Großbritannien: Parlamentarier gegen „Tigerjagd“ in Afrika

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Auf Einladung der britischen Umweltbehörde DEFRA fand in London vergangene Woche eine Anhörung zur „Trophäenjagd“ in Afrika statt.

Wenige Stunden danach wurde im Parlament über dasselbe Thema debattiert. Tierorganisationen hatten zuvor 300.000 Unterschriften vorgelegt, mit denen ein Stopp aller Trophäeneinfuhren verlangt wurde. Auch britische Tageszeitungen druckten seit Wochen ungeprüft Horrormeldungen ab, mit denen sie von den Aktivisten gefüttert worden waren. So gelangten viele Falschmeldungen an die Öffentlichkeit. Die Jagdgegner haben sich weltweit vernetzt und wickeln derzeit eine aus Spendengeldern finanzierte internationale Kampagne gegen den Jagdtourismus ab.

Da während der Anhörung keine belastbaren Fakten zur angeblichen Schädlichkeit der Trophäenjagd vorgelegt werden konnten, machte die Organisation „Born Free“ den Vorschlag, mit einem Moratorium die Trophäeneinfuhr vorübergehend einzustellen. In der Zeit sollten die Jagdbefürworter die Nützlichkeit der Jagd für den Naturschutz beweisen. Dies fand keine Mehrheit.

Anwesende Jagdorganisationen, wie der internationale Jagdrat (CIC), wiesen darauf hin, dass es nicht nur in Afrika, sondern auch in Großbritannien Jagdtourismus mit vielen wirtschaftlichen und sozialen Vorteilen gibt. Im übrigen bedauerten sie, dass Vertreter der afrikanischen Jagdländer in der Diskussionen keine Stimme hätten. Die Bedeutung nachhaltiger Jagd für die arme ländliche Bevölkerung in Afrika wurde betont. Zumindest stimmten alle Seiten darin überein, dass weitere empirische Studien zu den Auswirkungen der Jagd und anderer Formen der Naturnutzung nützlich seien.

In der nachfolgenden Debatte im Unterhaus wurde die feindliche Haltung vieler Abgeordneten gegenüber der Jagd quer durch die Parteien deutlich. Fachlich bewegte sich die emotionale Diskussion auf Höhe des Beitrags des Labour-Abgeordneten Jim Cunningham aus Coventry South. Laut offiziellem Parlamentsprotokoll kritisierte er die Leute, die nach Afrika reisen „nur um Tiger zu schießen und für keinen anderen offensichtlichen Grund, als dass sie sich einen Kick aus der Tötung des Tiers holen und es dann zurück in die USA schicken oder wo auch immer sie herkommen.“ Im Gegensatz zum „ehrenvollen Abgeordneten“ (so die offizielle Anrede) Cunningham weiß eigentlich jedes Kind, dass es in Afrika keine Tiger gibt und man sie folglich dort auch nicht jagen kann. Es ist zu hoffen, dass das britische Parlament mit mehr Sachverstand über den Brexit diskutiert als über Afrikajagd und Einfuhrverbote für Jagdtrophäen.

rdb