Preiswert und zuverlässig

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Der kleine mittelfränkische Betrieb Waffen-Ramming fertigt Großwildrepetierer in .500 Jeffery, die praxisgerecht gestaltet sind. Kein Wunder, denn der Inhaber ist Berufsjäger und weiß, worauf es ankommt.

Ramming-Repetierer
Der Repetierer von Ramming mit starkem Schaft und doppelter Querbolzen-Verschraubung.
Erwin Ramming ist Inhaber eines Waffengeschäftes im unterfränkischen Markt Bibart. Der gelernte Berufsjäger hat auf zahlreichen Großwild-Jagden in Afrika Erfahrungen gesammelt, die er in seine Waffenentwicklungen einbringt. Gerade da mangelt es bei den meisten Büchsenmachern in Deutschland. Ihnen fehlt diese Erfahrung. So ist es kein Wunder, dass viele Großwildbüchsen eher für die Antilopenjagd geeignet sind, als für wehrhaftes, afrikanisches Wild.

Im Betrieb von Ramming entstand ein praxisgerechter Repetierer im Kaliber .500 Jeffery, der preislich im erschwinglichen Rahmen liegt. Eben ein „Arbeitspferd“ für die Jagd auf die wehrhaften afrikanischen Dickhäuter. Die Testwaffe hat bereits eine Elefanten- und Büffeljagd hinter sich. Aufgetretene Mängel wird man bei zukünftigen Waffen beseitigt haben.

Das System

Das Herz der Waffe basiert auf einem Standard-Mauser 98er-System (1909 Argentinien). Grundsätzlich bin ich gegen die Verwendung eines Standard-Mauser 98er System beim Kaliber .500 Jeffery anstelle des hier empfehlenswerten Magnum-Systems. Das vorliegende System wurde aber so überarbeitet, dass die Zuverlässigkeit gewährleistet bleibt.

Die originale Flügelsicherung des 98ers ist wohl die sicherste an konventionellen Repetierbüchsen. Sie kann sich praktisch nicht unbeabsichtigt entsichern. In Mittelstellung kann gefahrlos entladen werden. Liegt der 180-Grad-Schwenkflügel rechts, dann sind Kammer und Schlagstift blockiert.

Das Schlösschen schützt gut vor Nässe und Schmutz. Der lange Auszieher sorgt für kontrollierte Patronenzuführung und ist recht schmutzunempfindlich. Eine Lockerungskurve hilft mit im Patronenlager festsitzende Hülse zu lockern und auszuziehen. Gasfreiräume in der Kammer und Gasschild schützen den Schützen vor heißen Gasen bei Zündhütchen-Durchbläsern.

Die Auszieher-Kralle an der vorliegenden Büchse wurde so bearbeitet, dass sie auch in die Patronenrille einer von Hand ins Patronenlager geschobenen Patrone springt. Das ermöglicht schnelles Nachladen bei leergeschossenem Magazin. Von Nachteil ist der lange Schlagstiftweg, der eine hohe Zündverzugszeit (etwa 5 ms) bedingt. Das spielt bei einer Großwild-Büchse aber eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist da die hohe Schlagkraft für eine zuverlässige Patronen-Zündung.

An der rechten Hülsenbrücken-Seite wurde eine Platte mit Kugellagern angebracht. Ein Kugellager wurde zusätzlich noch im Hülsenboden eingelassen. Die harten Kugeln wirken auf den Auszieher und die Kammer. Sie sollen für verkantungsfreien, geschmeidigen Verschlussgang sorgen. Trotz dieser „Führungskugeln“ und sehr guter Verschlussbahnpolierung merkt man, dass die Kammer eine kräftige Hand erfordert. Sie läuft zwar gut, aber eben nicht butterweich. Der manuelle Auswerfer erfordert zudem ein Zurückziehen der Kammer bis zum Anschlag, um sicheren Hülsenauswurf aber auch korrekte Patronenzufuhr zu gewährleisten.

Am Schlosshalter wurde oben ein verlängertes Teil angeschweißt, das sich formschön über die Hülsenbrücke schwingt. Der Schlosshalter lässt sich dadurch sehr bequem bedienen. Der trocken stehende Flintenabzug stammt von Timney, wurde überarbeitet und erhielt ein neues Züngel. Er bricht bei niedrigen 1000 Gramm Widerstand: für sehr präzises Schießen ideal. Dank guter Abzugscharakteristik meint man ein viel niedrigeres Abzugsgewicht zu haben.

Steckmagazin

Die Innovation an der Waffe liegt vor allem in dem einreihigen, herausnehmbaren Stahlmagazin. Um dieses unterbringen zu können, wurde natürlich die Hülse geringfügig ausgefräst. Die Materialwegnahme wurde fast ausschließlich hinten vorgenommen, so dass die Zufuhrrampe im Hülsenkopf erhalten blieb.

Das schwere, einreihige Magazin besteht aus starken Stahlplatten, die mit Torx-Schrauben miteinander verbunden sind. Auf dem ebenfalls stählernen Zubringer wirken mehrere Schraubenfedern.

Natürlich würde bei herkömmlichen Verriegelungen solch ein Magazin bei dem starken Rückstoß leicht mal herausfallen. Deshalb hat man sich eine besonders aufwendige Verriegelung einfallen lassen. Ein stark federbelasteter „Öffnungshebel“, im Abzugsbügel verlaufend, verriegelt mit einer separaten Einheit im Abzugsbügel. Die Verriegelung kann nur über einen außen liegenden Druckknopf aufgehoben werden. Am Magazin selbst befindet sich eine starke Verriegelungsplatte mit Nase. Diese Einheit kommt in einer Aussparung der stählernen Bodenplatte (Magazinschacht) zum Liegen.

Der Entriegelungshebel kann leicht mit dem Abzugsfinger durch Vordrücken bedient werden. Das dann etwas hervorspringende Magazin lässt sich danach leicht entnehmen. Beim Einführen des Magazins ist der federbelastete Magazinhebel leicht anzuheben und beim Arretieren der daran befindliche Druckknopf zu drücken. Nach nur etwas Übung geht das sehr schnell. Der große Abzugsbügel wurde ansprechend geformt. Der ganz geringfügig nach hinten abgewinkelte Kammerstängel mit Kugel liegt viel zu eng am Schaft an.

In den Hülsenkopf ist ein 60 Zentimeter langer Jagdlauf von Lothar Walther geschraubt. Er misst an der Mündung noch 19,5 Millimeter im Durchmesser. Kimme, Korn und Riemenbügel sind mit Laufringen befestigt. Die Kimme in weiter Schmetterlingsform mit weißem Mittelstreifen sitzt im Schwalbenschwanz eines Sattels. Zwei Klemmschrauben sollen für sicheren Sitz sorgen. Das orangefarbene Leuchtkorn ist zwei Millimeter stark und wird auf dem Kornsattel nur von zwei Ringen gehalten. Der Riemenbügel am Laufring ist 21,5 Zentimeter von der Mündung entfernt, was bequemes Waffentragen erlaubt.

Der Schaft

Der massive Schaft wurde besonders stark dimensioniert, um Bruch vorzubeugen und auf das nötige Waffengewicht zu kommen. Der Waffenschwerpunkt liegt beim Hülsenkopf, was eine gute Balance im Anschlag ergibt. Der Hinterschaft mit geradem Rücken weist eine deutsche Backe mit Falz auf. Ideal ist der besonders kräftige und sehr langgezogene Pistolengriff mit Stahlkäppchen. Seine Form verhindert ein Handprellen. Der Schaft schließt nach schwarzer Zwischenlage mit 1,3 Zentimeter starker Old English Schaftkappe ab. Zu dünne Schaftkappen werden übrigens schnell durchschlagen.

Der Vorderschaft ist volumig und stark. Immerhin beträgt die Wandstärke im Systembereich runde 10 Millimeter. An Vorderschaft und Pistolengriff befindet sich eine sauber geschnittene Fischhaut.

Das System wurde im Schaft kunstharzgebettet. Es wurde eine Bettungsmasse verwendet, die mit Aluminiumpulver gemischt ist. Das ergibt ein besonders hartes, verschleißfreies „Lager“. Vor Schaftbruch sollen ferner die beiden Querbolzenverschraubungen im Hülsenbrücken- und -kopfbereich schützen. Der gut gemaserte Nussbaum-Schaft wurde glatt geschliffen und sehr gut matt geölt. Die Maserung im Pistolengriff- und Hülsenbereich verläuft längs.

Schussleistung

 Die 4,8 Kilogramm schwere und 112,5 Zentimeter lange Büchse liegt gut und ausgewogen im Anschlag. Für das starke Kaliber ist das Gewicht gerade richtig (empfohlen werden 5,0 Kilo). Dank des sehr guten Abzugs lässt sich die Waffe auch stehend freihändig sehr präzise schießen. Sie liegt fast so gut wie eine Matchbüchse im Anschlag. Trotz der starken Schaft-Dimensionen lässt sich die Büchse sicher und fest greifen. Ein Schaftbruch erscheint ausgeschlossen. Der Rückstoß lässt sich sehr gut verkraften. Der Hochschlag ist dank idealem Hinterschaft gering. Natürlich merkt man den Rückstoß deutlich. Bei 9.280 Joule Energie der Patrone kein Wunder.

Die Montage eines Zielfernrohrs wäre möglich. Der Kammerstängel liegt zu nahe am Schaft. Für schnelles Greifen muss er weiter abstehen. Der Schlossgang ist gut und geschmeidig. Von großem Vorteil ist die Lage der Patrone mittig in einer Linie zur Laufseelenachse. Sie wird störungsfrei gerade zugeführt und kann nicht verkanten oder leicht aus dem Magazin springen, wie dies oft bei Kastenmagazinen der Fall ist. Die Patronenzufuhr erfolgte reibungslos und störungsfrei. Selbst bei „über Kopf“ fiel keine Patrone beim Einrepetieren heraus. Zwar hat das Magazin nur drei Schuss, die Vorteile hinsichtlich hoher Zuverlässigkeit liegen auf der Hand.

Das Visier lässt zwar schnelles und ausreichend präzises Schießen zu. Beim Umstoßen im Jeep hatte sich die Kimme aber trotz Sicherungsschrauben leicht verschoben. Sie muss in Zukunft am Sattel festgeschraubt werden. Das Leuchtkorn ist bruchempfindlich. Zwar schützt es ein abnehmbarer Kornschutz, doch ein „Eisenvisier“ ist eben haltbarer. Es soll gegen ein Buntmetall hinterlegtes Stahlkorn mit zusätzlich aufklappbaren Dämmerungsperlkorn ersetzt werden. Ferner wird der weiße Mittelstrich auf der Kimme etwas verbreitert.

Die Schussleistung wurde auf 50 Meter ermittelt. Wegen der leicht verschobenen Kimme ergab sich leichter Linksschuss. Drei-Schuss-Bilder auf 50 Meter lagen einschließlich der Schützenfehler mit Romey-Patronen (535 Grains Woodleigh-Vollmantel und -teilmantel) bei runden vier Zentimeter Streuung. Voll- und Teilmantelpatronen schießen zusammen. Für 5.200 Euro erhält man einen zuverlässigen, präzise schießenden Großwild-Repetierer, der praxisgerecht konzipiert wurde und Afrika-erprobt ist.

Hülsenbrücke
In die Hülsenbrücke sind Kugellager eingearbeitet: Der Kammerstängel liegt zu nah am Schaft.


Bilder:

Die Patronen werden sicher zugeführt. Über offene Visierung: sehr gute Schuss-Leistung.

Tabellen:
Technik auf einen Blick
Kasten:
Vorteile & Nachteile
Fotos: Roland Zeitler