Tansania: UNESCO kontra Staudamm in Afrikas größtem Jagdreservat

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Das Selous Wildreservat im südlichen Tansania gehört mit 50.000 km2 zu Afrikas größten Naturschutzgebieten. In den letzten Jahren wurde es durch kommerzielle Wilderei schwer geschädigt.

Der Rufiji Fluss mit Feuchtgebieten und Seen: Mit dem Bau des Stiegler Staudamms würde dies verschwinden (Foto: Rolf D. Baldus)

Die Zahl der Elefanten ging von über 70.000 (2005) auf 15.000 (2015) zurück. Die Nashörner sind so gut wie ausgerottet. Das als „Weltnaturerbe“ registrierte Gebiet wurde von der UNESCO wegen dieser Wilderei und einiger umweltschädlicher Großprojekte als „gefährdet“ herabgestuft. Um die aktuelle Situation zu bewerten führte die UNESCO kürzlich eine Überprüfung durch. Der Bericht wurde jetzt vorgelegt. Darin wird gefordert, die Planungen eines großen Staudamms im Herzen des Reservats sofort einzustellen. Er würde den Park nachhaltig schädigen. Der „Stiegler’s Gorge“-Damm wird von der halbstaatlichen tansanischen RUBADA zusammen mit dem brasilianischen Odebrecht-Konzern geplant. Beide Unternehmen stehen im Mittelpunkt von Korruptionsskandalen. Odebrecht gehört zu den größten Baufirmen weltweit und soll in zahlreichen Ländern Milliarden an Schmiergeldern gezahlt haben.

Ein weiterer Staudamm wird bei Kidunda, wenige Kilometer außerhalb des Reservats geplant. Auch in diesem Fall äußerten die Prüfer große Bedenken und forderten, dass die Auswirkungen des Vorhabens noch einmal geprüft und dargestellt werden.

Im Südwesten des Reservats hat man vor fünf Jahren 300 km2 aus dem Schutzgebiet herausgeschnitten. Dort entstand eine Uranmine, die die Förderung aber noch nicht aufgenommen hat. Seinerzeit hat sich Tansania verpflichtet, im Reservat keinerlei Bergbau zuzulassen, weil dies dem Charakter als Weltnaturerbe widerspricht. Allerdings wurden zwischenzeitlich 48 kostenpflichtige Lizenzen zur Suche von Bodenschätzen im Reservat vergeben. Warum erwerben gewinnorientierte Wirtschaftsunternehmen kostspielige Lizenzen und unternehmen Prospektierungen, wenn Sie sicher sein können, dass ihnen der Abbau evtl. gefundener Bodenschätze nicht möglich sein wird?

Auch im Kilomberotal, einem „Ramsar“-Feuchtgebiet, das den Selous mit Wasser versorgt, soll jetzt nach Gas und Öl gesucht werden. Die Studie fordert Umweltverträglichkeitsprüfungen vor einer Aufnahme von Bohrungen. Kürzlich wurde zusätzlich noch bekannt, dass eine Durchgangsstraße geplant ist, die den Park in Ost-West-Richtung durchschneiden würde.

Das Reservat finanziert sich überwiegend durch nachhaltigen Jagdtourismus. Die Einnahmen sind in den letzten Jahren jedoch eingebrochen und sichern die Finanzierung nicht mehr. Ein wesentlicher Grund dafür liegt darin, dass die USA die Einfuhr von Löwen- und Elefantentrophäen aus Tansania verboten haben.

rdb

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