Berber-Sauen im Maghreb

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Einzige Vertreter der europäischen Wildschweine in Algerien, Marokko und Tunesien sind die Berber-Sauen, die im Wildbret zwar schwächer sind, aber in der Regel stärkere Waffen zeigen.

Von Joachim A. Wadsack

Kapitaler Berberkeiler
Die Waffen der Berbersauen können sich sehen lassen.
Marokko gehört wie Algerien und Tunesien zu den drei Maghreb-Ländern in denen Schwarzwild lebt. In Marokko und Tunesien wird das Schwarzwild bejagt, während seit 1993 in Algerien die Jagd wegen der politischen Unruhen ruht. Hier ist aber der Schwarzwildbestand aufgrund des Jagdverbotes am höchsten.
Die starken Waffen der Berberwildschweine Nordafrikas werden auf die guten Fraßbedingungen zurückgeführt und nicht, wie manche Autoren schreiben, auf die Einkreuzung mit Hausschweinen. Das ist in den Ländern des Maghreb, deren Einwohner in hohem Maße Moslems sind, auch eher unwahrscheinlich. Denn Schweinefleisch und Schweine gelten als unrein und der Verzehr als Todsünde.
So werden wohl die reichlich vorhandenen Knollengewächse in der Macchie, die reiche Beeren- und Eichelmast, die Getreidefelder und die Trauben Grund dafür sein, dass die Berberwildschweine ihre starken Waffen ausbilden können.
Sauen in Marokko
Das Königreich Marokko wird im Norden vom Mittelmeer begrenzt, im Westen vom Atlantik, im Osten und Süden von Algerien und Mauretanien. Es hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von über 3 000 Kilometern und ist mit 711000 Quadratkilometern doppelt so groß wie Deutschland.
Das nordafrikanische Wildschwein (Sus scrofa barbarus) ist eine Unterart des europäischen Wildschweins und wird bis zu 150 Kilogramm schwer. Es kommt in allen Wald- und Buschwaldgebieten vor, die sich von Tanger bis Oujda und im Süden bis Goulimine (200 Kilometer südlich von Agadir) erstrecken. Die höchsten Vorkommen findet man im Rif, im Mittleren Atlas und Hohen Atlas von Taza bis Essaouira und im Pays de Zaër, südwestlich von Rabat. Diese Gebiete haben höhere Niederschläge und bieten folglich ein besseres und reicheres Nahrungsangebot als andere Regionen.
Die offiziellen Jahresstrecken schwanken zwischen 2500 und 3000 Stück Schwarzwild, unbekannt ist die Anzahl der gewilderten Stücke. Schwer zugängliche und schwierig zu bejagende Gebiete im Mittleren und Hohen Atlas werden gar nicht oder nur selten bejagt.
Der gesamte Schwarzwildbestand kann mit 8000 bis 10000 Stück angenommen werden. Der Schwarzwildbestand hat, wie auch in Europa in den vergangen Jahren zugenommen. Neuen Lebensraum hat das Schwarzwild dazu gewonnen durch die Ausweitung der künstlichen Bewässerung. Zu erwähnen sind vor allem Zuckerrohrplantagen in der Region Larache, etwa 100 Kilometer südlich von Tanger.
Jagd
 
Marokko hat etwa 30000 Jäger, von denen nur eine begrenzte Anzahl auf Schwarzwild jagt. Die bevorzugte Jagd der Marokkaner ist die auf das Felsenhuhn (Alectoris barbara), von denen in „guten“ Jahren bis zu 300000 erlegt werden. Ausländische Jäger jagen vornehmlich Turteltauben und Bekassinen.
Das Schwarzwild wird in den staatlichen und kommunalen Wäldern gejagt, die der Forstverwaltung unterstehen, in Jagdpachtungen der etwa 200 privaten Jagdgesellschaften mit einer Jagdfläche von 930000 Hektar und in den Revieren der 54 Jagdtouristik-Gesellschaften mit 998000 Hektar Jagdfläche.
Schwarzwildjagd wird nur von einigen Jagdgesellschaften angeboten, weil die meisten vornehmlich Jagdreisen auf Turteltauben, Wachteln und Bekassinen sowie auf Felsenhühner anbieten.
Die Strecken sind sehr unterschiedlich, weil die Schwarzwildjagd mehr Organisation und Hege verlangt als die hauptsächlich ausgeübte Jagd auf Zugvögel. Die durchschnittliche Tagesstrecke kann mit vier bis acht Stück Schwarzwild angenommen werden. In gut geführten privaten Jagdpachtungen liegen die durchschnittlichen Tagesstrecken bei zehn bis 15 Stück pro Jagdgruppe (zehn bis 20 Jäger). An zwei Jagdtagen bei Gruppen mit acht bis zehn Jägern kann mit einer durchschnittlichen Strecke von zehn Sauen gerechnet werden.
Erlaubt ist nur die Treibjagd, Einzeljagd ist verboten. Ebenso dürfen nur Flinten, einschließlich Halbautomaten und Vorderschaft-Repetierer, mit glatten Läufen und Flintenlaufgeschossen verwendet werden. Munition in Kaliber 12 und 20 ist vor Ort, im Kaliber 16 nur sporadisch erhältlich.
Schwarzwild in Tunesien
 
Tunesien, unter den Römern ein Teil ihrer Provinz Africa, wurde schon von diesen als Jagdgebiet geschätzt, wie auf zahlreichen noch erhaltenen Mosaiken aus dieser Zeit mit jagdlichen Motiven und Szenen dargestellt ist.
Die Vegetation im Norden wird bestimmt durch die immergrünen Wälder und Maccien, bestehend aus Korkeichenwäldern, durchsetzt mit Steineichen und Unterwuchs wie Baumheide, Erdbeerstrauch, Pistazien, sowie Wachholder-, Kiefern- und Eucalyptuswälder. In der Maccie finden sich Arten wie Kermeseiche, Zistrose, Thymian, Lavendel und Salbei. Die Wälder und Maccien nehmen vom Norden nach Süden ab. Die südlichste Grenze verläuft von Kasserine nach Kairouan.
Schwarzwild kommt in den niederschlagreichen Gebieten der Küste von Tunis über Bizerte nach Tabarka, ferner entlang der tunesisch-algerischen Grenze bis Kasserine in den Bergen Nord- und Zentraltunesiens vor, sowie auf der Halbinsel Cap Bon.
Das Schwarzwild hat in Tunesien an Lebensraum gewonnen und ist heute in allen Regionen zu finden, in denen die Vegetation (Wald oder Maccie) ausreichend Deckung bietet, wie zum Beispiel im Küstenstreifen zwischen Tunis und Bizerte, wo sich das Schwarzwild erst Ende der 70er Jahre angesiedelt hat. Schwarzwild kommt häufig auf bewaldeten Kuppen und Hügeln vor, von denen sie in die Felder und Olivenplantagen zur Äsung ziehen. Diese Bergmassive lassen sich gut bejagen, weil diese Wälder und die Maccie keinen Anschluss an andere Massive haben und die Sauen dort verbleiben.
Die besten Schwarzwildgebiete sind die Regionen Tabarka-Ain Draham, Le Kef, Kasserine, Makthar, Beja/Jendouba. Die offiziellen Jagdstrecken liegen in Tunesien bei etwa 3 000 Stück Schwarzwild. Der Schwarzwildbestand kann mit 6 000 bis 8 000 Stück angenommen werden. Dazu kommt noch die Einwanderung von Schwarzwild aus dem Grenzstreifen zwischen Algerien und Tunesien.
Jagd
 
Wie in Marokko, bevorzugen die einheimischen Jäger das Niederwild, also Hühner und Hasen, Waldschnepfen, Bekassinen, Turteltauben und Wachteln. Jagdtouristen können Schwarzwild, Schakal, Fuchs, Wiesel, Marder, Krammetsvögel und Stare bejagen. Millionen von Staren und Krammetsvögeln verursachen im Winter großen Schaden in den Olivenplantagen und sind deswegen bejagbar (hauptsächlich von italienischen Jagdtouristen).
In Tunesien erhalten Jagdagenturen und Hotels von der Forstverwaltung oder der Touristenbehörde die Genehmigungen, Jagden zu organisieren. Diese wiederum wenden sich an ausländische Jagdagenturen oder vermarkten die Jagden selbst.
Erlaubt ist nur die Treibjagd, Einzeljagden auf Sauen sind verboten. Es dürfen nur Waffen mit glatten Läufen eingeführt werden, also Doppelflinten, Vorderschaft-Repetierer und Halbautomaten, die maximal drei Patronen aufnehmen können. Üblich sind Kaliber 12 , 16 und 20. Eingeführt dürfen maximal 50 Flintenlaufgeschosse.
Gejagt wird meist in Revieren mit Mittelgebirgscharakter, einer Höhe von 200 bis 600 Meter Seehöhe, und es sind meist landschaftlich reizvolle Gebiete. Die normale Jagdgruppe umfasst acht bis zehn Jäger. 20 Treiber mit Hunden führen vier bis sechs Treiben am Tag durch. Die Strecken bei dreitägigen Jagden schwanken zwischen 15 und 30 Sauen.
In Tunesien können noch alte Keiler mit Waffenlängen über 20 Zentimeter zur Strecke kommen. Das beste Jagdgebiet liegt in der Region Tabarka – Ain Draham. Es wird jedoch in manchen Jahren überjagt. Schwarzwild hat vom 15. Oktober bis zum 31. Januar Jagdzeit.

Foto: Joachim A. Wadsack

Hansgeorg Arndt

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