.300 Holland&Holland Magnum

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Die .300 Holland&Holland Magnum entstand im Jahre 1920 und basiert auf der 1912 vorgestellten .375 Holland&Holland Magnum.

.300 Holland&Holland Magnum

Von Norbert Klups
Das Kaliber .375 H&H erfreute sich von Anfang an großer Beliebtheit, war aber nur bis auf mittlere Entfernung einsetzbar. Um den Bedarf nach einer rasanten Patrone für das Steppenwild zu decken, entwickelte Holland&Holland aus der Hülse der .375 H&H die .300 H&H.

Zunächst wurde die Patrone „Hollands Super 30“ genannt, erhielt kurze Zeit später aber ihren jetzigen Namen. Die Werte waren beeindruckend. Die Ursprungsladung brachte ein 150-Grains-Geschoss auf eine Mündungsgeschwindigkeit von 945 m/s. Später nahm man dann aber die Leistung etwas zurück.

Mit den heute zur Verfügung stehenden modernen Nitropulvern kann diese Leistung aber leicht erreicht werden. Wie die Ursprungspatrone hat auch die .300 H&H eine Gürtelhülse, bei der die Anlage im Patronenlager durch den Gürtel definiert wird. Holland&Holland ging diesen Weg, denn bei der wenig ausgeprägten Gestaltung der Hülsenschulter war dies notwendig. Moderne Magnumpatronen, bei denen die Hülsenschulter wesentlich steiler ist, brauchen keinen Gürtel mehr.

Berühmtheit erlangte die .300 Holland&Holland, als im Jahre 1935 Ben Comford das 1 000 Yard-Schießen in Wimbledon damit gewonnen hatte. Der Gewinn des Wimbledon-Cups machte die Patrone auch in den USA schlagartig populär. Berühmte US-Firmen wie Griffin&Howe begannen vermehrt, ihre Büchsen dafür einzurichten, und selbst Winchester baute das neue Modell 70 in .300H&H.

Viele moderne Patronen, wie die .300 Win. Mag., .300 Weatherby Mag. Und .308 Norma Mag. basieren auf der .300 H&H. Diese Patronen haben der alten Holland&Holland Entwicklung in der Zwischenzeit den Rang abgelaufen.

Fabrikpatronen sind heute schon selten geworden und mit leichten Geschossen gar nicht zu bekommen. Obwohl es noch viele gute Büchsen in diesem Kaliber gibt und auch wieder neue Waffen dafür gebaut werden.

Geradezu klassisch ist eine „Take Down“ in .375 H&H mit Wechsellauf in .300 H&H. Beide Patronen nutzen die gleiche Hülse und so gibt es keine Probleme beim Magazin oder dem Stoßbodendurchmesser. Die Eigenpräzision ist sehr hoch, und auch wenn die Hülse ursprünglich für Cordite gedacht war, lässt sich mit modernen Pulvern daraus eine beachtliche Präzision erzielen.

Die .300 Holland&Holland hat einen sehr hohen maximalen Gebrauchsgasdruck von 4300 bar. Wird der Gasdruck ausgenutzt, lässt sich eine beachtliche Leistung erzielen. Für einen Repetierbüchsenverschluss ist das kein Problem, doch es wurden auch viele Doppelbüchsen für die rasante .300er Patrone eingerichtet. Hier ist das Ausnutzen des Höchstgasdruckes bei vielen Waffen nicht unbedingt zu empfehlen. Bei den Ladedaten sind daher extra einige Laborierungen aufgeführt, die einen etwas geringeren Gasdruck haben und die Verschlüsse von Kipplaufwaffen schonen.

Patronen .300 Holland& Holland Magnum werden bei Winchester, Federal und Wolfgang Romey geladen, und die Hülsenbeschaffung ist kein großes Problem. Es können auch Hülsen aus der .375 Holland&Holland umgeformt werden, was verhältnismäßig einfach geht.

Bei den Geschossen sieht es im .30er Kaliber sehr gut aus. Bei keinem anderen Kaliber hat der Wiederlader eine solche Auswahl. Die Geschosspalette reicht von 100 bis 220 Grains und damit hat der Wiederlader eine Menge Möglichkeiten. Bei entsprechender Pulverwahl ist es kein Problem, die .300 H&H auf das Niveau einer .30-06 herunterzuladen. Vor abgebrochenen Ladungen progressiven Pulvers muss aber eindringlich gewarnt werden. Es kann zu gefährlichen Drucksprüngen oder Nachbrennern kommen.

Für die schnellen .300 Holland&Holland Magnum-Laborierungen sollten aber keine zu weichen Geschosse gewählt werden, sonst ist die Zielballistik unbefriedigend. Die modernen homogenen Deformationsgeschosse wie das Barnes X-Bullet oder stabile Zweikammergeschosse wie das Nosler Partition, Blaser CDP oder Swift A-Frame sind hier erste Wahl. Auch wenn die .300 H&H etwas unter der .300 Winchester Magnum liegt, so ist sie doch erheblich schneller als die .30er Standardpatronen.

Bei den Treibladungsmitteln sind vorwiegend die langsam abbrennenden Pulver brauchbar, obwohl der schlanke Hülsenverlauf der .300 H&H eigentlich auf offensivere Pulver hindeutet. Die offensiveren Sorten sind nur bei den leichten Geschossen unter 11,0 Gramm brauchbar.

Besonders Kemira N 165, Rottweil R 905 und Hodgden 4831 erwiesen sich universell geeignet. Magnum-Zündhütchen sind zur Anzündung der erheblichen Pulvermenge unbedingt erforderlich. Matrizensätze sind von RCBS, Redding, Lee oder Triebel zu bekommen.

Das Geschoss-Angebot im Kaliber .30 ist riesig, und hier jedes Geschoss aufzulisten, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. So wurde eine Auswahl für die .300 Holland&Holland Magnum besonders geeigneten Geschossen getroffen.

Zur Ermittlung der Ladedaten wurde eine Repetierbüchse mit 65 Zentimeter langem Lauf benutzt. Die Geschwindigkeit wurde drei Meter vor der Laufmündung gemessen.

Weil keine Garantie dafür besteht, mit welcher Sorgfalt und welchen Komponenten der Wiederlader arbeitet, noch in welchem Zustand sich die Waffe befindet, in der er seine Munition verschießt, erfolgt die Angabe der Ladedaten in jeder Hinsicht ohne Gewähr!

.300 Holland&Holland Magnum


Tabellen:
Geschoss-Palette
Fabrik-Laborierungen
Ladedaten
Was passt zu wem?
Fotos: Norbert Klups