Für Wald und Dickbusch

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Eine Doppelbüchse im Kaliber .444 Marlin – Doppelbüchsen sind in der Regel als schwere Großwild-Büchsen oder als elegante, leichte Drückjagdwaffen für die heimischen Wildarten ausgelegt. Johannsen baut aber Gewehre in Kalibern, die die nötige Stoppwirkung auch im dichten Busch haben.

Doppelbüchse der Firma Johannsen im Kaliber .444 Marlin.
Doppelbüchse der Firma Johannsen im Kaliber .444 Marlin.
 
Von der Balance her ist die Johannsen Doppelbüchse mit 2.470 Gramm für Laufbündel und Vorderschaft und 1 760 Gramm für den Hinterschaft mit Systemkasten etwas vorderlastig, was sich aber beim Testschießen als durchaus angenehm zeigte, denn der Hochschlag fällt durch das schwere Laufbündel nicht so stark aus, wie eigentlich zu erwarten wäre. Das Laufbündel ist auf herkömmliche Art mit Stegen und Reifen zusammengelegt und fest verlötet. Die Treffpunktlage der Läufe wird durch einen Laufkeil reguliert.
Ferlacher Kasten
Der mit 36 Millimetern erstaunlich schmale Systemkasten stammt, wie auch das Laufbündel, aus Ferlacher Produktion. Johannsen bezieht sie als Rohteile zur Herstellung seiner Doppelbüchsen. Bei der Technik bleibt man in den klassischen Bahnen. Die Verriegelung besteht aus sehr kräftigen doppelten Laufhaken und einem zusätzlichen Greener-Querriegel.
 
Dieser Verschluss ist keinesfalls überdimensioniert, denn die .444 Marlin entwickelt eine nicht gerade geringe Stoßbodenbelastung. Der vorliegende Verschluss wird damit aber problemlos fertig, zumal die Passung vorbildlich ausgeführt ist. Das Schlosswerk besteht aus Anson-Schlossen, durch die langen Seitenplatten aber entsteht optisch der Eindruck einer Seitenschloss-Doppelbüchse.
 
Das Abzugsystem ist als Doppelabzug ausgeführt, wobei der vordere Abzug einen überflüssigen Rückstecher hat. Mit Abzugsgewichten von 2,1 und 2,2 Kilogramm sind die sehr trocken stehenden Abzüge gut eingestellt und erlauben ein schnelles, präzises Schießen.
 
Der Sicherungsschieber ist wie gewohnt auf der verlängerten Scheibe platziert und blockiert im gesicherten Zustand die Abzüge. Der zierliche Schieber lässt sich leicht und lautlos bedienen, ohne dabei zu leicht zu stehen. Auch Ejektoren sind bei diesem edlen Stück vorhanden und zwar nach Art Holland & Holland. Alle Teile dieser Schlagfederejektoren sind im Eisenvorderschaft untergebracht und werden über Spannhebel gesteuert. Dieses System ist für seine Zuverlässigkeit bekannt.
 
In die abgesetzte, 25 Zentimeter lange und 11 Millimeter breite Visierschiene ist eine skelettierte Fluchtkimme in Schmetterlingsform von Recknagel eingeschoben, die besten Überblick erlaubt und kaum etwas vom Ziel verdeckt. Der rote Kunststoffstab in der Mitte sorgt für schnelle Zielaufnahme und guten Kontrast auch bei schwindendem Licht. Das rote Kunststoffkorn sitzt auf einem flachen Kornsattel und entwickelt eine sehr hohe Leuchtkraft. Ein Kornschutz fehlt hier aber, der bei diesem recht zerbrechlich wirkenden Korn sicher angebracht wäre.
Der Schaft
Für den Schaft wurde ein ausgesuchtes Nussbaumholz verwendet, das eine sehr schöne und lebhafte Maserung zeigt. Der Hinterschaft mit geradem Rücken und bayerischer Backe mit kantiger Doppelfalz ist für den Schuss über die offene Visierung geschäftet. Es handelt sich hier um einen Maßschaft im Kundenauftrag, der eine sehr starke Schränkung aufweist.
 
Abgeschlossen wird der Schaft mit einer schmalen Gummischaft-Kappe der Firma WEGU. Diese Kappe ist aber zu weich und gleitet nicht gut beim schnellen Anschlag. Mit einem Abschluss aus Leder wäre man hier besser gefahren.
 
Der Pistolengriff wird mit einem Stahlkäppchen abgeschlossen. Er ist mit sehr sauber geschnittener Fischhaut versehen, die sich auch am Vorderschaft findet. Für den Vorderschaft wurde ein gleichartiges, gut gemasertes Holz verwendet. Das ausgesuchte Schaftholz und die sorgfältige Oberflächenbehandlung runden das Bild der Waffe wohltuend ab.
 
Der Vorderschaft ist mit 25 Zentimetern genügend lang und fällt kräftig genug aus, um der Führhand optimalen Halt zu bieten. Er endet in einer formschönen Nase. Befestigt wird der Vorderschaft mit dem Patentschnäpper-System. Der vordere Riemenbügel ist an das Laufbündel gelötet und mit einem Mündungsabstand von 21,5 Zentimetern richtig positioniert.
Gravuren von Hendrik Frühauf
Die langen Seitenplatten bieten reichlich Platz für Gravuren und der wurde ausgiebig genutzt. Auf der rechten Seite sind drei ziehende Sauen in natürlicher Umgebung abgebildet, links zwei Wölfe, ebenfalls in einem sehr aufwändigen Landschaftsbild. Die Wölfe sind erstklassig, die Sauen wirken für meinen Geschmack etwas zu „friedlich“.
 
Der vordere Teil des Kastens, sowie die komplette Unterseite und der schwarz brünierte Abzugsbügel sind mit herrlichen Arabesken verziert. Eine sehr harmonische und gut ausgeführte Jagdgravur, für die Hendrik Frühauf verantwortlich zeichnet.
Auf dem Schießstand
Zur Verfügung standen Fabrikpatronen von Remington mit 15,5 Gramm schwerem Teilmantel-Flachkopfgeschoss. Damit ist die Waffe vom Hersteller reguliert worden. Da keine Zieloptik montiert ist, wurde auf 50 Meter Distanz geschossen. Für diese Waffe wohl die angemessene Entfernung. Geschossen wurde vom Sandsack: Drei Schusspaare aus jeweils kaltem Laufbündel lagen auf neun Zentimetern zusammen. Eine hervorragende Leistung, die mit Sicherheit auch noch Schützenstreuung enthält, denn das grobe Fluchtvisier ist für Präzisionsschüsse nicht optimal.
Resümee
Die Johannsen-Doppelbüchse sieht nicht nur hervorragend aus, sondern ist auch eine gute Gebrauchswaffe für die Walddrückjagd auf Sauen und die Jagd im dichten Busch auf Bär oder anderes Hochwild. Speziell bei Nachsuchen würde ich eine solche Waffe gern führen, die dann eine echte Lebensversicherung ist.
 
In der vorgestellten Ausführung mit Gravuren kostet die Johannsen-Doppelbüchse 12.000 Euro. In Anbetracht der handwerklichen Verarbeitung und der aufwändigen Gravur ein sicher angemessener Preis.

Doppelbüchse der Firma Johannsen im Kaliber .444 Marlin.
Tierstück-Gravur von Hendrik Frühauf auf blinder Seitenplatte.