DARZ BOR – von der Oder bis Rominten

1956

Polen, unser unmittelbarer Jagdnachbar im Osten, zählt seit mehr als 30 Jahren zu den beliebtesten Jagdländern für westeuropäische Jäger. Seit 1996 jagt man nun auch in Polen nach einem neuen Jagdgesetz

Von Hans-Joachim Steinbach
Wie man bei uns „Waidmannsheil” wünscht, so sagt man in Polen „Darz Bor“. Polen gehört zu den klassischen Jagdländern für die Jäger aus dem deutschsprachigen Raum, erst recht nach dem Fall der innerdeutschen Grenzen. Polen ist näher gerückt, und die Schikanen beim Transit durch die DDR sind nur noch Vergangenheit.

Mit rund 312 000 Quadratkilometer Landesfläche ist Polen nur etwa 15 Prozent kleiner als Deutschland. Die Vielgestaltigkeit und die weitgehend erhaltengebliebene Ursprüglichkeit der Landschaft bieten zahlreichem Wild optimale Lebensräume.

Der größte Teil des Landes ist Flachland, 71 Prozent des Territoriums liegen unter 200 Meter Seehöhe, 26 Prozent sind zwischen 200 bis 500 Meter hoch. Nur drei Prozent der Landesfläche sind Gebirge. Mit über 36 Prozent an der Gesamtfläche sind weite Landesteile bewaldet.

Im Norden prägt das Land, von der Odermündung bei Szczecin (Stettin) bis zur Frischen Nehrung in der Danziger Bucht, eine über 500 Kilometer lange Küstenlandschaft an der Ostsee. Durch die Eiszeit geprägt sind die Pommersche und Masurische Seenplatte mit den davor liegenden Hügelketten der Endmoränen.

Die Mitte des Landes wird durch das großpolnische und masowische Tiefland gebildet, eine flache, ausgedehnte, fruchtbare Ackerebene. Vor den Gebirgsketten der Sudeten liegen die mittelschlesische Ackerebene und das schlesische Hochland.

Auf das kleinpolnische Hochland folgen die Gebirgsketten der Karpaten.

Verwaltungsmäßig war Polen in 49 Wojewodschaften mit 2 121 Gemeinden gegliedert (bis 31.12.1998). Nach einer umfassenden Verwaltungsreform entstanden zu Beginn dieses Jahres 16 neue Wojewodschaften, und zwar in der Größenordnung von Bundesländern wie Schleswig-Holstein oder Thüringen. Die Wojewodschaften sind untergliedert in Landkreise, die Kreise in Gemeinden.

Bei der polnischen Regionalreform finden auch wieder traditionelle, jahrhundertealte Namen Verwendung. So entstanden beispielsweise neu die Wojewodschaften Pommern, Westpommern, Niederschlesien, Schlesien oder Ermland-Masuren.

Viel Platz für die Natur

Von Pommern bis nach Rominten erstreckt sich entlang der Ostseeküste der baltische Höhenrücken mit seinen Tiefländern und den pommerschen, großpolnischen und masurischen Seenplatten.

Nahe der deutsch-polnischen Grenze, an Oder und Neiße, liegen das sogenannte Pommern-Odergebiet und das großpolnische Tiefland. Die leicht hügelige Landschaft wird von zahlreichen Seen und Sumpfgebieten sowie großen Waldgebieten, wie der Bory Tucholskie (Tucheler Heide), eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Polens oder des Urwaldes des Notec-Gebietes geprägt. Alle europäischen Wildarten sind hier vertreten.

Das Rotwild ist so stark verbreitet, dass die Polen das Gebiet auch „das Rothirsch-Gebiet“ nennen. Darüber hinaus gibt es hier starke Damwildbestände und natürlich Schwarz- und Rehwild; selbst der Elch ist bis in den Raum um Gdansk (Danzig) vorgedrungen. In diesem Gebiet wurde im Jahre 1982 im Raum Zielona Gora (Grünberg)der bis heute stärkste Bock Polens erlegt (201,48 CIC-Punkte).

Im Nordosten Polens liegen die sogenannten Urwaldgebiete, die Wildnis von Bialowieza, Augustow, die Puszcza Borecka (Borker Heide), die Puszcza Romincka (Romintener Heide) und die Wildnis von Knyszynska.

Die Landschaft ist von zahlreichen Seen und unzugänglichen Überschwemmungsgebieten gekennzeichnet. Hier ziehen auch Elch, Wisent, Wolf und Luchs ihre Fährten und Spuren. An geschützten Wildarten gibt es Auer- und Birkwild und zahlreiche Biber. 1978 wurde in Zedna, in der Knyszynskaer Wildnis, der stärkste Rothirsch Polens erlegt (252 CIC-Punkte).

Traumhaftes Masuren

Eine besondere Region ist das bei den Deutschen wie auch bei den Polen beliebte traumhafte Masuren. In dieser einzigartigen Landschaft hat die Natur noch ihren Platz; hier ist die Heimstatt von Wisent und Elch, kapitalen Rothirschen und urigen Keilern und starken Böcken. Melodisch erklingt der Ruf der Kraniche, überall hört man das Klappern der als Glücksbringer beliebten Weißstörche. Zahlreich ist allerlei Wasserwild vom Singschwan bis zum Kormoran.

In der nordöstlichsten Ecke dieses Gebietes liegt das einst berühmte, erst kaiserlich dann speziell durch Göring bejagte, wegen seiner starken Hirsche bekannte Jagdgebiet „Rominter Heide“.

Ostpolen wird geprägt durch das östlich der Weichsel liegende Masowische Tiefland, ein ausgesprochen flaches, örtlich leicht welliges Gebiet. In dieser Region liegt der „Kampinoski-Nationalpark“ (Polens größter Nationalpark), westlich der Weichsel, nahe der Hauptstadt Warschau. Nur das Swientokrzyskie Gebirge überragt die flache Landschaft.

Zu den die Region jagdlich prägenden Wildarten zählen Hase, Rebhuhn und Rehwild. Aber es gibt auch hier Vorkommen von Rot- und Schwarzwild und im östlichen Teil auch reichlich Elche. In der Gegend von Janow Lubelski gibt es ein größeres Vorkommen von Auerwild, und Birkwild ist örtlich recht zahlreich, wobei aber auch hier die Besätze sinken.

Hasen und Hühner

Mittelwestpolen kennzeichnet die Schlesisch-Posener Landschaft, das Großpolnische Tiefland, eine flache, wenig abwechslungsreiche, agrarisch genutzte Ebene. Es ist das am wenigsten bewaldete Gebiet Polens, aber reich an Niederwild. Die schlesischen Hasen- und Hühnerjagden waren schon früher beliebt und streckenreich. Noch heute gibt es gute Hasenstrecken, und für den Lebendwildexport werden auch Hasen gefangen.

Oberschlesien ist etwas mehr bewaldet, dafür liegt aber hier das industrielle Herz Polens mit seinen negativen Folgen für die Belastung der Natur und Umwelt. Es gibt auch in diesen Gebieten Rotwild und anderes Hochwild, die typische Schalenwildart ist aber das Feldreh.

Die kleinste territoriale Einheit sind die polnischen Gebirge. Dabei gibt es einen östlichen Teil, die Ausläufer der Karpaten mit der polnischen Tatra, den höchsten Bergen Polens. Davor liegen die Beskiden, ein fast vollständig bewaldetes, hohes Mittelgebirge. Hier gibt es die Gams (fällt nicht unter das Jagdrecht), vereinzelt auch Bär, Luchs, Wildkatze und Wisent. Die westliche Bergkette umfasst das Gebiet der Sudeten mit Riesen- und Eulengebirge. Die Nadelwälder dieser Region sind durch die Luftschadstoffe aus den tschechischen Braunkohlegruben und Chemiewerken total zerstört.

In den niederschlesischen Hochländern gibt es die größten Muffelwildbestände Polens. Vor zirka 100 Jahren wurden hier die ersten Einbürgerungen von Muffelwild in Deutschland vorgenommen.

Urige Stiere

Das Überleben des vor rund 80 Jahren unmittelbar vom Aussterben bedrohten Wisents verdankt die Menschheit in großem Maße den Polen. Am 21. Februar 1919 wurde der letzte freilebende Wisent im Urwald von Bialowieza gewildert. Nur 66 Wisente lebten 1924 noch in Tierparks und zoologischen Gärten auf unserer Erde. In Polen sind nach langwierigen und langjährigen Zuchtperioden wieder stabile Herden in verschiedenen Regionen (hauptsächlich im Urwald von Bialowieza) in die freie Wildbahn zurückgekehrt und können bejagt werden. Zwei weitere, größere stabile Herden gibt es in der Borker Heide, östlich der großen Masurischen Seen und im Bieszczady-Gebirge (Karpaten).

Der europäische Elch besiedelt heute fast ganz Polen und wechselt von dort sporadisch auch über Oder und Neiße bis in die Lausitz oder in das Oderbruch. Besonders im letzten Viertel unseres Jahrhunderts hat sich das Elchwild ausgebreitet und der Bestand beträgt zirka 5 000 Stück.

Die Hauptvorkommen des Elches liegen in Nordostpolen mit seinen undurchdringlichen Sumpfwäldern.

Im Raum Bialystok, im Gebiet der Biebrza-Sümpfe unterstützen insgesamt 29 Pächtergemeinschaften die Wildforschung am Elchwild auf fast 200 000 Hektar Fläche. In dieser Region zählte man in den Wintereinständen die ungeheure Wilddichte von 160 bis 190 Elchen je 10 000 Hektar Wald.

Polen gehört zu den rotwildreichsten Ländern der Erde. Es gibt kaum einen Landesteil wo Rotwild fehlt. So sind die Rotwildgebiete untereinander gut vernetzt und die jahrhundertealten Wechsel intakt. Durch die naturnahen Wälder mit hohem Äsungsanteil kann man sich eine Bestandesdichte von 2,5 bis 4,5 Stück Rotwild je 100 Hektar Wald leisten. Man rechnet mit einer Trophäenstärke von drei Medaillen-Hirschen je 10 000 Hektar Wald.

Es gibt noch heute sehr gute Rotwildbestände in Masuren, der Johannisburger und Tucheler Heide.

Die Rehwilddichte ist in Polen nicht so hoch wie in Deutschland. Die Polen schätzen selbst ein, dass das Rehwild sehr extensiv bejagt und nicht optimal jagdlich genutzt wird. In den Niederwildgebieten gab es langjährige Untersuchungen zu den Besonderheiten der sogenannten Feldrehe. Dabei stellte man erhebliche Unterschiede in der Lebensweise, bei den Anpassungsmerkmalen und in der Morphologie fest.

Neben Deutschland ist Polen das schwarzwildreichste Land Europas. Das Anwachsen der Schwarzwildbestände in den letzten Jahren wird auch in Polen auf die günstigen Lebensbedingungen in den großen Schlägen der Feldflur zurückgeführt. So leben die Sauen im Sommer überwiegend in den Raps-, Getreide- und Maisschlägen der offenen Feldflur, wo sie Deckung und Fraß finden und vor menschlichen Störungen geschützt sind.

Bei Magen-Darm-Untersuchungen hat man festgestellt, dass 94 Prozentanteile der Sauennahrung Kulturpflanzen waren, überwiegend Mais, Getreide und Hackfrüchte. Der Anteil tierischer Nahrung betrug nur drei Prozent, er war dagegen bei Waldsauen wesentlich höher.

Polen galt früher unter den Jägern als Niederwild-Dorado. Der Feldhase brachte so große Strecken, dass noch vor dreißig Jahren die Hälfte des Wildbretertrages Feldhasen waren. Der Rückgang der Feldhasenbesätze und Jagdstrecken ist auch in Polen zu verzeichnen. Dabei fällt auf, dass die Zuwachsraten sehr gering sind. Es wurden dazu in den letzten Jahren mehr Hasen geschossen, als der Zuwachs betrug, was zusätzlich zur Besatzsenkung führte.

Die größten Verluste aber gibt es außerhalb der Jagdsaison, wobei die Junghasensterblichkeit wohl auch in Polen auf verschiedene Wildkrankheiten zurückzuführen ist. Rebhühner sind traditionelles Jagdwild in den polnischen Feldfluren.

Dabei ist der Besatz stark schwankend und wesentlich abhängig von dem Witterungsverlauf in den Wintern. In strengen, schneereichen Wintern sind die Verluste außerordentlich hoch und betragen bis zu 95 Prozent. Gute Rebhuhnjagden sind heute sehr selten.

Fasanen werden künstlich in die Landschaft eingebracht, und die örtlich vorhandenen Naturbesätze müssen jährlich gestützt werden, weil die Verluste aus den Naturbruten sehr hoch sind.

Wie auch in anderen Kulturlandschaften sind die Bedrohungen für die Waldhühner außerordentlich hoch, und sie werden nicht mehr jagdlich genutzt. So sank der Auerwildbestand in den Jahren 1969 bis 1985 von 1500 auf 500 Exemplare und beim Birkwild von 40 000 auf 9 000 Stück.

Viel besser ist die Situation beim Haselwild, das in guten Besätzen im Swietokrzyskie-Gebirge, in den Karpaten und in den Urwäldern Nordostpolens vorkommt.

Jagd und Hege

Das Grundanliegen der polnischen Jagdwirtschaft besteht in der Erhaltung großer zusammenhängender Reviere, die die Gewährleistung der Hege und Bewirtschaftung der Wildbestände am besten sichern.

Dabei sollen die Jägergemeinschaften in Form von selbstverwaltenden Gesellschaften, die viele Jahre lang in ein und demselben Revier wirtschaften, die Hege und Jagd des Wildes am besten gewährleisten. Diese selbstverwaltenden Gesellschaften oder Jagdclubs sind auch die Grundstrukturen für die Jagdausübung nach dem neuen Jagdgesetz von 1996.

Das Jagdrecht wurde auch in Polen wieder an das Eigentum von Grund und Boden gebunden. So entstanden auch erstmals Eigenjagdbezirke, auf denen (relativ unabhängig von deren Größe) die Eigentümer selbst jagen dürfen (wenn sie Jäger sind). Eigenjagdbesitzer müssen auch nicht unbedingt Mitglied im Jagdverband sein. Aber da das nur eine ganz geringe Zahl an Gebieten ist, besteht die Regel der Jagdausübung in der Form der Mitgliedschaft in Jagdgesellschaften, die sich Reviere anpachten. Die Jagdclubs haben mindestens 50 Mitglieder. Dabei sind Jagd- und Forstwirtschaft voneinander getrennt.

Die Förster jagen nicht wie in Deutschland auf dem Gebiet der staatlichen Wälder. Es gibt nur einzelne staatlich verwaltete Jagdgebiete, die überwiegende Mehrzahl der staatlichen Wälder ist verpachtet (80%), und die Förster müssen ebenso Mitglied im Jagdclub sein, um dort zu jagen.

Eine Jägerprüfung ist Pflicht. Der Ausbildungskurs dauert etwa drei Jahre und schließt mit einer praktisch-theoretischen und einer Schießprüfung ab. Jungjäger dürfen nach erfolgreich bestandener Prüfung ein Jahr lang nur mit der Flinte jagen. Dann muß eine spezielle Prüfung für die Jagdbüchse abgelegt werden. Erst dann kann man eine Jagdbüchse kaufen, aber immer noch keine Trophäenträger jagen. Erst nach drei Jahren Praxis darf auf Trophäenträger gejagt werden. Auf alles Schalenwild darf nur mit Büchsen ab 2000 Joule Trefferenergie auf 100 Meter gejagt werden.

Alle Jagdclubs sind in Regionalverbänden des polnischen Jagdverbandes organisiert. Dabei ist die Mitgliedschaft Pflicht. Es handelt sich sozusagen um eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die der staatlichen Kontrolle unterliegt. Die Jagdclubs sind auf der Grundlage eines einheitlichen Musterstatuts organisiert.

In der Regel kann jeder interessierte Pole Mitglied werden, der eine Jägerprüfung absolviert hat und vom Jagdclub aufgenommen wird.

Die Mitgliedschaft berechtigt zur Jagdausübung auf Nieder- und Raubwild und Teilnahme an Gesellschaftsjagden. Für Hochwild muß man im Jagdclub eine spezielle Abschusslizenz auf der Grundlage eines staatlich bestätigten Abschussplanes erwerben.

Das Wildbret gehört dem Jagdclub und wird von diesem selbst verkauft. Eine Vermarktung in Form von fertig portionierten oder in Wurst und Schinken verarbeitetem Wildbret ist aber nicht möglich. Dafür benötigt man eine staatliche Genehmigung, die den Jagdclubs nicht erteilt wird. So verdienen am Wildbrethandel nur die Wildhändler oder staatliche Betriebe.

Der Wildbreterlös ist für die Jagdclubs eine entscheidende Einnahmequelle zur Abdeckung der Kosten von Jagdpacht und Wildschadensersatz. In Folge stark sinkender Wildbretpreise sind die Einnahmen aber unbefriedigend.

Neben dem Wildbretertrag ist der Jagdtourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen der Jagdgesellschaft, um ihre finanziellen Verpflichtungen zu realisieren. Der große Unsicherheitsfaktor ist dabei der Wildschadensersatz. Ersatz muß für Wildschäden im Feld an die Grundeigentümer gezahlt werden. Das kann, wie bei uns, erheblich sein.

Auf der anderen Seite werden Waldwildschäden nicht berechnet. In Polen geht man davon aus, dass das Wild zum Wald gehört. Der Wald ist der natürliche Lebensraum von Hirsch, Reh oder Wildsau, und dort müssen sie auch „essen“ dürfen.

Einheitliche Planung

Für alles Schalenwild stellt der zuständige staatliche Forstbetrieb die Abschussplanung auf. Für jedes Stück Schalenwild vergibt man dabei Lizenzen. Diese Lizenz ist die Grundlage für den Abschuss.

Ob polnischer Jäger, Förster oder ausländischer Jagdgast, jeder jagt nach dieser Lizenz. Die Jagdreisevermittler in Deutschland oder die staatlich bestätigten Jagdveranstalter in Polen erwerben von den Jagdclubs oder den staatlichen Jagdbetrieben die entsprechenden Abschusslizenzen.

Nur staatlich registrierte Jagdveranstalter sind auch bei den Auslandsvertretungen registriert und nur für Verträge mit diesen Jagdveranstaltern werden die Einfuhrgenehmigungen für Jagdwaffen erteilt.

Es ist nicht zulässig, dass ein polnischer Jäger also einem Jagdgast seine Jagdwaffe leiht. Alles erlegte Wild und alle erbeuteten Trophäen werden mit einer amtlichen Plombe versehen. Diese enthält die Angaben über den Erlegungstag und das Jagdrevier sowie die erteilte Lizenz.

Nur mit diesem ”Ausweis“ können Trophäen aus Polen ausgeführt werden. Man hat damit ein Instrument zur staatlichen Kontrolle, aber auch zur Einschränkung illegaler Jagdpraktiken und Wilderei geschaffen.

Rote Punkte

Jede Trophäe unterliegt neben der Wägung als Grundlage für den Abschusspreis einer amtlichen Kontrolle und Bewertung durch das zuständige Forstamt. Dabei ist die Trophäe auch der Maßstab für die Beurteilung der Jagdführer. Für falsch erlegte Trophäenträger erhält der Jagdführer „rote Punkte“.

Auf Grund dieser roten Punkte kann er für eine Jagdsaison oder länger für die Führung ausländischer Jagdgäste gesperrt werden.

Ist der Bock oder Hirsch zu jung geschossen oder entspricht nicht den Selektionskriterien, dann tritt die Strafmaßnahme ein. Damit wird nun auch der ausländische Jagdgast konfrontiert. Diese Regelung greift erst sehr langsam, sie soll aber verhindern, dass gute Hirsche oder Böcke zu jung geschossen werden.

Die Polen und die Jagdvermittler wollten in den zurückliegenden Jahren gute Kasse machen, und so wurden in den letzten Jahren viele Fehler in der Bewirtschaftung der Wildbestände gemacht.

Es wird einige Jahre dauern, bis wieder die Altersstrukturen stimmen und alte Hirsche herangereift sind.

Auch die polnischen Jagdclubmitglieder müssen alle Trophäen auf einer Pflichttrophäenschau vorlegen. Wer dieser Pflicht nicht nachkommt wird automatisch für weitere Trophäenträger gesperrt.

Neue Jagdzeiten

Auf der Grundlage des neuen Jagdgesetzes wurden auch neue Jagd- und Schonzeiten festgelegt. Dabei wurden nur die Wildarten berücksichtigt, die auch heute noch in ausreichenden Beständen und Besätzen vorkommen.

Andere Wildarten wurden unter Schutz gestellt und fallen nicht mehr unter das Jagdrecht. Das jagdbare Wild wird in zwei grundlegenden Gruppen: starkes oder Hochwild und anderes Wild eingeteilt.

In die erste Gruppe, für die es besondere Lizenzen nach besonderer Qualifikation gibt, gehören: Elchwild, Rotwild, Sikawild, Damwild, Rehwild, Schwarzwild, Muffelwild und Wölfe.

Bei der Festlegung der Jagdzeiten wurden die jeweiligen Wochenenden vor und nach der Jagdzeit mit einbezogen, so dass dem Anliegen der Jäger Rechnung getragen wird, den Bock schon am Samstag, den 9. Mai bejagen zu können, wenn er erst ab 11. Mai Jagdzeit hat. Andererseits wird die Jagdzeit bis zum Sonntag nach dem offiziellen Jagdzeitende ebenso verlängert (siehe Tabelle).

Die polnischen Jäger sind durchweg gut ausgebildete, praktisch hoch qualifizierte Jäger. Der Jagdgast wird meist von den besten Jägern des Reviers geführt. Es hat Ausnahmen in staatlichen Forstrevieren gegeben, wo praktisch auch jeder Förster Jagdführer ist.

Da kann es vorkommen, dass auch weniger passionierte Führer und Jäger zum Einsatz kommen, besonders wenn größere Gruppen in einem Revier sind.

Die Reviere für die Auslandsjagd sind in der Regel mit guten und zahlreichen jagdlichen Einrichtungen ausgestattet. Aber es gibt auch viele baufällige und höchst gefährliche Ansitzeinrichtungen. Man sollte direkt und bestimmt das Besteigen solcher Ansitze verweigern. Trotzdem überwiegt die Neigung zur Pirsch. Aber auch hier gilt: „Wer viel sitzt, schießt viel – wer viel pirscht, sieht viel.“

Eine Unsitte ist das „Pirschfahren“ mit dem Auto. Das sollte man dem Jagdführer schnell abgewöhnen. Die polnischen Jagdführer sind aus finanziellen Gründen bemüht, viele Kilometer mit dem eigenen Kraftfahrzeug zu fahren. Das ist eine wesentliche Einnahmequelle (1,50 Mark je Kilometer).

Da kommen nicht selten 400 bis 500 Mark pro Jagdwoche zusammen. Andererseits sollte man nicht mit dem eigenem Jagdwagen fahren. Der muß oft im Gelände abgestellt werden; Diebstahl oder zertrümmerte Scheiben und ausgeraubte Fahrzeuge wären dann die Folge. Am besten man handelt hier schon vor Jagdbeginn eine Pauschalsumme mit seinem Jagdführer aus. Romantisch ist dagegen das „Pirschfahren mit dem Pferdefuhrwerk“.

Die Unterkünfte haben durchweg gutes Niveau mit ordentlichen Zimmern, Bädern oder Dusche; Einzelzimmer sind kein Problem (kosten aber 25 Mark Aufschlag). Die Verpflegung ist sehr gut, das Essen sehr reichhaltig.

Land und Leute

Die Polen sind meist sehr gastfreundlich, und Dolmetscher und Jagdführer sind gern bereit, dem Jagdgast auch mit dem eigenen PKW die Sehenswürdigkeiten des Landes oder die historischen Stätten aus der deutschen Geschichte zu zeigen.
In der Hauptstadt Warschau gibt es ein polnisches „Museum des Jagdwesens und des Reitens“. Die alten Räume des Warschauer Königlichen Lazienki-Park geben der Ausstellung einen stimmungsvollen Rahmen.

Zwischen Frankfurt /Oder und Poznan (Posen) findet der aufmerksame Fahrer ein Hinweisschild auf ein interessantes Museum des Großpolnischen Jagdverbandes. Es liegt nur zwei Kilometer abseits der Hauptstraße in Uzarewo. Man kann sich auch in deutscher Sprache durch die Ausstellung führen lassen.

Polen bietet auch weiterhin die Gewähr für eine arten- und zahlenmäßig reiche Wildbahn, die für jeden Jäger spannendes und ursprüngliches Waidwerk bietet. Darz Bor!

Hansgeorg Arndt

 

Hansgeorg Arndt

Tabellen:
Jagd- und Schonzeiten
Foto: PPZV

Hansgeorg Arndt

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