Das Raumverhalten des Alpensteinbocks

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„Hightech und Natur“

© NPHT
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Presseinformation
Der Alpensteinbock war in Österreich lange Zeit ausgerottet. Lange vor der Gründung des Nationalparks Hohe Tauern wurde auf Initiative der örtlichen Jägerschaft Steinwild rund um den Großglockner eingesetzt. Durch umsichtige Hege ist der Bestand mittlerweile auf über 500 Stück angewachsen und durch seine imposante Erscheinung und leichte Beobachtbarkeit zur Symboltierart des Nationalparks geworden. Im Gebiet der Hohen Tauern leben mittlerweile ungefähr 1.000 Stück, aufgeteilt auf verschiedene Kolonien in den Bundesländern Kärnten, Salzburg und Osttirol.
Vieles weiß man über das Steinwild, über sein Wanderverhalten ist jedoch wenig bekannt und ein großer zusammenhängender Lebensraum wie die Hohen Tauern könnte neue Erkenntnisse über das Raumverhalten dieser Wildart liefern.
Wie kann man aber den Wanderrouten des Steinwildes auf die Spur kommen?
Die Lösung ist ebenso einfach wie aufwendig: Halsbandsender, die ihre Daten per GPS automatisch an Satelliten weiterleiten. Täglich und alle vier Stunden erfolgen automatisch Satelliten-Ortungen über den Aufenthaltsort. Diese Daten werden mittels Handy-Technik automatisch an eine Basisstation am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien übertragen und dort ausgewertet sowie mit Lebensraumdaten aus dem Geographischen Informationssystem (GIS) verknüpft. „Es ist so, als hätten die Steinböcke ein kleines Handy um den Hals. Damit werden etwa sechs Positionen eruiert und verpackt in einer SMS zur Auswertung nach Wien geschickt“, erklärt Mag. Karl Pfisterer von der mobilkom austria, der den technischen Teil des Forschungsprojektes präsentierte.
Mit dieser neuen, technisch ausgefeilten Methode ist es möglich, das Wanderverhalten der Steinböcke genau zu verfolgen, ohne sie zu beunruhigen. Die Wissenschafter können die Bewegungen der besenderten Tiere im Büro am Computerbildschirm nachvollziehen. „Somit erhalten wir interessante Datensätze über die Steinböcke. Unser Ziel ist es, deren Lebensweise im Nationalpark Hohe Tauern gut kennen zu lernen, um ein optimales Schutzmanagement für diese Tierart durchführen zu können“, schildert DI Dr. Friedrich Reimoser von der Universität Wien.
Um bei rund 550 Stück Steinwild zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, ist es notwendig, mindestens 10 Tiere mit Sendern auszustatten. Bei dieser schwierigen Arbeit greift der Nationalpark Hohe Tauern auf die Hilfe seiner Kollegen aus dem Schweizerischen Nationalpark zurück, die beim Besendern von Wildtieren bereits über große Erfahrung verfügen. „Die Zukunft der Steinböcke wird eine Gratwanderung. In den letzten Jahren sind in verschiedenen Gebieten Bestandseinbrüche festgestellt worden, die bisher nicht erklärt werden konnten“, schildert Dr. Flurin Filli, Wissenschaftlicher Leiter des Schweizerischen Nationalparks. „Mit der Zusammenarbeit leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Schutz und zur nachhaltigen Bewirtschaftung dieser symbolträchtigen Art“. So sollen vor allem 2 bis 5-jähige Böcke mit Sendern ausgerüstet werden, da diese vermutlich für den Austausch unter den Teilpopulationen rund um den Großglockner sorgen.

 

Steckbrief

Das Raumverhalten des Alpensteinbocks

1. Projektträger:
Nationalparkrat Hohe Tauern
2. Projektdauer:
3 Jahre
3. Fachliche Unterstützung:
Dr. Flurin Filli, Wissenschaftlicher Leiter Schweizerischer Nationalpark
4. Wissenschaftliche Unterstützung:
Prof. DI Dr. Friedrich Reimoser Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie,  Veterinärmedizinischen Universität Wien
5. Sender:
GPS-Halsbandsender mit Temperatur-, Aktivitäts- und Mortalitätssensor
6. Besenderung der Tiere:
Um die Halsbandsender anbringen zu können wird  das Steinwild in Fallen gefangen oder mittels  Distanzinjektion in freier Wildbahn narkotisiert.
7. Kosten:
ca. € 70.000,00 (netto)
8. Sponsoren:
Oesterreichische Nationalbank, mobilkom austria

© NPHT – Schöpf – „Steinwildbeobachtung am Parkplatz Lucknerhaus“ © NPHT – Schöpf – „Hans Pichler, Steinwildhegemeinschaft Großglockner; Dr. Flurin Filli, Schweizer Nationalpark; Projektkoordinator Klaus Eisank, Nationalpark Hohe Tauern; Dr. Gunther Gressmann, Nationalpark Hohe Tauern mit GPS-Halsbandsender“ © NPHT – Schöpf - „Jäger beim Steinbock-Schauen“

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