Vom Ussuri bis ins Outback – Die Sauen Asiens

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kapitaler Keiler
Ein kapitaler Keiler ist zur Strecke gekommen.
Usbekistan ist allerdings das am wenigsten jagdlich erschlossene Land Zentralasiens: Bis heute gibt es hier keine speziellen Saujagden, so dass die Erbeutung eines starken Keilers vorläufig nur Glückssache bleiben wird.
Nun wird man nicht unbedingt die lange und oft etwas unbequeme Reise in den weiten Osten antreten wollen, um einen kapitalen Keiler zu erbeuten; das ist auch weiter westlich möglich.
Ich erinnere mich noch gut an ein wahres Ungetüm von Keiler, den mein Nachbarschütze in den steilen Buchenwäldern des östlichen Kaukasus schoss: unaufgebrochen nahezu 300 Kilogramm schwer mit 26 Zentimeter langen, enorm breiten Gewehren.
Aber: Wenn auch in Osteuropa ganz beachtliche Trophäen erbeutet worden sind – sogar der Weltrekord (150,95 Punkte) wurde 1930 in Polen, kaum geringere Waffen in Bulgarien und Rumänien erbeutet – so sind diese doch nicht so zahlreich wie jenseits des Urals, wo allein genetisch bedingt ein dichteres Vorkommen starker Keiler zu erwarten ist.
Türkei
Vom Kaukasus ist es nicht weit bis zur Türkei, die durch ihre dem Jagdtourismus geöffneten Reviere in Anatolien und Thrakien bekannt geworden ist. Sie ist eins der wenigen Länder, in denen man wirklich gute und sogar sehr gute Chancen auf kapitale Keiler hat. Leider sind aber nicht alle Outfitter seriös.
Bei der Pirsch auf Keiler (auch bei Mond), die sich in der heißen Jahreszeit gern in der Nähe von Wasserlöchern oder an Melonenfeldern aufhalten, und beim Ansitz auf den zugegebenermaßen wenigen Hochsitzen an Suhlen oder in der Nähe der Felder kommt so mancher starke Basse zur Strecke.
Die Treiben sind oft mehrere Quadratkilometer groß. Das kann bei acht bis zehn Schützen dann zu Problemen führen, wenn die Sauen nicht die „gedachten“ Wechsel annehmen. Auch konditionell wird dem Jäger einiges in der rauhen Bergwelt des Taurus abgefordert.
Der angrenzende Iran war vor Ayatolla Khomeni ein Geheimtip für passionierte Keilerjäger, die nicht selten am hellen Tag von der Straße aus zu Schuß kamen. Die vier von Prinz Abdorezza 1971 in Budapest ausgestellten Waffen (120,75 bis 133,60 Punkte) zeugen von der Stärke des dortigen Schwarzwildes.
Indische Sauen
An die eurasischen Unterarten schließt sich mit entsprechenden Übergängen das Indische Wildschwein, Sus scrofa cristatus, an.
Durch die wärmeren Temperaturen ist es körperlich schwächer, und auch in der Behaarung hat es sich dem Klima angepasst.
Meist wirkt es fast so nackt wie unsere Sommersauen, trägt jedoch einen breiten Streifen steifer „Federn“, die wie ein Aalstrich vom Nacken zur Kruppe verlaufen. Deshalb wird es auch Kammschwein genannt.
In der Lebensweise unterscheidet es sich wenig von seinen nördlichen Vettern, bildet aber stärkere Rotten, die in Sri Lanka bis 100 Stück zählen können.
Wenn auch im Gebäude geringer, verfügen alte Keiler nichtsdestoweniger über ganz kapitale Waffen: Die beiden indischen Rekordtrophäen sind jeweils 37,47 Zentimeter lang.
In fast allen indischen Staaten werden Sauen als „Schadwild” klassifiziert und können überall und jederzeit verfolgt werden. Der Grund: Schäden, die sie in der Landwirtschaft anrichten.
Wenn auch von den Muslims verschmäht, werden Sauen um so eifriger von den Hindus, die ja keine (heiligen) Kühe essen dürfen, und den Tamilen bejagt. Ebenso ist das Schwein eine begehrte Beute des Tigers an den wenigen Stellen, wo er noch vorkommt.
Dabei kennt der „König des Dschungels” sehr wohl die Wehrhaftigkeit eines alten Bassen, den er infolge seines kurzen und übergangslosen Trägers nur schwerlich mit dem gewohnten Halsbiss töten kann.
Es sind genügend Fälle bekannt, wo meist unerfahrene Tiger den scharfen Gewehren des attackierten Keilers zum Opfer fielen.
In Sri Lanka, wo die Stelle des Tigers vom bedeutend schwächeren Leopard eingenommen wird, haben ausgewachsene Sauen wenig zu fürchten.
Im Gegenteil: Als Alles- oder Aasfresser sind sie die größten Widersacher des Leoparden, indem sie diesem rottenweise den Riss streitig machen und eine solche Konkurrenz darstellen, dass die gefleckte Katze manchmal das Doppelte an Beute schlagen muß, um satt zu werden.
Nach Seuchen oder anderen Tierverlusten in extremen Trockenzeiten fungieren die Sauen oft als „Gesundheitspolizei”, die den Dschungel von Fallwild säubert.
Dass gerade die asiatischen Sauen als äußerst aggressiv gelten, hängt wohl mit dem permanenten Raubwilddruck zusammen, dem sie im Gegensatz zu ihren westlichen Verwandten ausgesetzt sind.
Nach Sir Samuel Baker, der als gewaltiger Nimrod der viktorianischen Zeit gefährlichem Großwild in aller Welt nachgestellt hat, kommt kein anderes Wild, ob Tiger, Büffel oder Löwe dem wütenden Keiler als Kämpfer gleich.
Baker jagte vor allem auf Ceylon und in Kleinasien zu Fuß mit der Meute und einer Art Hirschfänger als Waffe.
Das berühmte „pig sticking” zu Pferd mit Lanze oder kurzem Spieß, der von oben zwischen die Blätter gestoßen wurde, war ursprünglich eine Jagdart indischer Maharadschas, die von britischen Kolonialoffizieren im frühen 19. Jahrhundert enthusiastisch übernommen wurde.
In meist offenem, schilfreichen Gelände betrieben, galt sie ähnlich der englischen Reitjagd auf Füchse, allerdings ohne Hunde, als die einzig „noble, sportliche Art”, Schwarzwild zu bejagen.
Dabei galten nur Keiler mit Schulterhöhen ab 70 Zentimeter als jagdbar; wer ein schwächeres Stück oder eine Bache erlegte, musste abends eine Kiste Champagner ausgeben.
Kronprinz Wilhelm von Preußen bezeichnete diese Jagden als „aufregende und gefährliche Unternehmen mit vielen gebrochenen Armen und Beinen – weiß Gott kein Sport für alte Jungfern!”
Gelegentlich brachten auch annehmende Keiler Pferd und Reiter zu Fall, und böse Zungen behaupteten, dass die Briten höhere Verluste beim „pig sticking” als durch die Kugeln rebellischer Afghanen im Kampf um den Khyberpass erlitten hätten.
Heute wird die Jagd auf die indischen Sauen meist als Pirsch im mehr oder weniger offenen Dschungel oder beim Ansitz an Wasserlöchern oder Getreidefeldern ausgeübt – durchweg von Einheimischen, weil Jagdtourismus mangels Organisation unbekannt ist.
Gegenüber dem eurasischen Wildschwein (Sus scrofa), dessen südöstlichster Vertreter als „Bindenschwein” (Sus s. vittatus) Sumatra, Java und Bali bewohnt, kommt fünf weiteren über Malaysia sowie die indisch-australische Inselwelt verbreiteten Arten keine jagdtouristische Bedeutung zu.
Der Vollständigkeit halber seien sie jedoch kurz aufgeführt.
Stellenweise noch recht häufig, haben andernorts die Vorkommen nach großflächigem Biotopschwund (Rodungen und Waldbrände) durch übermäßige Verfolgung mit Hundemeuten, Feuerwaffen, Schlingen und Gift stark gelitten.
Vom Zwergwildschwein des Himalaja dürften nur noch wenige 100 Stücke existieren; Man zählt es zu den am meisten gefährdeten Tierarten der Erde (siehe Kasten).
Pakistan
Der indische Subkontinent ist reich an Sauen und „pig-sticking”.
Die Saujagd zu Pferde mit der Lanze gehörte während der Kolonialzeit zu den politisch korrekten Freizeitsportarten des englischen Offizierkorps. Als der später in Tanganyika als Wildhüter und Großwildjäger zu Bekanntheit gelangte C.J.P. Ionides in seinen Offiziers-Tagen in Indien die Sauen lieber vom Pferd mit dem Karabiner und nicht mit der Lanze erbeutete, hatte er sich damit ins gesellschaftliche Abseits gestellt.
Dass heute der Auslandsjäger in Pakistan wieder auf Schwarzwild jagen kann, ist einzig und allein der Initiative eines deutschen Berufsjägers zu verdanken.
In fast 15 Jahren hat er dort eine gut funktionierende jagdliche Infrastruktur aufgebaut: die Voraussetzung für jagdlichen Erfolg, vor allem in Entwicklungsländern. Andere empfehlenswerte Jagdfirmen gibt es im Lande nicht.
Mit einem eingespielten Team aus einheimischen Berufsjägern, Treibern, Fahrern, Köchen und Helfern, die zum Teil schon seit Jahren dabei sind, werden von November bis März Treibjagden durchgeführt.
Dabei werden auch bis zu 30 Hunde eingesetzt, einheimische Mischlinge aller Art, zum Teil sind auch deutsche Bracken eingekreuzt. Die Hunde sind nicht nur passioniert, sondern auch gut eingejagt.
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