Entdeckung und Verbreitung

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Seine sensationell späte Entdeckung (1904) wird nicht nur auf die Unzugänglichkeit des Dschungels am Mount Kenia zurückgeführt, sondern auch mit der extremen Seltenheit nach der 1890 über die dortigen Paarhufer hereingebrochenen Rinderpest in Verbindung gebracht.
Wie dem auch sei, dem jagdbesessenen Colonel Meinertzhagen kommt das Verdienst zu, die Existenz jenes im wahrsten Sinne des Wortes legendären „Giant Forest Hog“ nachgewiesen zu haben.
Gab es doch bereits seit langem Gerüchte über ein sagenhaftes Schwein, das mit noch unbekannten Fabeltieren oder dem ebenfalls spät entdeckten Zwergflusspferd in Verbindung gebracht wurde.
Tatsächlich hatte der holländische Arzt Olfart Dappert bereits im Jahr 1669 über ein „großes schwarzes Schwein“ aus Liberia geschrieben, das viel größer und gefährlicher als die normalen Wildsauen sei. Sodann war es kein geringerer als Henry Morton Stanley, der 200 Jahre später von einem „gigantischen schwarzen Schwein von zwei Meter Länge“ aus dem Ituriwald im Kongo berichtete.
Und schließlich meldete auch der deutsch-russische Forscher Wilhelm Junker 1885/86 vom Lado-Uellegebiet neben Warzen- und Buschschwein eine dritte vorkommende Art, ein „Riesenschwein“.
Aber keinem war es bisher gelungen, ein „Belegexemplar“ vorzuweisen, um die Wissenschaftler des Britischen Museums in London, der Zentrale der damaligen Säugetierforschung, zu überzeugen.
Dass die beeindruckende Erscheinung maßgeblich zur Namensbildung beigetragen hat, wird spätestens dann verständlich, wenn man einmal ein solch schwarzes Ungetüm im ersten Moment mit einem Büffel verwechselt hat. Handelt es sich doch nach Grzimek´s Tierleben bei Spitzengewichten von 275 Kilogramm und Schulterhöhen bis 1,10 Meter um die größte Schweineart überhaupt.
Ob sie aber tatsächlich stärker ist als das riesige ussurische Schwarzwild im Fernen Osten, bedürfte wohl weiterer Untersuchungen.
Ich selbst bin mir da auch nicht so sicher, nachdem ich in Kenia, Uganda und Kongo dem Giant Forest Hog begegnet bin, aber auch einmal im Kaukasus meinen Jagdführer fragen musste, ob das im verschneiten Gegenhang anwechselnde „Klavier“ eine Sau oder ein Medved (Bär) sei.
Es war aber dann doch ein Keiler, der, wenn auch erst dreijährig, 180 Kilogramm auf die Waage brachte.
Zum oft angezweifelten Vorkommen in Tansania: Seine Existenz am Oldeani unweit des Ngorongorokraters wurde durch ein 1921 von dem deutschen Zoologen Schulz auf 2000 Meter Seehöhe erbeutetes Stück bestätigt; ich selbst fand im gleichen Gebiet 1967 auf den tunnelartigen Wechseln im Bambus frische Losung, die doppelt so groß war wie die vom stärksten Buschschwein.
In den 60er Jahren wurden jeweils noch drei bis fünf Lizenzen ausgegeben. Ab 1978 durfte es nur noch auf Special Permit bejagt werden, heute ist es gänzlich geschützt.
Ein Vorhandensein am Mt. Meru wurde von Rolf Trappe und Andreas von Nagy, die sich dort ja besser auskannten als jeder andere, energisch bestritten.
Auch ich habe in den Nebelwäldern von Meru und Kilimandscharo viel gejagt, aber wenn ich in der unsichtigen Vegetation einmal ein starkes schwarzes Schwein vorhatte – was nicht oft der Fall war – verriet der auffällige weiße Aalstrich sofort die dortige Rasse des Buschschweins.
Angeschweißte oder von Hunden gestellte Stücke sind äußerst aggressiv und mit Vorsicht und einem groben Kaliber zu behandeln, ganz im Gegensatz zum im Wundbett aufgespürten Warzenkeiler, der entweder flüchtet oder ohne Gegenwehr den Fangschuss erhält.
Über die Siedlungsdichte gibt es unterschiedliche Angaben. Gegendweise werden 0,4 bis 2,6, in optimalen Lebensräumen dagegen 7 bis 31 Stücke pro Quadratkilometer genannt, wobei die Größe des Streifgebietes bis zu 20 Quadratkilometer umfassen soll.
Wie häufig das Riesenwaldschwein einmal war, veranschaulicht die Strecke einer 18monatigen Kontrolljagd vor 50 Jahren in Rutshuru/Kongo, bei der außer 329 Busch- und 77 Warzenschweinen 619 Waldschweine geschossen wurden.
Vor allem in West- und Teilen Zentralafrikas sind die Bestände stark zurückgegangen.
Mit großräumigen Abholzungen verbundener Biotopschwund hat ebenso dazu beigetragen wie kommerzielle Fleischjagd zur Versorgung örtlicher Märkte, sodass die Art in verschiedenen Ländern bestenfalls in Nationalparken und Reservaten überlebt.
Eine professionell organisierte Jagd für Ausländer dürfte zur Zeit nur noch in Südkamerun und vielleicht wieder im Kongo(Brazzaville) möglich sein: ein körperlich sehr hartes Unternehmen, das auch finanziell seinen Preis hat und am Ende wohl so manchem Waidmann den Ausspruch des bekannten französischen Großwildjägers Francois Sommer in Erinnerung rufen dürfte: „Very few Europeans have ever seen it.“ Anno Hecker

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