Wiederkehr der Grauen – Wolfsjagd in Asien

2422

Explodierende Wolfsbesätze und große Schäden durch den grauen Räuber zwingen viele wolfsreiche asiatische Länder dazu, effektive Jagdmethoden zu entwickeln und dafür auch westliche Jäger zu interessieren.

Traditionelle Beizjagd auf den Wolf: Kirgisische Falknerin mit dem Berkut, dem steinadler.
Traditionelle Beizjagd auf den Wolf: Kirgisische Falknerin mit dem Berkut, dem steinadler.
Von Hans Freiherr v. Stackelberg
Die Bejagung des Wolfes in Asien hat heute eine ganz andere Brisanz als etwa vor zehn Jahren. Es handelt sich nicht mehr um Liebhaberei oder um ein gemütliches Jagen zum Vergnügen der verwöhnten Herrschaften, sondern um ein ernsthaftes Problem.
Es wäre sicherlich übertrieben zu behaupten, die Rettung vor der Wolfsplage können nur Gastjäger bringen. Diese haben schon immer sehr gerne auf den grauen Geist der Taiga und Steppen gejagt, in der jetzigen Situation sind sie allerdings noch mehr motiviert, die Jagdpassion mit dem praktischen Nutzen für die einheimische Bevölkerung zu verbinden.
Trotz großer Fortschritte des internationalen Jagdtourismus nach dem Zweiten Weltkrieg wurde für eine erfolgreiche Wolfsbejagung kaum etwas unternommen. Das gilt für Asien genauso wie für Nordamerika. Bis heute sind keine fairen und sportlichen Jagdarten auf Wolf entwickelt worden, die auch entsprechend gute Ergebnisse liefern würden.
In Asien (vor allem in Russland, Kasachstan und der Mongolei) haben erst seit zwei Jahren westliche Experten für die Auslandsjagd ernsthaft damit begonnen, zusammen mit einheimischen Outfittern und Guides effiziente Wolfsjagden zu entwickeln.
Was darf aber eine solche Wolfsjagd kosten, um mit den anderen Hochwildjagden konkurrieren zu können? Eine Wolfsjagd gehört heute zu den relativ günstigen Jagden, für die 3000 US-Dollar (inklusive eines Wolfsabschusses) die Obergrenze darstellen sollten.
In der Regel sind sie eher noch preiswerter und liegen zwischen 2000 und 2500 Dollar, in der Mongolei sogar auch drunter.
In der Vergangenheit
Im Unterschied zu England und den USA (Ausnahme Alaska), wo der Wolf praktisch ausgerottet wurde, ist der Wolf ein „ewiges Problem“ Russlands.
Zwar dachte man auch im Zarenreich daran, den Wolf als großen „Schädling“ auszurotten, nur war das dort nicht möglich. Der Hauptgrund dafür lag in der unermesslichen Größe des russischen Reiches.
Seine sibirischen Taiga- und Tundragebiete waren so grenzenlos und dünn besiedelt, dass sich dieses Problem von selbst löste.
Heute würde kein Mensch mehr an die Ausrottung irgendeiner Wildart denken, auch nicht einer „with a bad reputation“ (O´Connor) wie der Wolf. Nach dem Bär ist der Wolf die wichtigste Wildart in Russland. Die größten russischen Jäger haben unzählige Jagdbücher über den Isegrim geschrieben und die gewöhnlichsten Jagdmethoden dort ausführlich dargestellt.
Die Jagd ist ein wichtiges Kulturgut, auch die Wolfsjagd. Bevor ich hier einige der interessantesten Jagdmöglichkeiten von heute vorstelle, möchte ich auch die Wolfsjagd der vergangenen Zeiten kurz schildern.
Die Hetzjagd mit den hochläufigen russischen Windhunden, den Borsois, ist eine alte Jagdart auf Wölfe, Hasen und Füchse. Im westlichen Teil Russlands jagte der russische Adel mit den Borsois seit dem 11. Jahrhundert.
Während der Revolution wurde aber nicht nur der gesamte russische Adel vernichtet, sondern auch dessen edelste Zuchtbestände an Jagdhunden, ein sicherlich nie wieder gutzumachender Verlust für ganz Russland und Europa.
Im alten Russland hatte die Hetze mit den Windhunden einen mehr oder weniger sportlichen Charakter.
Die unglaubliche Schnelligkeit der Borsois ist ihre herausragendste Eigenschaft, von der bis heute der Jagderfolg mit ihnen abhängt. Von berittenen Jägern oder von einheimischen Bracken wurden die Wölfe aus den Wäldern der russischen Taigaregionen erst hinausgetrieben.
Von versteckten Ständen aus wurden dann Paare oder größere Hundemeuten von Borsois auf flüchtiges Wild losgelassen. In einem einzigen stürmischen Lauf musste der Borsoi den Wolf einholen und niederreißen.
Gerade der verstärkte Einsatz bei der Wolfshetze führte im vorigen Jahrhundert dazu, immer mehr scharfe, kräftige und großwüchsige Hunde zu züchten.
In den zentralasiatischen Steppen hatte die Hetzjagd mit den Borsois keinen sportlichen Charakter, sondern wurde immer schon als reine Erwerbsjagd betrieben.
Der Windhund hetzte also nicht bloß auf Sicht wie in den nördlichen Taigaregionen, sondern musste seine Nase zum Finden von Wölfen genauso gebrauchen wie seine flinken Läufe bei der hier oft langdauernden Hetze.
In der Sowjetzeit erlebte die Zucht der „Herrenhunde“ eine deutliche Stagnation. Erst heute haben die neuen Freiheiten in Russland und Zentralasien eine ganz andere Einstellung zur Jagd mit den Borsois gebracht.
Jetzt werden sie verstärkt für jagdliche Zwecke gezüchtet, entsprechende Windhundeprüfungen werden regelmäßig abgehalten und sogar die Jagden mit ihnen (wie im westsibirischen Kurgan-Gebiet) für „reitsichere“ Auslandsjäger angeboten.
Auch in dem früheren russischen Zarenreich war die traditionelle Beizjagd mit dem Berkut, dem Steinadler, nicht gerade weit verbreitet und den meisten russischen Jägern sogar unbekannt gewesen. Die Beize mit dem Berkut zu Pferde war schon immer eine Domäne der zentralasiatischen Völker, wo man auch die Herkunft der Falknerei vermutet.
Kirgisische Falkner haben die Beizjagd mit dem Berkut der Hetze mit Windhunden vorgezogen, weil sie mit ihren großen Vögeln auch die Wölfe beizen konnten, an die sich nur wenige asiatische Windhunde gewagt hatten.
Damals wie heute zählt die Beize mit dem Berkut, wie jede andere Jagd mit abgetragenen Greifvögeln vom jagdlichen Standpunkt aus zu der höchsten jagdlichen Kunst überhaupt.
Da die Adlerweibchen größer und stärker sind als die Männchen, wurden sie als Beizvögel bevorzugt. Besonders große Steinadler aus dem Südural waren wegen ihrer Größe und Kraft bei den kirgisischen und kasachischen Falknern sehr beliebt.
Sie wurden sogar gegenüber den zentralasiatischen Adlern bevorzugt, weil diese kleiner und daher für die Wolfsjagd weniger geeignet waren.
Der Steinadler ist zu schwer, um wie ein Falke einfach auf der behandschuhten Faust getragen zu werden. Deshalb bauten kirgisische Falkner an ihren Satteln eine spezielle Stütze für den rechten Arm, an dem der Berkut getragen wurde.
In einigen Steppengegenden verwendete man dafür auch die Krakel.
In der offenen Steppe wurden die Wölfe mit abgetragenem Berkut vom Pferd aus auch ohne Hunde gejagt. Dabei wählte der kirgisische Falkner günstige Anhöhen in der Steppe, um nach Wölfen Ausschau zu halten.
Seine scharfen Augen konnten Gegenstände in der Steppe unglaublich weit unterscheiden. Beim Anblick eines Wolfes begann eine wilde Verfolgungsjagd mit dem Pferd, bis der Falkner so nah an ihm war, dass er seinem Adler die Kappe abnehmen und von der Faust auf die Beute werfen konnte. Im niederen Jagdflug verfolgte der Berkut den Wolf, warf sich auf ihn wie ein Stein und schlug ihn mit seinen Krallen und Schnabel an Kopf und Rücken.
Wenn der Wolf gestoppt war, sprang der Reiter aus dem Sattel und beeilte sich, das geschlagene Wild zu erdolchen.
Dann setzte er dem Adler seine Haube wieder auf und trennte ihn vom Wolf, da er sich erst dann, wenn er nichts sieht, beruhigen kann. Am Ende nimmt der Falkner ein Stück Wolfsfleisch und reicht es seinem Adler als Entschädigung für die Beute.
In jedem Fall wurden Steinadler nur auf einzelne Wölfe und niemals auf ein Wolfsrudel geworfen. In der Regel konnte man auf diese Art und Weise drei bis fünf Wölfe pro Tag beizen.
Die Bedingungen für diese urtümliche Jagd sind heute nur in den zentralasiatischen Steppen gegeben. Deshalb haben mehrere passionierte Falkner aus dem Westen versucht, nach der Öffnung der GUS-Staaten Kontakte mit den wenigen noch die Beizjagd praktizierenden Jägern aufzunehmen.
Es gab und gibt immer noch in Russland und Zentralasien eine ganze Reihe weiterer Jagdmethoden (die Fallenjagd eingeschlossen) auf den Wolf, die aber hier aus Platzgründen nicht vorgestellt werden können.
Sie sind in erster Linie für den einheimischen Jäger von Bedeutung, der Gastjäger – der nur eine kurze Zeit vor Ort verweilen kann – wird sich in erster Linie auf die folgenden Jagdarten konzentrieren.
Mehr zufällig
Wegen seiner unsteten Lebensweise und fast unglaublicher Beweglichkeit während eines Tages (die bis 50 Kilometer reichen kann) ist der Wolf praktisch kaum geplant zu bejagen. Nur wenige Male in seinem Leben wird der Jäger dem Isegrim begegnen, und wenn er dieses Glück hat, soll er sich nicht lange überlegen, sondern schnell handeln.
Die meisten Jäger sind fast abergläubisch, was den Isegrim betrifft. Jeder kann unglaubliche Geschichten erzählen, wie er ihm zwar begegnete, der graue Jäger ihm aber um Haaresbreite doch entkommen konnte. Das kann ich nur bestätigen und jedem Asienjäger raten, keine Mühe zu scheuen, um mit verstärktem Einsatz auf jeden bestätigten oder gesehenen Wolf zu jagen.
Während der Maralbrunft in Kasachstan, Altai oder in Südsibirien ist der Wolf in der Regel oft zu sehen oder zu hören. Er stört nicht nur den Brunftbetrieb und vermindert die Chance auf Jagderfolg, sondern beobachtet aus dem Versteck tagelang die Pferde der Jäger und reißt sie bei günstiger Gelegenheit auf der Weide.
Auch während der Steinbock- und Argalijagden können die Wölfe ähnliche Störung verursachen und Pferde angreifen, so dass die Chance gegeben ist, ihn zu erbeuten.
Wegen der großen Karibu- und Saigaherden war eine starke Wolfskonzentration immer schon in den nordsibirischen Tundragebieten wie in den zentralasiatischen Steppen zu finden. Wer also hier auf Karibu, Saiga und Kropfgazelle jagt, kann mit etwas Glück auch mehrere Wölfe zur Strecke bringen.
In vielen Gegenden Russlands, Weißrusslands und der Ukraine werden winterliche Treib- und Drückjagden auf Sauen und Elche organisiert, auf denen sehr oft auch Wölfe erlegt werden. In einigen dieser Gegenden werden sogar bis zu 80 Prozent des jährlichen Wolfsabschusses während der zufälligen Begegnungen getätigt.
Besonders interessant sind sicherlich winterliche Pirschjagden zu Fuß oder mit dem Schlitten und Pferdegespann in den gleichen Jagdländern.
Dabei wird nicht nur auf starke Keiler, sondern auch auf Sika- und Rothirsche, Wisente und Luchse gejagt. Wenn dann am Ende eines kurzen Jagdtages auch ein grauer Räuber auf die Strecke gelegt wird, ist die Freude bei allen Jägern besondes groß.
Für eine solche Zusatztrophäe wird nur die Abschussgebühr bezahlt, die zwischen 500 und 800 US-Dollar liegt.
Lappjagd
Die winterliche Lappjagd ist in Russland eine traditionelle und häufige Jagdart auf Wolf. Sie ist unter den Auslandsjägern sehr populär, weshalb sie oft angeboten wird.
Diese Jagdmethode basiert darauf, dass der Wolf als Raubtier sehr vorsichtig ist und sich vor allen Gegenständen fürchtet, die seiner gewohnten Umgebung fremd sind, vor allem aber vor denjenigen, die Menschenwitterung haben. So kann man ihn einlappen und mehrere Tage in diesem künstlichen Gefängnis halten.
Für eine Lappstatt – so heißt ein mit Lappen umschlossener Waldteil – braucht man bis zu vier Kilometer Lappen. Damit die Lappen Wölfe besser „halten“, werden sie mit stark stinkenden Mitteln (Kerosin, Kreosot oder menschlichem Urin) getränkt.
Im Winter bei Schnee wird in Wolfsgebieten oder in der Nähe der Luderplätze gekreist, bis ein Wolf oder ein ganzes Rudel bestätigt und fest ist. Sofort werden unter gutem Wind um den Einstand der Wölfe die Lappen (zu Fuß oder mit den Motorschlitten) gezogen und Schützen abgestellt.
Ein stilles Treiben mit nur drei bis vier Treibern beginnt, wobei oft ausreicht, wenn nur ein Treiber der Spur nachgeht, um die Wölfe rege zu machen. Der Schütze muß, gut getarnt, unbeweglich stehen und beim plötzlichen lautlosen Erscheinen des Wolfes schnell reagieren können.
Je nach Stand und Schussfeld, kann man auf der Lappjagd sowohl Flinte wie Büchse benutzen oder, noch besser, einen Drilling.
Solche Lappjagden werden vornehmlich im europäischen Teil Russlands ( in der Nähe von St.Petersburg, Kirow, Jaroslawl, Kostroma, Wladimir, Twer) angeboten. Die Anreise erfolgt mit dem Flugzeug bis Moskau (Flugkosten um 1100 Mark), dann weiter mit der Bahn oder mit dem Auto ins Revier.
Unterkunft ist in einfachen Jagdhäusern mit guter Verpflegung. Bis zur Lappstatt fährt man mit Geländewagen oder Motorschlitten, manchmal auch auf Ski.
Beste Jagdzeit ist Januar bis März. Wenn die Witterung mitspielt, liegen die Chancen, einen Wolf zu erlegen, bei etwa 70 bis 80 Prozent. Da es zu dieser Winterzeit sehr kalt sein kann (Temperaturen bis minus 30 Grad Celsius), man auf dem Stand aber auch ein paar Stunden ruhig stehen muß, ist unbedingt entsprechend warme Kleidung mitzunehmen.
Für eine acht- bis zehntägige Reise ab/bis Frankfurt, München oder Wien inklusive eines Wolfsabschusses zahlt man etwa 2000 US-Dollar, jeder weitere Wolf kostet 600, Luchs 1 500 US-Dollar. Beim Nichterfolg werden 500 Dollar rückerstattet.
Wölfe kann man im Winter bei Schnee mit mehr oder weniger Erfolg auch ohne Ablappen bejagen, indem man kleinere Drückjagden durchführt. Auch diese Jagden werden in erster Linie im europäischen Teil Russlands organisiert. Kosten und jagdliche Umstände entsprechen denen bei der Lappjagd.
Ansitz am Luderplatz
Die Einrichtung eines Luderplatzes in der winterlichen russischen Taiga kann dazu dienen, ein Wolfsrudel anzulocken, zu bestätigen und dann einzulappen oder die Wölfe auf dem Ansitz zu erlegen. Ein Luderplatz hat den Vorteil, ein Wolfsrudel gerade in dem Waldteil zu halten, wo seine Bejagung günstig ist oder die Wölfe aus anderen Gegenden dorthin zu ziehen.
Wenn die Wölfe vom Luder etwas gefressen haben, ziehen sie normalerweise nicht weit weg davon und nehmen ihren Tageseinstand in Ludernähe.
Als Luder werden in der Regel Kadaver von großen Haustieren (Pferden und Kühen) verwendet, weil sie nicht so schnell aufgefressen und verschleppt werden können. Dafür braucht man aber eine Genehmigung des örtlichen Tierarztes.
Nach dem Einrichten des Luderplatzes sollten die Jäger kontrollieren, ob er auch angenommen ist. Dabei muß man sehr vorsichtig sein. Näher als 300 Meter darf sich der kontrollierende Jäger dem Luderplatz nicht nähern. Nur aus der gebührenden Entfernung prüft er mit seinem Glas, ob die Wölfe da waren oder nicht.
Solch aufwendige Vorsichtsmaßnahmen sind nötig, weil der Wolf ein äußerst kluges Tier ist, das gar kein Risiko eingeht. Wenn ihm etwas am Luderplatz suspekt ist, frisst er nie etwas davon oder kommt erst dann, wenn der Jäger seinen Ansitzplatz schon längst verlassen hat.
Mir sind aus eigener Erfahrung und zuverlässigen Berichten von Jagdfreunden Fälle bekannt, dass der Jäger sieben Nächte lang am Luder angesessen, dann völlig übermüdet den weiteren Ansitz aufgegeben hat.
In der achten Nacht kamen die Wölfe und holten sich ihre langersehnten Leckerbissen.
Vor Jagdbeginn muß sich der Jagdgast vergewissern, dass in der Nähe des Luderplatzes eine Kanzel oder eine Luderhütte vorhanden sind, sonst muß es bei winterlichen Temperaturen draußen am Boden kauern. Auch diese Jagd wird vor allem in Russland angeboten und liegt preislich auf dem Niveau einer Lappjagd.
Reduktionsabschuss
In unserer Zeit des technischen Fortschritts versuchte man in den weiten und offenen Tundra- und Steppengebieten mit dem Einsatz von Schneemobilen, Motorrädern, Gelände- und Lastwagen und seit den 50er Jahren auch von Flugzeugen und Hubschraubern aus, der Wolfsplage Herr zu werden.
Eine winterliche Hubschrauberjagd auf Wolf im offenen Gelände ist in Russland und Zentralasien zwar erlaubt, man braucht dafür aber eine spezielle Genehmigung. Diese bekommt man nur in den Gegenden, in denen Wölfe zu einer Plage für Mensch und Wild geworden sind.
Eine ähnliche Wolfskontrolle mit Kleinflugzeugen hat es in den 60er Jahren auch in den USA gegeben. Der berühmte amerikanische Jagdschriftsteller Jack O´Connor hat sie damals in seinem Buch „The Big Game Animals of North America“ sogar als eine der Jagdmethoden aufgeführt: „An exciting way of hunting wolves, and one that I have never tried, is shooting them with buckshot from light planes.
This is widely done by Alaskan bush pilots, and it is not only sporting, but a very effevtive means of wolf control.“
Bei der Hubschrauberjagd wie bei der feigen Vernichtung von Wolfswelpen in den Bauen handelt es sich jedoch nicht um „sportliche Jagd“. Das ist keine Streitfrage.
Und wenn so manche Jagdagentur für den Reduktionsabschuss wirbt, muß das klar gesagt und beschrieben werden, auch wenn es sich dabei um eine völlig legale Angelegenheit handelt.
In der winterlichen Steppe versucht man morgens bei Schnee mit einem Geländewagen oder Schneemobil frische Wolfsfährten auszugehen, bis man auf den Wolf stößt. Eine solche motorisierte Pirsch ist natürlich nicht nach dem Geschmack der überwiegend sportlichen und waidgerechten westlichen Jäger.
Ich betone hier noch einmal: Sie zählt auch in Kasachstan und Russland wegen der Überpopulation des Wolfes zum Reduktionsabschuss (und nicht zur Jagd), dem man als Gastjäger zustimmen oder ihn auch ablehnen kann.
Wo sich aber Wölfe im Winter bis in die Vorstadt trauen, in entlegeneren Dörfern sogar vor die Haustür kommen und jede Nacht Haustiere reißen und Kinder auf dem Schulweg angreifen, dort ist der Reduktionsabschuss eine überlebenswichtige hegerische Maßnahme.
Die Gefahren einer solchen Wolfskontrolle sind heute bekannt, sie wird in Russland und Zentralasien seit vielen Jahrzehnten auch durch Wildbiologen überwacht und kontrolliert. Eine Vernichtung der Wölfe wie in den USA wird es hier nicht geben. Der Reduktionsabschuss hat aber mit der Kunst des Wolfsjagens nichts zu tun, weil mit dem Fahrzeug oder Schneemobil jeder „jagen“ kann, der weiß, wie eine Flinte funktioniert.
Die einschlägigen Untersuchungen zeigen, dass der Jagderfolg beim Reduktionsabschuss doch nicht so hoch ist, wie man gewöhnlich glaubt. Derjenige Wolf, der einmal einer Verfolgung mit dem Schneemobil oder Auto entkommen konnte, wird sehr vorsichtig und hält sich dann auf den Plätzen auf, wo man ihn nur noch ganz zufällig erlegen kann.
Wenn er auch auf der Entfernung von mehreren Kilometer das Motorgeräusch hört, flüchtet er sofort auf dem kürzesten Weg in den Wald oder in für ein Fahrzeug unzugängliches Gelände. Der verfolgte Wolf kennt das „Spiel“ mit Schneemobil und Fahrzeug.
In den Zeiten der immer wieder auftretenden Wolfsplagen ist der Reduktionsabschuss mit Hilfe von Geländewagen und Schneemobilen mit kasachischen und russischen Berufsjägern recht populär und erfolgreich, weil man in wenigen Tagen oft auch mehrere Wölfe „erschießen“ kann.
Eine solche spezielle „Reduktions-Jagd“ wird auch für Gastjäger angeboten und kostet einschließlich ein Wolf ab/bis Alma-Ata um die 2 500 US-Dollar, ein weiterer Wolf 800 Dollar, Saiga 1000 Dollar.
Mongolei und China
Die Mongolei war bisher dem Auslandsjäger nur für ihre guten Steinbock-, Argali- und Maraljagden bekannt. Der Wolf kreuzte ab und zu dem Jäger den Weg und zierte seine sonstige Strecke, spezielle Jagdprogramme hat es jedoch für den grauen Geist nie gegeben.
Der enorm gestiegene Wolfsbesatz ist aber auch in der Mongolei zum echten Problem geworden. Die Ursachen dafür sind jenen in Russland und Zentralasien ähnlich. Früher waren einheimische Jäger durch hohe Abschussprämien hoch motiviert, auf Wolf zu jagen und seinen Balg abzuliefern.
Der mongolische Staat ist aber nicht mehr in der Lage, teure Wolfsprämien zu zahlen und hat sie gänzlich gestrichen. Für Wolfsfelle gibt es keine Absatzmärkte mehr. Mit 9000 Tughrik (umgerechnet etwa 12 US- Dollar) für ein Wolfsfell kann heute kein mongolischer Jäger etwas anfangen.
Der Wolfsschaden an den Haustieren ist in der Mongolei enorm. Auch die empfindlichen Steinbock- und Argalibestände sind ganz besonders davon betroffen.
Allein beim Steinwild schätzt man die jährlichen Verluste durch Wölfe auf fünf bis sieben Prozent des Gesamtbestandes, bei den anderen Wildarten sind sie sicherlich nicht geringer.
Die Mongolei ist das einzige asiatische Land, in dem sich das zuständige Ministerium für Umwelt und Naturschutz zusammen mit dem Outfitter „Mongol-Tours“ ernsthaft Gedanken über eine vernünftige und auch für Gastjäger attraktive Wolfsbejagung gemacht hat.
Das Ergebnis sind spezielle und „erfolgssichere“ Wolfsjagden in der Ost- und Südostmongolei.
Für eine elftägige Reise mit sechs Jagdtagen verlangt man in der Mongolei auf der Basis 2:1 etwa 1600 US-Dollar. Darin sind alle Transfers und Transporte sowie ein Wolf enthalten. Internationale Flüge und andere Sonderkosten (Visum, CITES-Papiere, Veterinärdokumente etc., zusammen um 300 US-Dollar) sowie jeder weitere Wolf (500 Dollar) müssen extra bezahlt werden.
Zwar wirbt der genannte mongolische Outfitter mit einer100prozentigen Erfolgsquote der letzten zwei Jahre, konkrete Jagdergebnisse und Referenzen liegen jedoch noch nicht vor. Wie erfolgreich diese Jagden wirklich sind, werden also erst die kommenden Jahre zeigen.
Auf einer solchen Spezial-Wolfsjagd (Jagdzeit: von Ende Oktober bis Ende Februar) wird Isegrim auf dreifache Art und Weise nachgestellt. In der Mongolei gibt es Guides, die den Wolfsruf perfekt beherrschen und nicht selten auch ganz starke Rüden vor die Büchse heranheulen können.
Diese akustische Lockjagd ist besonders während der Ranzzeit (Dezember) erfolgsversprechend.
Eine zweite Jagdmethode ist die winterliche Drückjagd. Zwar ist es zu dieser kalten Jahreszeit nicht gerade angenehm, mehrere Stunden draußen unbeweglich zu bleiben, dafür wird man durch eine spannende Jagd und meist guten Anblick belohnt.
Im offenen Gelände versucht man auch in der Mongolei, einen gesichteten Wolf mit dem Geländewagen einzuholen und zu erschießen. Diese Methode wird verharmlosend „Pirschfahrt“ genannt.
Jeder kann also die Jagdmethode wählen, mit der er sich identifizieren kann. Die traditionelle Unterkunft in den beheizbaren Jurten und die in den letzten Jahren deutlich verbesserte Verpflegung wird jedoch den meisten Gastjägern gefallen.
Auch in China ist der Grauwolf im ganzen Land weit verbreitet, in einigen Landesteilen wird er – vor allem in harten Wintern – oft zu einer regelrechten Plage für Mensch und Vieh. Er genießt hier keinen besonderen Schutz, jedoch ist er im Bestand in diesen Weiten nicht gefährdet.
Auch in China weiß man nicht den richtigen Weg, wie man in den entlegensten Gebieten der häufigen Wolfsplagen überhaupt Herr werden kann, spezielle Jagdprogramme wie in Russland, Kasachstan oder der Mongolei sind jedoch noch nicht vorhanden.
China hat fast unbegrenzte Möglichkeiten zur Jagd auf Wölfe, die erst in Zukunft entwickelt und angeboten werden können.
Die Türkei und ihre Wölfe
Auch in der Türkei ist der Wolf „überall und nirgendwo“. Er ist zwar im ganzen Land weit verbreitet, jedoch sehr schwer zu finden und zu beobachten. In seinem hervorragenden Buch „Hunting in Turkey“ nennt der bekannteste türkische Jäger Ali Üstay den Wolf nicht umsonst einen grauen Geist.
Ali Üstay ist der erste und bisher der einzige Jäger der Welt, der alle zehn Großwildarten der Türkei erfolgreich bejagt hat. Mit den anderen Wildarten war das nicht sehr schwer, aber um den ersten Wolf zu erlegen, hat er 14 Jahre gebraucht!
Die Türkei ist ein populäres Jagdland mit originellem jagdlichen Profil und interessanten Wildarten. Es verwundert deshalb gar nicht, dass seit ein paar Jahren auch dort spezielle Wolfsjagden veranstaltet werden.
Diese sind mit etwa 3400 US-Dollar zwar nicht ganz so günstig wie die in Kasachstan oder der Mongolei, dafür sind sie ziemlich erfolgreich (Erfolgsquote um 70 Prozent).
In der Türkei wird weder gefahren noch gedrückt oder lange gepirscht, sondern bequem am Luderplatz angesessen. Gute Optik an der Jagdwaffe erleichtert das Ansprechen auch bei schlechten Lichtverhältnissen.
Die Jagdzeit sollte nach Möglichkeit mit der Vollmondphase oder Schnee zusammenfallen. Jagdgebiete liegen entweder im Osten (mit Erzurum als Zielflughafen) oder im Süden des Landes (mit Antalya als Zielflughafen). Vor allem dieses letztere Jagdgebiet über Antalya ist mit einem Direktflug (Kosten um 600 Mark) sehr leicht zu erreichen.
Kombijagden
Auf einer winterlichen Lappjagd bietet sich das Kombinieren mit anderen Wildarten (Luchs, Keiler, Elch) von selbst an, da die zusätzlichen Wildarten im gleichen Revier erlegt werden können. Das gleiche gilt für die Saigajagd in der kasachischen Steppe.
In der Mongolei sind aber solche Kombinationsjagden nicht dem Zufall überlassen, sondern genau geplant und werden seit ein paar Jahren so auch angeboten. Der Jäger muß sich also vor der Reise entscheiden, welche Wildarten er zusätzlich bejagen will.
Eine solche Kombijagd wird dann genau geplant und vorbereitet, weil nach der Spezialjagd auf Wolf bei einigen Wildarten (wie zum Beispiel Maral) auch ein Revierwechsel nötig ist.
In den Steppengebieten im Osten und Süden des Landes ist eine zusätzliche Jagd auf die Mongolische oder Kropfgazelle möglich (Kosten einschließlich Wolf und Gazelle um 2 400 US-Dollar), im südlichen Hügelland für knappe 4 000 Dollar auch die Jagd auf den Gobi-Steinbock.
Diese Jagdausflüge sind relativ leicht und können deshalb auch den älteren und weniger sportlichen Jägern empfohlen werden.
Eine interessante Kombination ist sicherlich die mit Wolf und Wintermaral. Nach erfolgreicher Spezialjagd auf Wolf fährt man in die Waldgebiete im Norden oder im Westen des Landes, wo sich die Marale ab November in ihre Wintereinstände zurückgezogen haben.
Der Jäger hat zu dieser Zeit größere Winterrudel vor sich und kann daher viel leichter einen starken Hirsch (oder sogar zwei) gezielt bejagen. Eine solche winterliche Jagd mit beiden Abschüssen kommt auf etwa 4000 Dollar.
Auf allen diesen Kombijagden in der Mongolei werden beim eventuellen Nichterlegen der gebuchten Wildarten etwa zwei Drittel der Abschusspreise rückerstattet. Auch zusätzliche Abschüsse sind möglich, die nach Preisliste verrechnet werden: für einen Extra-Wolf zahlt man 500 US-Dollar, pro Gazelle 800, sowie für den zusätzlichen Steinbock und Maral je 1500 US-Dollar.
Auch dieses Kombinationsprogramm ist ziemlich neu, aber sehr solide ausgearbeitet und soll mit erfahrenen mongolischen Outfittern durchgeführt werden.
Aus diesem Grund dürfte man wohl auf gute jagdliche Erfolge in den nächsten Jahren hoffen.
Hansgeorg Arndt

Hansgeorg Arndt

Zugedrückt und sauber erlegt: Wolf in der kasachischen Steppe.
Zugedrückt und sauber erlegt: Wolf in der kasachischen Steppe.

 

Hansgeorg Arndt

Hansgeorg Arndt

Fotos: K.-H. Volkmar

Hansgeorg Arndt