Beceite-Steinböcke

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Drei Tage vorm Abflug der Leserreise im Jahr 2004 auf Steinböcke in der Sierra Nevada kam die katastrophale Nachricht: Gebiet gesperrt wegen Räude. Der GAU…

Von Bernd Kamphuis
Nun war guter Rat teuer, denn alle Jäger der Leserreise hatten die Koffer bereits gepackt und freuten sich auf die kommenden Jagdtage – in der Sierra Nevada. Es galt also, sofort alle Hebel in Bewegung zu setzen. Ein neues Jagdgebiet, Umbuchen der Flüge aus allen Teilen Deutschlands und aus Österreich, eine neue Unterkunft; alles musste innerhalb von drei Tagen organisiert werden. Außerdem hatte natürlich das neue Gebiet den Qualitätsansprüchen der geplanten Reise zu genügen, ja im Grunde musste es besser sein als das in der Sierra Nevada.

Vermitttler und Outfitter vor Ort machten innerhalb kürzester Zeit das Unmögliche möglich. Als neues Gebiet standen uns jetzt 70.000 Hektar zur Verfügung, um auf Beceite-Steinböcke zu jagen. Da die Beceite-Steinböcke stärkere Trophäen tragen, als die in der Sierra-Nevada, waren alle Leser, bis auf einen, mit dem neuen Ziel und der quasi neuen Wildart einverstanden und machten von der Option, zurückzutreten, keinen Gebrauch.

Was uns in Spanien erwartete, ließ keine Wünsche offen, die Jagdgebiete waren hervorragend, die spanischen Führer Profis und der Wildstand ausgezeichnet. Den Erfolg einer Leserreise machen aber die Erlebnisse der teilnehmenden Jäger aus. Um diese Frage möglichst objektiv zu beantworten, nachfolgend einige Erfahrungsberichte der Teilnehmer der Leserreise, die stellvertretend für die gesamte Gruppe gelten:

Fotos: Bernd Kamphuis, Jens Vocke

Dr. Wolfgang Ducree

Dr. Wolfgang Ducree

Leserreisen – so hat mich die Erfahrung gelehrt – sind eine herrliche Verlockung, der man sich, wegen ihrer Exklusivität des Angebots und der Auswahl des Jagdzieles, kaum entziehen kann.

Der Entschluss, daran teilzunehmen, wirft dann jedoch Fragen auf. Wie sind die Bedingungen des Gastlandes und im Revier? Ist der Wildbestand und die Möglichkeit, erfolgreich zu jagen, mit den Versprechungen des Outfitters kongruent? Wie setzt sich die Jagdgruppe zusammen? Stimmen die Vorstellungen der Mitglieder mit meinen Vorstellungen von Jagd, gepflegtem Gedankenaustausch und auch Geselligkeit überein? Ist die Organisation im Reiseland halbwegs perfekt? Wie gesagt, Fragen über Fragen.

Um die Antworten gleich vorwegzunehmen: Die Reise auf den spanischen Steinbock erfüllte alle, wirklich alle meine hohen Erwartungen, die ich an ein solches Unternehmen stellen konnte! Kurz, ein Sahnebonbon im Leben eines begeisterten Waidmanns. Die Fünf-Tage-Reise, drei davon Jagdtage, wurde Freude und positiver Stress in reinster Form.

Die hilfreiche Abwicklung des lästigen Waffentransfers durch Tomas, dem liebenswürdigen deutsch-spanischen Jagdagenten vor Ort, die Organisation der An- und Abreise von und zum Airport Barcelona, die professionelle Dokumentation des jagdlichen Geschehens durch Bernd, dem sympatischen, sachkundigen und jagdlich versierten Journalisten, waren perfekt. Das galt auch für die Unterbringung und Bewirtung im Landhotel. Immer hatte man das Gefühl, Gast zu sein.

Die Jagd im Gebirge selbst, vor der ich als „Flachland-Tiroler“ ehrlich gesagt etwas Bammel hatte, gestaltete sich als sehr angenehm. Sicher, Steinböcke leben bekanntlich im Gebirge, und zwar am liebsten ganz oben.

Aber auch hier waren die Bedingungen für mich durchaus akzeptabel. Die Jagdführer, selbst passionierte und sachkundige Jäger und Revierinhaber, kannten Reviere und Wildeinstände bestens und verstanden es, mich auf gängigen Höhenwegen an das Wild zu bringen und dieses schließlich auch zu strecken.

Nie war ich alleine in Entscheidungen, wie zum Beispiel das sensible, sehr gut äugende und windende Steinwild anzusprechen. Angehen und eine sichere Schussposition zu finden, war trotz heftigen Pulses – sei es aus Anstrengung oder Jagdfieber – mit meinem Pirschführer sehr spannend, und so konnte ich dem hohen Wild einen würdigen Schuss antragen.

Der übliche Umtrunk, mit Serano-Schinken und Spiegeleiern nach getanem Waidwerk in einer einfachen spanischen Bodega, abseits jeglichen Touristenrummels, war Glück, Freude und Genuss pur. Die Mitfreude der Jäger am Abend nach der Jagd war äußerst ehrlich und herzlich, zumal alle von Diana geliebt wurden und Waidmannsheil hatten.

Summery: Wenn das Glück beschieden sein sollte, an einer solchen Leserreise teilnehmen zu dürfen, sollte man weder Kosten noch Mühen scheuen, die Gelegenheit beim Schopfe zu ergreifen. Es lohnt sich und wird, wie bei mir, ein Highlight eines jägerischen Lebens sein und bleiben.
Mein Dank und Waidmannsheil gilt allen Beteiligten.

Wolfgang Gözze

Wolfgang Gözze
Hier mein kurzes Statement zur Jagdreise:

1. Steinbock
Wildbestand hervorragend mit zum Teil kapitalen Trophäenträgern. Traumhafte Landschaft, die auch für Flachlandjäger zu bewältigen war, allerdings auch mit teilweise schwierigem Gelände – je nach Wunsch. Führung durch sympathische, ortsansässige Jäger, die die Wildeinstände genau kannten.

Unterbringung in einem einfachen, sauberen, typischem Landhotel mit äußerst fairer Abrechnung (die 25 Euro waren ein Witz für die ganze Sauferei). Habe da schon ganz andere abgezockte Hotelrechnungen nach der Jagd (Beispiel Türkei, Rumänien ect. mit Preisen von 25 Euro pro Weinflasche usw.) erhalten.

2. Mähnenschaf
Zwar war es „nur“ eine Gatterjagd, aber aufgrund der Größe war das Wild so „mukker“, dass man das Gatter sofort wieder vergessen hatte. Auch hier – alles wieder professionell organisiert. War echt klasse!

Alles in allem eine sehr schöne Jagdreise in toller Landschaft, mit netten Gastgebern und 100 Prozent Erfolg – was will man mehr? Nur bei der Ein- und Ausreise könnte etwas weniger Bürokratie herrschen.

Siegfried Kreil

Siegfried Kreil

„Das fängt ja gut an.“ So oder so ähnlich lauteten die Reaktionen, als der Veranstalter der Leserreise uns wenige Tage vor dem Abflug nach Spanien mitteilte, dass die Jagd in der Sierra Nevada bis auf weiteres gesperrt sei.

Die Alternative: Flug bis nach Barcelona, dann zirka drei Stunden Autofahrt in das Beceite-Gebirge und dort Jagd auf den gleichnamigen Steinbock. Tomas, Deutschspanier und Veranstalter vor Ort, begrüßte uns am Flughafen und erledigte zunächst alle Formalitäten mit der Waffeneinfuhr. Dann steckte er uns erstmal mit seinem Frohsinn und seinem Optimismus an. „Keine Sorge, Hotel, örtliche Jagdführer – alles bestellt. Es wird eine erfolgreiche Jagd werden.“

Abends Ankunft im Landhotel „Mas de Ferre“ am Rande von Morella, einem kleinen, beschaulichen Ort in der Provinz Castellon, wo wir uns beim Abendessen und einigen Flaschen Rotwein näher kennenlernten – Siegfried und Sohn aus dem Salzburger Land, Uwe und Michael mit ihren Frauen aus Mannheim und Umgebung, Reinhard aus Frankfurt und Winfried, Wolfgang und ich aus dem Münsterland. Dazu kamen die Vermittler Jens und Tomas sowie Bernd von JAGEN WELTWEIT.

Am nächsten Morgen ging´s mit Geländewagen und einheimischen Jägern etwa 20 Kilometer in verschiedene Reviere. Uns bot sich ein atemberaubender Blick auf die umgebenden Gebirgsketten. Da ich Tomas von einer vorherigen Jagd auf Rehböcke in Nordspanien schon kannte, hatte ich das Vergnügen, mit ihm zu jagen. Folgende Wünsche hatte ich geäußert: alt sollte der Bock sein, mindestens zehn Jahre. „Das kriegen wir hin“, so Tomas. Ich war gespannt.

Wir jagten in einem kilometerlangen, gewundenen Canyon, unten ein kleiner Bach, seitlich steil aufsteigende Flanken mit Geröllhalden und teilweise Macchiebewuchs, in dem das Steinwild seinen Tageseinstand hatte.

Am ersten Tag hatten wir viel Anblick auf das scheue Wild – Steinwild äugt und vernimmt hervorragend – allerdings war der von mir gesuchte alte Bock nicht dabei. Die traumhaft schöne Landschaft und das gute Wetter waren aber ein excellenter Ausgleich.

Bei unserer Rückkehr am Abend konnten wir einen höchst zufriedenen Österreicher Siegfried erleben: Er hatte gleich am ersten Tag einen sehr guten, alten Steinbock erlegt, und wir anderen konnten schon einmal Maß nehmen.

Am anderen Morgen, Jens war auch mit uns gekommen, meinte Tomas nach sorgfältigem Abglasen der Hänge: „Das ist der passende. Siehst du ihn? Ungefähr 300 Meter von hier, im Hang hinter dem umgestürzten Baum hat er sich niedergetan, total abgebrunftet, und alt ist er auch, mindestens zwölf Jahre. Ich versuche noch ein wenig näher heranzukommen. Du bleibst mit Jens hier. Falls er hoch wird, musst du sofort schießen“. Mir wurde ein wenig mulmig.

300 Meter sind nicht die Schussentfernung für einen Münsterländer Flachlandjäger, aber ich hatte zu meiner Blaser R 93 im Kaliber .300 Win. Mag. volles Vertrauen. Also Geduld! Nach einiger Zeit sahen wir Tomas am Canyonrand. Er winkte uns zu: Kommt her. Hier geht es besser. Wir zogen uns vorsichtig von unserem Felsvorsprung zurück und hatten nach kurzer Zeit Tomas erreicht. Tatsächlich, von hier war der Anblick besser, die Entfernung betrug jetzt nur 200 Meter und ich hatte eine gute Auflage für Rucksack und Waffe.

Der Steinbock stellte mich dann aber auf eine harte Geduldsprobe. Es dauerte drei Stunden, bis er hoch wurde. Letztlich entscheidend dafür war wohl, dass zwei jüngere Böcke aus dem Tal auf ihrem Weg durch den Geröllhang nach oben den alten Herrn aus seiner Ruhe nach anstrengendem Brunftbetrieb in der Nacht geweckt hatten.

Den Schuss hat der Steinbock nicht mehr vernommen. Das 10,7 Gramm Doppelkerngeschoss hatte ganze Arbeit geleistet. So habe ich es mir gewünscht.

Nachdem Tomas und Jens Fotos gemacht hatten, ging es ans Bergen der Trophäe, bei gut 150 Meter Höhenunterschied im Steilhang ein hartes Stück Arbeit – für einen Flachländer.

Oben auf dem Plateau erwarteten uns Winfried, Wolfgang und Bernd, die über Handy von meinem Jagdglück erfahren hatten. Winfried hatte morgens auch seinen Steinbock erlegt, und so wechselten sich gegenseitiges Waidmannsheil und ein Schluck Rotwein aus Tomas´ Lederbeutel einander ab.

Nachmittags hatte Bernd Waidmannsheil und bei der Rückkehr am Abend ins Hotel konnten auch Uwe und Michael von ihren erlegten Steinböcken berichten. Fehlten also nur noch Wolfgang und Reinhard.

Wolfgang hat als Sternkreiszeichen den Steinbock, was Wunder, dass er von seiner besseren Hälfte ein striktes Jagdverbot auf Steinbock ausgesprochen bekommen hatte. Als Alternative bot sich jedoch die Jagd auf Mähnenschaf an. Am anderen Morgen – der letzte Jagdtag war angebrochen – ging es per Auto rund 300 Kilometer nach Süden in die Region Sevilla und etwa 60 Kilometer landeinwärts. Hier hatte vor Jahren eine belgische Familie eine 1.700 Hektar große Finca mit einem wunderschönen Jagdschloss erworben.

Nach anstrengender Pirsch hatte dann auch Wolfgang Jagdglück auf seinen gewünschten Mähnenwidder. Abgerundet wurde dieser erfolgreiche Jagdtag durch ein köstliches Mittagsmahl im Jagdhaus mit den Eigentümern der Besitzung.

Als letzter hatte Reinhard Erfolg auf seinen Steinbock, sodass wir abends bei einer gigantischen Paella als Abschiedsessen feststellen konnten, dass wir mit acht Jägern eine 100 prozentige Erfolgsquote zu vermelden hatten. Ein stolzes Ergebnis für Tomas, für Jens, aber auch uns selbst, und letztlich auch für JAGEN WELTWEIT. Rudolf Spenneberg „Nicht die Sierra Nevada, sondern das Beceite-Gebirge!“ Das war die letzte Meldung, die ich von meinem Vater einen Tag vor der Abreise nach Spanien erhielt. Mit großem Erstaunen stellten wir aber bereits 24 Stunden später fest, dass all unsere Zweifel und Ängste vom Engagement unseres Veranstalters und des deutsch-spanischen Outfitters in Luft aufgelöst und bereits am Flughafen in Barcelona beseitigt waren.

Nach mehrstündiger Fahrt kamen wir in ein zauberhaftes spanisches Dorf, das aus einigen wenigen Häusern und einer kleinen Pension bestand, die mit uns Gastjägern voll belegt war. In diesem familiären Ambiente verstanden sich die Jäger und die Einheimischen schnell und die Basis für wunderschöne Jagdtage war gelegt.

Am nächsten Morgen ging es ins Revier: Nach wenigen Kilometern hatten wir mit unserem spanischen Guide Tomas bereits Steingeißen mit Nachwuchs vor. Nach weiterem Abglasen bekamen wir die ersten schussbaren Steinböcke in Anblick. Wir pirschten hinter ihnen her und wurden nach kurzem, aber steilen Aufstieg schon bald mit dem Duft des Bergrosmarin und dem Anblick mehrerer Rudel belohnt. Nach kurzer Absprache mit unserem kompetenten Führer hatten wir uns für einen kapitalen Bock entschieden.

Wir pirschten das Rudel an und kamen nach einiger Zeit an den alten Bock auf Schussdistanz heran. Mein Vater konnte mit seiner 7×64 Steyr-Mannnlicher auf gute 250 Meter schießen, und der Bock lag nach kurzer Todesflucht!

Angespornt von Jagdfieber, Freude und Erleichterung brachen wir auf, um den Bock, der im Gegenhang verendet war, zu bergen. Wir waren überglücklich vom gerade Erlebten.

Am Abend erst kehrten wir in unser Landhotel zurück und stellten verwundert fest, dass Diana nur uns hold gewesen war und unsere deutschen Jagdfreunde an diesem Tag nicht zu Schuss gekommen waren. Am nächsten Morgen konnten wir in einem anderen, ebenso wildreichen Revier beobachten, wie ein Jäger der Gruppe im Gegenhang nach zweieinhalbstündigem Warten – ständig im Anschlag liegend – einen Steinbock erlegte. Nachmittags stand noch eine Nachsuche an, die einen langen Ab- und Aufstieg erforderte und schweißtreibend ihr erfolgreiches Ende fand.

Nach diesem schönen Erlebnis kehrten alle Jäger abends geschafft in die gemütliche Herberge ein und feierten bei feudalem Essen und der ein oder anderen Flasche Rotwein den gemeinschaftlichen Erfolg, der sich mittlerweile zu 100 Prozent eingestellt hatte. Nachdem am ersten Tag nur ein Bock gefallen war, lagen am zweiten Tag sage und schreibe weitere fünf starke Steinböcke auf der Strecke!

Am dritten Tag teilte sich die Jagdgesellschaft in zwei Hälften, wobei die eine erfolgreich auf Mähnenschaf jagte und somit der letzte Jäger zu seiner gewünschten Trophäe kam. Am fünften Tag stand fest, dass Vaters Bock nur knapp unter der Goldmedaillenklasse lag.

Der Abschied fiel schwer, als wir ohne Probleme pünktlich in Barcelona den Abflug gen Wien antreten mussten und unsere liebgewonnenen Jagdfreunde abfliegen sahen.