen nicht sicher: Starke Trophäen können auch hier vorkommen. Unter den ersten 50 Hirschen der Weltrangliste sind allein 17 aus Ungarn.
Der Abschuss von Rotwild beträgt rund 30000 Stück. Dabei lag der Anteil von Hirschen bei 30 Prozent. Durch ausländische Jagdgäste wurden 63 Prozent aller Trophäenträger zur Strecke gebracht.
So wurden 1995 insgesamt 6 220 Hirsche durch Bewertungskommisionen bewertet, und dabei sind nach CIC-Kriterien 199 Gold-, 654 Silber- und 1136 Bronze-Medaillen vergeben worden.
1990 waren es noch 9 552 Hirsche und 372 Goldmedaillen. Leider sagt die Statistik nichts über das Alter der Hirsche aus. Es ist aber davon auszugehen, dass sich die Reduzierung in den nächsten fünf Jahren drastisch auswirken und die Quantität und Qualität weiter sinkt wird.
Beim Damwild sind die Bestände bis zum politischen Umbruch ständig angestiegen. Von einem geschätzten Bestand von 17 000 Stück werden etwa 4 000 Stück in Zucht- und Jagdgattern gehalten, deren berühmtestes Gyulaj südöstlich des Balaton ist. Von Gyulaj aus ist Damwild im ganzen Land ausgesetzt worden.
Seit 1990 gibt es ebenfalls im Bestand sinkende Tendenzen. Die besten Reviere sind Labod, Gyula an der rumänischen Grenze, natürlich Gyulaj und Guth in Ostungarn.
Nirgendwo auf der Welt gibt es stärkeres Damwild als in Ungarn. Von den ersten 50 der Weltrangliste kommen 24 aus Ungarn. 1995 wurden insgesamt 1 156 Trophäen bewertet, davon waren 97 Gold-, 142 Silber- und 148 Bronzemedaillen. Von ausländischen Jägern wurden 73 Prozent aller Hirsche erlegt.
Das Rehwild ist im ganzen Land verbreitet. Die besten Böcke jagt man in der Pußta, der ungarischen Tiefebene. Der Bestand schwankt; er betrug im Jahr 1993 277000 Stück 236000 im Jahr 1995. Neben der Tiefebene kommen gute Böcke auch in Nord-Transdanubien und in den Komitaten Bekes und Csongrad vor.
Die Strecke betrug 1995 37 600 Stück. 67 Prozent der Böcke werden von Ausländern erlegt.
Von den 15 656 bewerteten Bocktrophäen erhielten 142 eine Gold-, 341 eine Silber- und 513 eine Bronzemedaille. Noch immer werden in Ungarn starke Böcke zur Strecke gebracht: Unter den ersten 50 der Weltrangliste sind 18 Ungarnböcke.
Dem Muffelwild geht es nach der Wende auch in Ungarn nicht gut: Als sogenannter Fremdling wird es verteufelt und zum Buhmann für hohe Waldschäden gemacht. So wurde eine drastische Reduzierung angeordnet. Besonders von der Naturschutzseite wird eine Kampagne gegen das Muffelwild betrieben.
Muffelwild ist im ganzen Land verbreitet, wobei die Einstandsgebiete relativ klein sind. Der geschätzte Bestand beträgt noch 8 500 Stück (1996); im Vorjahr waren es 1 000 mehr. Die Strecke lag 1995 bei 2 568 Stück, wobei von Ausländern 65 Prozent aller Widder erlegt wurden. Nur ein ungarischer Widder liegt unter den 50 weltbesten Widdern.
Von 696 bewerteten Widdern erhielten 1995 30 eine Gold-, 34 eine Silber- und 90 eine Bronzemedaille.
Auch beim Schwarzwild gehört nur eine ungarische Keilertrophäe zu den 50 Weltbesten, dennoch kann man in Ungarn starke, urige Keiler jagen. Der geschätzte Schwarzwild-Grundbestand beträgt rund 42 000 Stück, die Strecke lag 1995 bei 42 851 Stück.
Auch durch Ungarn zog ein Seuchenzug der Schweinepest und raffte die Sauen dahin. Jetzt hat sich der Bestand aber wieder erholt. Auf Grund der günstigen Lebensraumbedingungen ist ein leichtes Ansteigen der Bestände zu beobachten, wobei die Wildschäden in der Landwirtschaft gleichfalls steigen. Schwarzwild ist überall verbreitet.
Sehr verbreitet und beliebt ist in Ungarn der Bau von Schwarzwildgattern sowohl in den staatlichen Jagdwirtschaften als auch in Genossenschaftsrevieren. Der Bestand an Gattersauen beträgt etwa 4000 Stück.
Die meisten Sauen erlegt man im Komitat Somogy und rings um Budapest im Komitat Pest. Von 2543 bewerteten Keilertrophäen erhielten 40 eine Gold-, 98 eine Silber- und 231 eine Bronzemedaille.
Hoffnung für das Niederwild
Ungarn war und ist ein Jagdland für reizvolle Niederwildjagden. Dabei war aber seit Mitte der 70er Jahre ein Rückgang des Besatzes zu beobachten, der nach vorübergehender Stabilisierung nach der politischen Wende wieder zu beobachten ist.
Die neu entstehende, privatrechtliche Kleinfelderwirtschaft in der Landwirtschaft bringt aber sicherlich wieder günstigere Lebensraumbedingungen für das Niederwild.
Auch heute noch sind die Ungarische Tiefebene, die Pußta und das Gebiet zwischen Rab und Donau oder der Hansag für ihre Niederwildvorkommen berühmt. Die besten Besätze verzeichnen die Komitate Csongrad, Hajdu-Bihar und Bekes.
Beim Feldhasen ging der Besatz von über einer Million Stück in den frühen 70er Jahren auf rund 600000 Stück zurück. 1994 betrug der geschätzte Besatz 570000 Stück, die Strecke betrug 127408 „Langohren“.
40987 Hasen wurden für den Lebendwildexport gefangen. Die Ausländer erlegten 42 Prozent aller Feldhasen.
Niederwildart Nummer eins in Ungarn ist der Jagdfasan. Durch gezielte künstliche Aufzucht und das jährliche Aussetzen von Jungfasanen wuchs der Besatz von einer Million Stück 1968 auf 2,4 Millionen 1980.
Er fiel dann aber wieder ab. Die Höchststrecke betrug Ende der 70er Jahre um 1,2 Millionen Stück. 1994 wurde ein geschätzter Besatz von 672000 Stück angenommen, und die Strecke lag bei 557656 Stück. Insgesamt wurden noch immer 1,4 Millionen Jungfasanen zusätzlich ausgesetzt.
Die künstliche Fasanenaufzucht ist aber rückläufig. 48 Prozent aller Fasanen schossen Ausländer.
Eine Problemwildart ist das Rebhuhn. Es kam mit der Lebensraumveränderung nicht zurecht. Der Besatz sank dramatisch ab: von 800000 Stück 1973 auf 200000 Stück 1980. Deshalb wurde 1980 ein Jagdverbot erlassen. Der Niedergang der Besätze konnte damit nicht aufgehalten werden, jedoch stabilisierte sich der Rebhuhnbesatz auf niedrigem Niveau.
Das Rebhuhn wird heute nur dort bejagt, wo künstlich aufgezogene Rebhühner ausgesetzt werden. 1994 betrug der gezählte Besatz 60000 Stück. Zur Strecke kamen 2989 Rebhühner, davon wurden 2300 durch ausländische Jäger geschossen. Insgesamt waren 10000 Rebhühner ausgesetzt worden.
Die Waldschnepfe darf in Ungarn noch und nur zur Strichzeit vom 1.März bis zum 10.April bejagt werden. 2 361 Waldschnepfen wurden 1995 erlegt.
Der Fuchs ist in Ungarn noch kein so großes Problem wie in Deutschland. Man beginnt aber auch hier mit der Tollwutimmunisierung. 1995 kamen insgesamt 28 856 Füchse zur Strecke. Als interessante Raubwildart kann hin und wieder auch der Goldschakal erlegt werden.
Ungarn ist und bleibt für uns immer noch ein Jagdparadies im Herzen Mitteleuropas. In den über acht Millionen Hektar Jagdflur des Landes finden 36 jagdbare Arten ihren Platz in einer noch ziemlich intakten Landschaft. Die neuerdings eingetretenen Veränderungen in der Land- und Forstwirtschaft werden sich wieder günstig auf die Entwicklung des Niederwildes auswirken.
Beim Hochwild werden niedrigere, der Landeskultur angepasste Bestände angestrebt. Der qualitative Standard soll aber durch die auf fachlich hohem Niveau stehende Jagdleitung gesichert werden.
Ungarn wird weiterhin eine Reise wert sein.
Hansgeorg Arndt

Hansgeorg Arndt

Bockstrecke
Die Strecke von nur einer Jagdgruppe: Sie kann sich sehen lassen.


Foto: PPZV

Hansgeorg Arndt

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