Wiederladen: .375 Ruger

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Red Hartebeest oder Kuhantilope aus dem südlichen Afrika. Für die Jagd auf diese Antilope lässt sich die .375 Ruger gut einsetzen (Fotos: Horst Niesters, Norbert Klups)
 

JAGEN WELTWEIT 4/2011

Die Entwicklung der .375 Ruger begann im Jahre 2006. Die neue Patrone entstand in Zusammenarbeit der Waffenfirma Ruger dem Munitionshersteller Hornady.

Von Norbert Klups

 

Patrone 375 im Vergleich HH
Die .375 Ruger zwischen der .375 H & H (rechts) und der 9,5 x 66 SEvH
Ziel der Entwicklung war es, eine Patrone zu schaffen, die sich problemlos in ein Standard-Büchsensystem mit Länge des Mauser 98er verwenden lässt. Gleichzeitig sollte die Leistung der .375 Holland & Holland Magnum übertroffen oder aus kürzeren Läufen erreicht werden. Winchester hatte bei der Patronenfamilie der Short Magnums die .375 ausgelassen. Wohl weil die .375 H & H sich ohne großen Aufwand im Winchester-Repetierer Modell 70 unterbringen lässt. Beim Standard-Rugersystem ist das nicht ohne weiteres möglich, und die .375 H & H Magnum gibt es bei Ruger nur im deutlich schwereren und auch doppelt so teuren Modell 77 Magnum. Die Patrone sollte einen Geschossdurchmesser von .375 haben, um in allen afrikanischen Ländern eine legale Bejagung der Großwildarten zu erlauben. Keine einfache Aufgabe, aber mit den heute zur Verfügung stehenden innenballistischen Erkenntnissen und den modernen Treibladungsmitteln auch nicht unmöglich.
 
 

 

Die .375 Ruger hat zwar den Bodendurchmesser der .375 H & H Magnum, aber keinen Gürtel. Dadurch kann die Hülse dicker gehalten werden, und das Hülsenvolumen steigt. Zusätzlich wurde die 30-Grad-Schulter weit nach vorn verlegt, was zusätzlich Platz für Pulver schafft. Das Ergebnis war eine Hülse, die bei 65,6 Millimetern Länge (8 Millimeter weniger als bei der .375 H & H Magnum) ein 8 Prozent größeres Hülsenvolumen aufweist. Damit liegt die erzielbare Mündungsenergie leicht über der Holland & Holland. Die Patrone passt in das Standard-Rugersystem und mit einer Gesamt-Patronenlänge von 84,8 Millimetern auch in jeden 98er. Mit den 270 und 300 Grains schweren Geschossen (17,5 und 19,4 Gramm) von Hornady erzielen die Fabrikpatronen eine Mündungsenergie von rund 6.500 Joule – und das aus einem 50,8 Zentimeter kurzen Lauf. Die .375 H & H Magnum benötigt dazu 61 Zentimeter Lauflänge, wobei beide Patronen mit 4.300 bar gleichauf liegen, was den zugelassenen Höchstgasdruck angeht.
 
 

 

Patronen 375
Für einen handlichen-kurzläufigen Repetierer damit eine ideale Patrone, die in den USA auch begeistert aufgenommen wurde. In Deutschland eigentlich ein überflüssiges Kaliber, denn mit der 9,5 x 66 Super Express vom Hofe steht eine sehr ähnliche Patrone zur Verfügung, die ebenfalls in das 98er-System passt und sogar noch mehr Leistung liefert. Die dicke vom Hofe ist aber nicht sehr verbreitet und Fabrikpatronen so gut wie nicht vorhanden. Lediglich von WR-Munition wird sporadisch mal ein kleines Los aufgelegt, während Hornady die .375 Ruger in drei Laborierungen anbietet und auch das LFB (Labor für Ballistik) die Patrone mit drei Laborierungen im Programm hat (17,5 und 19,4 Verbundkern, 19,4 Vollmantel). Die Fabrikmunition wird mit 270 und 300 Grains schweren Geschossen ausgestattet. Ein ideales Geschossgewicht, wenn es um die Jagd auf schweres Großwild geht. Der Wiederlader hat noch deutlich mehr Möglichkeiten, denn das Geschossangebot im Durchmesser .375 ist groß. Die Palette reicht von 200 bis 350 Grains. Bei vielen Geschossen ist aber zu bedenken, dass sie oft für wesentlich schwächere Patronen gedacht sind und sich deshalb für die .375 Ruger, wenn die volle Leistung gewünscht wird, nicht eignen. Beim Einsatz auf Wild ist mit völlig unzureichender Tiefenwirkung zu rechnen.
 
 

 

Die Hülsenbeschaffung ist bei diesem Kaliber sehr eingeschränkt. Wer seinen Hülsenvorrat nicht unbedingt durch das Verschießen von Fabrikpatronen anlegen will, kann bei Reimer Johannsen auch Hornady-Hülsen bekommen, die mit 65,90 Euro für die 50er-Packung sehr preisgünstig sind.
 
 

 

Bei den Treibladungsmitteln sind langsam abbrennende Pulver wie Hodgdon H 414 oder IMR 4350 optimal. Zur Zündung der nicht unerheblichen Pulvermenge sind Magnumzünder erforderlich. Matrizensätze sind von den großen Herstellern zu bekommen und gehören sogar zu der preisgünstigsten Standardklasse. Der für die Laborierungsarbeiten verwendete Redding Satz kostete 73 Euro. Das ist natürlich auch ein großer Vorteil der .375 Ruger gegenüber der 9,5×66 SEvH. Hier liegt der Preis für einen Matrizensatz bei 175 Euro. Die neue .375 Ruger erlaubt den Bau einer handlichen Repetierbüchse mit preisgünstigem Standardsystem. Serienwaffen von Ruger und Howa sind ebenfalls zu günstigen Preisen zu bekommen. Im Kaliber .375 ist die Ruger damit sicher die interessanteste Neuentwicklung. Bleibt abzuwarten, ob sich Winchester nicht doch noch entschließt, eine .375 WSM herauszubringen, um die WSM-Serie nach oben hin zu vervollständigen.
 
 

 

Zur Ermittlung der Ladedaten wurde eine Repetierbüchse Howa mit 61 Zentimeter Lauflänge benutzt. Die Geschwindigkeit wurde drei Meter vor der Laufmündung
gemessen.
 
Weil keine Garantie dafür besteht, mit welcher Sorgfalt und welchen Komponenten der Wiederlader arbeitet, noch in welchem Zustand sich die Waffe befindet, in der er seine Munition verschießt, erfolgt die Angabe der Ladedaten in jeder Hinsicht ohne Gewähr! 
 


 

Ladedaten .375 Ruger
 

 

Geschosspalette
 

 

was passt zu wem
 


 

 

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