„CITES ist kein Kuschelabkommen“

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Kurzinterview mit Dietrich Jelden, ehemaliger Leiter der Cites-Vollzugsbehörde in Deutschland und Experte beim Internationalen Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC):

  1. Heute beginnt die 18. Vertragsstaatenkonferenz der Washingtoner Artenschutzübereinkunft (CITES) in Genf. Was sind die wichtigsten Themen aus Sicht der Auslandsjagd?

Das sind Anträge zur Unterschutzstellung der Giraffe sowie zur Lockerung des Schutzstatus einiger jagdlich relevanten Arten durch Herabstufung von CITES Anhang I nach Anhang II. Das trifft beispielsweise für die Population des Markhor von Tadschikistan oder das Breitmaulnashorn von Namibia zu.

Dietrich Jelden bei der nachhaltigen Nutzung seines Fischwassers (Foto: D. Jelden)

Weitere aus jagdlicher Sicht relevante Diskussionspapiere beschäftigen sich mit dem Quotenmanagement für Leoparden in Afrika oder mit der Verbesserung des allgemeinen Managements des afrikanischen Löwen. Südafrika beantragt darüber hinaus eine flexiblere Handhabung der jährlichen Festlegung von Jagdquoten für seine Population des Spitzmaulnashorns. Von der Mongolei und den USA liegt ein Antrag zur Hochstufung der Saigaantilope nach Anhang I vor, der bereits im Vorfeld seitens der Weltnaturschutzunion kritisch analysiert und in Frage gestellt wurde.

  1. Wie sehen Sie den Antrag Sambias auf Zulassung der Elefantenjagd?

Sambia beantragt in Genf nächste Woche, dass seine Population des Afrikanischen Elefanten von Anhang I nach Anhang II herabgestuft wird, allerdings mit folgenden Einschränkungen:

  1. Kommerzieller Handel mit registriertem Rohelfenbein, allerdings nur mit verlässlichen Handelspartnern, die das importierte Elfenbein nicht wieder ausführen werden.
  2. Ausfuhr von Jagdtrophäen für nichtkommerzielle Zwecke.
  3. Handel mit Häuten und Ledererzeugnissen.

Sambia hat ein ordentliches Management seiner Elefantenpopulation, die Zahl der Tiere wächst und ist nicht gefährdet. Deshalb befürwortet der Internationale Jagdrat CIC den Antrag auf Zulassung der Elefantenjagd. Die Einnahmen aus der Vergabe von Abschusslizenzen, die pro Tier mehr als 50.000 Euro kosten können, kämen der einheimischen Bevölkerung zu Gute. Die Regierung würde mit dem Geld zum Beispiel Bildungseinrichtungen und Sanitärversorgung der ortsansässigen Bevölkerung verbessern.

Man muss den Jagdskeptikern erklären, was Sambia vorhat: diese Elefanten sollen gezielt geschossen werden, auch um Schaden von der einheimischen Bevölkerung abzuhalten. Wenn der Bestand vor Ort von heimischen Jägern reguliert würde, brächte das kein Geld in die Staatskasse. Jede Einkommensquelle, die in Einklang steht mit einem nachhaltigen Wildschutz, ist extrem wichtig.

  1. Wie beurteilen Sie als Experte des CIC eine Zulassung des Handels mit Elfenbein?

Wir sind zum jetzigen Zeitpunkt gegen den Elfenbeinverkauf. Dafür bräuchte man erst ein klares System, wie der Handel stattfinden und reguliert werden soll. Dazu gehört unabdingbar eine technisch bereits mögliche Abklärung, wie alt jedes zum Verkauf kommende Stück Elfenbein ist und woher es genau stammt. So lange diese Prüfungen nicht international als anerkannter Standard angewendet werden, darf es keinen Elfenbeinhandel geben.

Möglich wäre aber zum Beispiel bereits heute, dass reiche Länder den afrikanischen Ländern die Elfenbeinvorräte für nichtkommerzielle Zwecke abkaufen und sie dann einlagern oder vernichten, und dass diese Länder dann auch vertraglich verpflichtet werden, den erzielten Erlös für Schutzmaßnahmen oder zum Wohl der einheimischen Bevölkerung auszugeben. Das könnte ein Forum wie die Weltbank oder eine neu einzurichtende internationale Einrichtung unter dem Dach der Vereinten Nationen überwachen. Möglich wäre es dann auch, dass das Elfenbein in den aufkaufenden Ländern verwendet wird, für eine klassische Nutzung wie etwa für Kunstgegenstände, Besteck, Schachfiguren oder Klaviertasten.

  1. Einige CITES-Vertragsparteien, unterstützt von Aktivisten-Vereinen, wollen CITES in Richtung Totalschutz wildlebender Tiere umgestalten. Was sagt der Fachmann dazu?

CITES ist kein Kuschelabkommen, um Tiere weltweit unter Totalschutz zu stellen. Es ist ein Übereinkommen, dass neben dem Schutz auch die nachhaltige Nutzung wildlebender Arten gewährleisten soll.

Das Interview führte Dr. Rolf D. Baldus