Erinnerungen von Dr. Manfred Prilop

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Mein Freund Stefan und ich wurden nach langwierigen Flugverschiebungen durch „Air Fance“ von geduldig ausharrenden Mitarbeitern des Veranstalters in Ouagadougou in Empfang genommen und mit gewohnter Routine und afrikanischem „savoir vivre“ durch den Zoll geschleust. Die Waffen interessierten um drei Uhr morgens niemanden! Schon im Hellen trudelten wir im Camp ein, herzlich begrüßt von einem etwas unausgeschlafenen George, der sich als Berufjäger vorstellte (fantastisch: ich wusste nicht, dass es auch Trainingshosen in Fleck-Tarn gibt!).


Der erste Jagdtag verplätscherte wegen einer nicht funktionierenden Lichtmaschine und dadurch erheblich eingeschränkter Mobilität. Wild gab’s genug ? insbesondere Roan, die ich aber nicht bejagen wollte. Ich musste mich regelrecht gegen den Berufsjäger wehren, der wegen der guten ungenutzten Chancen auf mehrere kapitale Bullen schier verzweifeln wollte.

Eindrucksvoll waren mehrere frische Löwenfährten in Richtung Nationalpark, zu spät allerdings, um sie noch zu arbeiten. Am zweiten Tag wurde es ernst. Mit funktionierendem Fahrzeug fanden wir gleich früh frische Fährten einer Büffelherde mit vielversprechenden Bullen. Im ersten Licht ging’s hinterher. Unsere Pisteure waren so sicher wie auf einer Autobahn, bis wir nach zwei Kilometern vorsichtiger Pirsch die ersten Stücke der Herde sahen

Jetzt ging es, weit unter Wind im Laufschritt einen Bogen schlagend, um die Herde herum, um uns mit günstigem Wind in den Weg zu legen. Kaum hatten wir uns unter einem Baum eingerichtet und Atem geschöpft, zogen auch schon die ersten Stücke der Herde in bedrohliche Nähe. George hatte bald einen passenden Bullen ausgemacht und drängte zum Schuss, da die Herde uns inzwischen von allen Seiten umgab. Nur eine Frage von Sekunden, bis das erste Stück Wind bekommen musste.

Ein bei einer Kuh stehender guter Bulle war kurz frei. Am Baum angestrichen schoss ich auf 60 Schritt. Hochblatt getroffen (.375 Holland&Holland Magnum) brach er zusammen. Der „death bellow“ bestätigte den guten Sitz des Geschosses. Der Rest der Herde ging in einer riesigen Staubwolke ab.

Das war’s mit den Büffeln, jetzt ging’s ans Löwen-Suchen. Verabredungsgemäß gehörte der Vormittag der Löwenjagd. Da nachmittags die Chancen auf Löwe gering waren, nahm ich sie, wie sie kamen und erbeutete Hartebeest, Buschbock und Warzenschwein.

Dabei jagte ich einmal mit Stan, der an diesem einen Tag frei war, allein. Unser Sinn stand nach einem reifen Keiler. Aber es kam anders! Beim Anpirschen eines Keilers stand plötzlich auf 40 Meter ein junger männlicher Löwe vor uns, verhoffte maximal fünf Sekunden und war blitzschnell im hohen Gras verschwunden!

Frische Spuren gab’s täglich zu sehen. Sie luden zu ausgedehnten Pirschgängen im Eilschritt ein. George verfügt als ehemaliger Berufssoldat über eine erschreckende Kondition, die uns aber trotz aller Anstrengungen nicht zum gewünschten Erfolg verhalf.

Ein hautnahes Löwen-Erlebnis hatte ich noch mit Stefan gemeinsam. Frische Fährten, frische Urinmarkierungen und intensiver Raubtiergeruch signalisierten die unmittelbare Nähe der Löwen. Leider verschwanden sie von mir ungesehen im hohen Gras.

Ich muss allerdings gestehen, dass mir, als wir die Löwen in der Nase hatten und im hohen Gras jederzeit Kontakt erwarteten, doch die Nackenhaare hochgingen. Ob der Schweiß dabei wirklich nur wärmebedingt war, wage ich zu bezweifeln!

Nun ist Löwenjagd auf der Fährte „nicht ohne“ und sicher eine der großen Herausforderungen Afrikas. Entsprechend niedrig muss bei dieser sehr fairen und anstrengenden Jagd auch die Erfolgschance eingeschätzt werden. Sie liegt nach meiner Einschätzung unter 15 Prozent.

Aber insgesamt hat sich die Mannschaft wirklich ausnahmslos große Mühe gemacht. Alles in Allem eine ? auch was das Camp, die Freundlichkeit der Einheimischen und die interessanten Eindrücke im Land angeht – runde Sache und ein eindrucksvolles Erlebnis. Kann man empfehlen und wiederholen.

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