HIPPOS – Bejagung der Flusspferde

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Normalerweise wird wohl kein Jäger nur wegen der Flusspferde eine Jagdreise nach Afrika unternehmen. Aber vor Ort entscheidet sich doch so mancher, auf afrikanisches „Wasserwild“ Jagd zu machen

Von Lothar Schmidt

Erlegtes Flusspferd
Mit vereinten Kräften wird das Flusspferd an Land gebracht. Vor dem Zerwirken kommt erst das obligatorische Photo.
Die waidmännische Bejagung von Flusspferden erfolgt auf zwei Arten: mit dem Boot oder von Land aus. Die Jagd mit dem Boot ist so eine Sache.
Da man im Busch meistens nur auf Einbäume, Kanus, Schlauchboote und ähnliche kleine gepaddelte Wasserfahrzeuge zurückgreifen kann, ist die Zielerfassung immer etwas wackelig.
Geht der beabsichtigte Gehirnschuss daneben und wird das Wild angeschweißt, kann man recht schnell in Lebensgefahr geraten: Der Bulle greift das Boot an, stürzt es um und schlägt seine riesigen Hauer in alles, was um ihn herum im Wasser schwimmt.
Eine Jagd vom Mokoro aus, dem kippeligen Einbaum, wie er in Botswana häufig verwendet wird, ist schon etwas für ganz starke Nerven.
Zur Jagd von Land aus:
Bei gedecktem Anpirschen unter Ausnutzung des Windes kommt der Jäger meistens nahe genug heran, um einen Hirnschuß verantworten zu können. Entweder erlauben die Bäume am Ufer das Anstreichen der Waffe, oder man schafft sich eine Auflage aus Steinen, Treibholz oder Kleidungsstücken. Auch der altbewährte Zielstock leistet gute Dienste.
Der Gehirnschuss ist in jedem Fall zu empfehlen. Bei der Jagd auf Hippos, die an Land äsen, oder auf diejenigen, die zum Sonnenbaden auf Sandbänken liegen, kann man auch einen Kammerschuss anbringen. Die Gefahr, dass sich das Wild aber noch ins Wasser stürzt, wegtaucht, sich im Wasser unter Steine schiebt und dann verludert, ist zu groß.
Auch wenn das Ziel klein ist, bevorzuge ich den sofort tödlichen Schuß in den Kopf. Der Zielbereich umfasst die Stelle zwischen den Lichtern und den Gehören.
Ein Schuß auf den oberen Hinterkopf zwischen die Gehöre wirkt ebenfalls sofort tödlich.
Wird das Wild im Wasser erlegt, versinkt es auf den Schuß hin sofort. Ein gutes Zeichen ist, wenn das Stück schräg nach unten wegsinkt, mit dem Hinterteil voran. Gewaltige Mengen an Atemluft entweichen dem Rachen.
Nach kurzer Zeit verschwinden auch die übrigen Mitglieder der Herde. Anscheinend ist ihnen ein totes Hippo auf dem Grund unheimlich. An der Stelle, an der das versunkene Flusspferd liegt, springen oftmals die Fische. Angler würden sagen, die Fische steigen.
Die Gase die sich im Weidsack bilden, treiben es nach einigen Stunden an die Oberfläche. Diese Wartezeit, die für den Schützen recht nervig werden kann, hängt von vielen Faktoren ab: Art der Äsung, Menge des Panseninhalts und der Wassertemperatur.
Ich habe schon Zeitspannen von einer Stunde bis zu drei Stunden registriert. Oft kann man nach ungefähr einer Stunde auch beobachten, wie sich Krododile vom gegenüberliegenden Ufer aus nähern, aber immer noch einen gehörigen Abstand einhalten. In schnell fließenden Gewässern verbietet sich diese Jagdart. Das Risiko, dass das Stück verloren geht, ist zu groß.
Er bleibt unten
Einmal habe ich erlebt, dass trotz aller guten Zeichen der Bulle nicht wieder auftauchte. Die Vermutung lag nahe, dass er sich unter Wasser irgendwie verhakt hatte.
Was tun? Ein Freiwilliger war gefragt. Unser Guide erklärte sich bereit zu tauchen. Wir postierten uns am Ufer und hielten nach Krokodilen Ausschau, um ihm im Notfall Feuerschutz zu geben.
Kaum war er unten, kam er auch schon wieder hoch. Das Flusspferd hatte sich mit der linken Hintersäule an einer Wurzel verfangen. Er tauchte noch einmal, machte ein Seil fest, und mit vereinten Kräften bekamen wir das Stück dann doch noch an die Oberfläche.
Liegt der Bulle auf einer Sandbank oder auf flachen Steinen, hat man nach dem Schuß den Vorteil, dass das Stück leichter zu versorgen ist. Ist das Ufer zu steil, wird es auch einer vielköpfigen Mannschaft nicht möglich sein, das Hippo an Land zu ziehen. Es muß im Wasser zerwirkt werden, was eine langwierige und anstrengende Arbeit bedeutet.
Flusspferde beim Äsen an Land zu bejagen, ist selten möglich. Vor allem in Gegenden, wo sie einem gewissen Jagddruck ausgesetzt sind, wagen sie sich nur in der Dunkelheit aus dem Wasser.
Der Jäger kann den Bullen am morgendlichen Rückwechsel abpassen und ihn mit einem Kammerschuss erlegen – vorausgesetzt er konnte in der Dunkelheit einwandfrei angesprochen werden.
Bei dieser Jagdart besteht aber immer die Gefahr, dass dann doch eine Kuh auf der Schwarte liegt oder, wie schon erwähnt, sich das Flusspferd noch ins Wasser stürzt und verloren geht.
Ansprechen
 
Den starken Bullen in einer Herde auszumachen, ist gar nicht so einfach.
Die Größe im Vergleich zu den anderen Tieren ist ein erster Anhaltspunkt. Ein weiteres gutes Merkmal sind die Ausbuchtungen auf der Oberlippe – sofern man bei dieser regelrechten Klappe noch von einer Lippe sprechen kann.
Die langen Hauer – es sind dies die Eckzähne im Unterkiefer – drücken diese Beulen heraus. Wie zwei große Schwielen sehen die von den Berufsjägern „humps“ genannten Beulen aus. Je ausgeprägter und höher sie sind, um so sicherer kann man sein, einen Bullen vor sich zu haben. Kommen dann noch deutliche Narben an Hals und Nacken vor, kann man fast gewiss sein. Aber auch erfahrene Berufsjäger tun sich manchmal schwer.
Einfuhrbeschränkungen
 
 
Nicht einfuhrfähig aus Angola, Äquatorial-Guinea, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Burundi, Elfenbeinküste, Eritrea, Gambia, Ghana, Guinnea-Bissau, Kamerun, Liberia, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sierra Leone, Togo, Tschad und ZAR.
Kaliber
 
Im Gegensatz zu den Big Five erlassen die meisten Länder keine Vorschriften für ein Mindestkaliber.
Ein Großwildkaliber, angefangen bei der .375 ist aber angebracht. Auch mit den deutschen 9,3mm-Großwildkalibern wie 9,3×62 oder 9,3×64 macht man keinen Fehler.
Wichtig ist, ein Vollmantelgeschoss zu nehmen, um auch bei Schüssen auf den Hinterkopf eine ausreichende Penetration zu gewährleisten.
Von Hochrasanzpatronen rate ich ab. Zu häufig kommt es vor, dass Gräser und sonstige Vegetation im Wege sind. Ein langsameres Geschoss lässt sich dann nicht so leicht ablenken.
Da die Schussentfernung meistens unter 100 Metern liegt, braucht man sich um die Flugbahn keine Gedanken machen. Den Anweisungen des Berufsjägers sollte man in jedem Falle folgen.
Trophäe
 
Als Trophäe gelten in erster Linie die Hauer im Unterkiefer. Es sind dies die gebogenen, an der Spitze schräg abgeschliffenen Eckzähne.
Auch die geraden, runden, nach vorne gerichteten Schneidezähne zählen zur Trophäe. Nach Rowland Ward liegt die Rekordtrophäe bei 41,5 Inch (105,4 Zentimeter) für den Eckzahn und bei 23,4 Inch (59,4 Zentimeter) für den Schneidezahn. Es gibt Angaben über noch längere Canini wobei es sich aber um Deformationen handelt.
Die Eckzähne wachsen zeitlebens, und der obere und der untere Eckzahn sind so übereinander angeordnet, dass sie sich gegenseitig ab- und spitzschleifen. Wenn durch Verletzung oder Kieferverformung der Abschliff unterbleibt, können die Zähne spiralförmig weiterwachsen.
Sie sind dann aber als Waffen ungeeignet. Heutzutage liegt die Länge des Hauers bei einem durchschnittlichen Bullen bei 22 Inch (56 Zentimeter). Kapitale Trophäen kommen auf 27 Inch (69 Zentimeter).
Das Gewicht der Trophäen ist recht beeindruckend: ungefähr zwei Kilogramm für den Eckzahn und ein Kilogramm für den Schneidezahn. Alle Zähne zusammen genommen – auch die kleineren aus dem Oberkiefer – bringen gut ihre acht Kilogramm auf die Waage. Die Schwarte zählt zwar nicht unbedingt zur Trophäe ist aber ein unvergleichliches Erinnerungsstück.
Ein Schreibtisch, der mit der gegerbten und zugeschnittenen Schwarte überzogen ist, ist ein Blickfang der seinesgleichen sucht. Und noch ein kleiner Ausflug in die Historie: Aus der Haut fertigte man früher die berüchtigten Nilpferdpeitschen.
Kosten
 
Die wenigsten Jäger reisen nur wegen einer Flußpferdjagd ins südliche Afrika. Meistens wird das Hippo noch „mitgenommen“, wenn nach der Jagd auf Großwild oder Antilopen noch Zeit bleibt, oder man bucht gleich eine kombinierte Jagd.
Bei den meisten Veranstaltern liegt die Trophäengebühr bei circa 1 000 US-Dollar. Als Anhaltspunkt gilt:
  • Tansania: 900 US-Dollar
  • Simbabwe: 1 200 US-Dollar
  • Sambia: 1 250 US-Dollar
  • Botswana: 1 300 US-Dollar
Für die Planung einer Jagdreise nur auf Hippo muß der Jäger ungefähr 11000 Mark veranschlagen(siehe Kasten).
Zum Schluss noch eine Empfehlung: Sparen Sie nicht am falschen Ende, sondern beauftragen Sie eine erfahrene Fachspedition mit dem Transport Ihrer Trophäe. Trotz aller Papiere und Stempel besteht die Gefahr, dass man Ihnen dennoch Schwierigkeiten bei der Einreise macht.
Das gilt nicht so sehr für die Hauer, aber für die Schwarte.

Foto: Fritz Pölking

Hansgeorg Arndt

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