Die besten Jagdreviere in (Rest-) Yugoslawien

2973


Zentralserbien: In den Niederungen der Flüsse Velika-Morawa und West-Morawa im Herzen Serbiens findet man viele gute Flugwild- und Bockreviere.
Die wichtigsten davon sind wohl Suvobor, Cacak und Kraljevo an der West-Morawa, Arandjelovac, Topola, Kragujevac, Smederevska Palanka, Velika Plana, Mladenovac, Jagodina und Paracin. In der Regel handelt sich dabei um Reviere mit einer Größe zwischen 8 000 und 15 000 Hektar, die sowohl von den örtlichen Jagdgesellschaften wie von der Forstverwaltung sehr gut betreut werden.
Je nach Gebiet sind das meistens Feldreviere mit dichten Hecken und kleinen Wäldern dazwischen, ideal für Federwild und Hasen. Im Hügelland (mit Höhen zwischen 500 und 1000 Meter über dem Meer) ist eine spannende Pirsch auf starke Böcke möglich.
Hier im Herzen Serbiens gibt es sicherlich keine besseren Bockreviere als die um die Städte Smederevska Palanka und Velika Plana. Die Bockgehörne sind gut vereckt und wuchtig, aber relativ leicht, so dass die Topbockgehörne zwischen 450 und 550 Gramm (ohne Unterkiefer) liegen.
Andere Reviere haben ihre guten natürlichen Bedingungen genutzt und konzentrieren sich vornehmlich auf Niederwildjagden (Fasanen, Rebhühner, Wachteln, Enten, Wildtauben und Hasen).
Südserbien: In vielen Teilen Serbiens ist die Situation der Rebhühner nicht gerade befriedigend, dafür gilt der Süden als ein echtes Rebhuhndorado. Vor allem in den Revieren Merosina (20 000 Hektar) unweit von Nis und Vranje (15 000 Hektar) kann der Feldhuhnjäger eine hohe Tagesstrecke machen und eine interessante Jagd mit Vorstehhunden genießen.
Etwas bunter (mit Fasanen, Wachteln, Wildtauben und Hasen) kann die Strecke jedoch im Revier Kursumlija (10 000 Hektar) zwischen Pristina und Nis ausfallen. Diese Reviere liegen zwar nicht gerade in der Nähe von Belgrad, können aber über die gut ausgebaute Autobahn Belgrad-Nis vom Flughafen Belgrad in nur wenigen Stunden erreicht werden.
In den Hirschbergen Ostserbiens
 
Eisernes Tor (Djerdap): Wenn es eine jagdliche Perle in Serbien gibt, dann ist es sicherlich das Revier „Djerdap“ am Eisernen Tor. Über diesen Nationalpark wurde auf den vorhergehenden Seiten berichtet.
Kucaj-Gebirge: Das Ostserbische Gebirge zwischen dem Fluss Morawa im Westen und der Grenze zu Rumänien und Bulgarien im Osten ist sehr schwach besiedelt, dafür bietet es mit seinen großen Wäldern, Wiesen und Kahlschlägen ideale Bedingungen für alle Schalenwildarten.
Hier befinden sich viele hervorragende Reviere wie zum Beispiel Valkaluci, Javorak, Brezovica, Zlot, Dubasnica, Suvaja und Rtanj. Diese Reviere werden von der Forstverwaltung „Serbische Wälder“ betreut. Die Reviere Valkaluci, Javorak und Brezovica ähneln einander. Deshalb stellen wir sie am Beispiel des ersten vor.
Das Mittelgebirgsrevier (Höhe um 950 Meter über dem Meer) Valkaluci im Süd-Kucaj hat eine Fläche von 9500 Hektar und einen Wildbestand von etwa 200 Stück Rotwild, 250 Sauen, 600 Rehen und etwa 20 Wölfen. Es ist in erster Linie ein Hirschrevier, wo in der Hirschbrunft (etwa 10. bis 25. September) jedes Jahr fünf bis sieben Hirsche zwischen 180 und 200 CIC-Punkten, aber auch darüber zur Strecke gebracht werden können.
Im Nachbarrevier Javorak ist vor ein paar Jahren sogar ein Hirsch mit 226 Punkten gestreckt worden.
Mitten im Revier ist ein komfortables Jagdhaus vorhanden, dazu 16 Kanzeln mit ausgezeichneten Kirrplätzen, an denen mit etwas Glück schwere Keiler erlegt werden können.
Trotz des Mittelgebirgscharakter dieser Reviere und starker Konkurenz des Rotwildes werden in allen drei Revieren auch wildbretstarke und gutvereckte Böcke sogar bis zu 150 CIC-Punkten erlegt.
Im Toprevier der Serbischen Regierung „Dubasnica“ ist ein Jagdgatter von 800 Hektar vorhanden, darin leben Muffel- und Damwild von sehr guter Trophäenqualität (Mufflonbestand etwa 400 Stück; die Widder sind sogar besser als die von „Vratna“, bis 215 CIC-Punkten möglich). Außerhalb des Zaunes lebt Rot-, Reh- und Schwarzwild.
In den Felsen des nahen Reviers „Zlot“ wurde das Gamswild vom „Eisernen Tor“ an der Donau zu Beginn der 80er Jahre erfolgreich eingebürgert. Heute leben dort etwa 100 Gams, deren Trophäe bis 115 Punkte erreichen kann. Die Reviere sind denen in den Karpaten sehr ähnlich, also landschaftlich reizvoll, dafür aber schwierig zu bejagen.
Timok-Gebiet (serb. Timocka krajina): Im Einzugsgebiet des Timok-Flusses findet man mehrere Reviere der Spitzenklasse. Diese ganze Region im äußersten Nordosten Serbiens bildet eine geschlossene geographische Einheit und heißt nach dem gleichnamigem Fluss.
Im Norden ist sie durch die Donau abgegrenzt, im Westen durch die Gebirge Ozren und Kucaj, im Osten durch den Grenzverlauf mit Rumänien und Bulgarien sowie durch den Gebirgszug des Stara Planina (Balkangebirge), und im Süden reicht sie bis zum Svrljig-Gebirge.
In der Nähe von Negotin befinden sich Reviere der Forstverwaltung „Deli Jovan“, „Alija“ und „Vratna“. Die zwei letzteren sind eingegattert, teilweise enger, als das manchem Waidmann lieb ist. Vor allem in „Vratna“ können gute Damhirsche und Muffelwidder bejagt werden.
Sowohl bezüglich der Jagdorganisation wie des Wildreichtums zählt die Timokregion zu den besten Jagdgebieten in ganz Serbien. Mehrere Hochwildreviere werden mit viel Erfolg auch von den Jagdgesellschaften (Negotin, Zajecar, Knjazevac usw.) verwaltet, die obendrein interessante Bock- und Niederwildjagden anzubieten haben.
Stara Planina (Balkangebirge): Entlang der jugoslawisch-bulgarischen Grenze erstreckt sich in Nordwest-Südost-Richtung auf 90 Kilometer Länge das Gebirge Stara Planina, im Bulgarischen Balkangebirge genannt.
Auf der serbischen Seite erreichen die Berge eine Höhe zwischen 1 300 und 2 170 Meter. Schlechte Straßenverhältnisse, geringe Bevölkerungsdichte, Grenznähe und nur geringe Viehwirtschaft machen diese Region zu einem interessanten Jagdgebiet, vielleicht zu einem echten Geheimtipp.
Einige Wildbiologen gehen davon aus, dass man im Stara-Planina-Gebrige immer noch auf den ursprünglichen Balkanhirsch jagen kann. Seine Bejagung ist zwar in den großen Wäldern anstrengend, dafür wird aber der Jäger auch mit Hirschen zwischen 190 und 227 CIC-Punkten belohnt.
Braunbären und Wölfe sind auch hier zu Hause, dazu auch starke Keiler (Spitzenbassen mit Waffen bis 28 Zentimeter) und Böcke in der Klasse zwischen 90 und 120 Punkten.
Unter den Gamsen
 
Tara: Ein gutes Gamsrevier (um etwa 1 000 Meter über dem Meer, maximal bis 1600 Meter) findet man im Tara-Gebirge im äußersten Westen zwischen dem Drina-Canyon an der Grenze zu Bosnien-Herzegowina und der Stadt Uzice. Neben Nadelwald und ausgedehnten Bergwiesen wird die Landschaft vor allem durch die steilen Felswände des Drina- und Raca-Canyons dominiert.
In diesem faszinierenden Bergparadies wurde 1981 auf über 37 000 Hektar der Tara-Nationalpark gegründet. Die Parkverwaltung unterhält mit ihren 17 Förstern und Jagdaufsehern ein großes und hervorragendes Jagdrevier (Gams, Braunbär, Schwarz- und Rehwild, Wolf, Rebhuhn), wodurch auch teuere Hege- und Parkschutzmaßnahmen finanziert werden.
Kosovo: Abschließend noch ein paar Worte über das Kosovo, ein Natur- und Jagdjuwel im Südwesten Serbiens. Auch das Kosovo hat ein bewegtes Relief, in dem wir viele Landschaftsformen vom Feld über das Hügelland bis hin zum karstigen Hochgebirge finden.
Die meisten dieser Wald- und Bergreviere stehen unter der Verwaltung der „Serbischen Wälder“. In der Nähe von Pristina befindet sich das 5000 Hektar große Revier „Lipovica“.
Ein Teil (3000 Hektar) davon ist eingezäunt, wo Rot-, Dam-, Muffel- und Schwarzwild sehr professionell gehegt werden. Der Rotwildbestand beträgt etwa 300 Stück, der des Damwildes 250 und der Muffelwildbestand 150 Stück.
Viel schwieriger zu bejagen ist das 53000 Hektar große Hochgebirgsrevier „Prokletije“ (mit den Berggipfeln bis zu 2700 Meter) im gleichnamigen Gebirge an der Grenze zu Albanien. Landschaftlich und jagdlich zählt dieses Revier zu den schönsten in ganz Jugoslawien.
Es ist in erster Linie ein hervorragendes Gams- und Keilergebiet, wo aber auch Braunbär, Wolf, Luchs, Rehwild, sowie Auer- und Haselwild zuhause sind. Es ist nur schade, dass der Hochwildbestand immer noch unter dem möglichen Optimum liegt, sonst wäre das ein Jagdrevier von europäischer Bedeutung.
Das jugoslawische Spitzengamsrevier ist ohne Zweifel das im Sara-Gebirge (höchste Berggipfel bis etwa 2 600 Meter) an der Grenze zu Mazedonien. Auf Gamsböcke auch bis 120 CIC-Punkten kann der Bergjäger sowohl im Jagdgebiet des dortigen Nationalparks wie in den Nachbarrevieren jagen.
Im gleichen Gebiet unterhalten auch die „Serbischen Wälder“ ein 15 000 Hektar großes Gamsrevier.
Unter Jagdgesellschaften und der Forstverwaltung ist eine riesige Jagdfläche aufgeteilt worden.
Alle Reviere zu nennen und zu würdigen, war nicht unsere Absicht, sondern nur ein kurzer Überblick über die wichtigsten Jagdreviere des Landes (die Wojwodina einmal ausgenommen) zu geben, um dem Jagdgast eine erste Orientierung bei der Revierauswahl zu erleichtern.
Trotz einer langen Vorgeschichte im Jagdtourismus ist vor allem das Herz Jugoslawiens eine große Unbekannte, seine Gamsberge sind immer noch jagdlich unerforscht. Grund genug also, eine neue Reise zu planen und sich mutig wie jeder passionierte Reisende für das Unbekannte zu entscheiden.
Mihajlo Hadzi-Pavlovic und Zoran Petrovic

ANZEIGEAboangebot