Wapitis: Die Rothirsche der Neuen Welt

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Die Bezeichnung „Wapiti“ ist der Indianersprache entnommen. Sie bedeutet in Shawnee „weißer Rumpf“ oder „weißer Spiegel

Von Dr. Manfred Hoefs

Hirsche
Wenn die Hirsche noch im Bast sind, wird mit anderen Mitteln gedroht.
Der Wapiti ist ein enger Verwandter und Artgenosse des europäischen Rothirsches. Einst wurde er als eigene Art (Cervus canadensis) eingestuft, aber heute werden die Rothirsche Europas, die Marale und andere Formen Asiens sowie die Wapitis alle unter Cervus elaphus zusammengefaßt und die regionalen Typen als Unterarten bezeichnet.
Derzeit gibt es noch 23 dieser Unterarten, von denen wenigstens sechs von Ausrottung bedroht sind. Weitere sind bereits ausgerottet worden, unter ihnen zwei Unterarten des Wapitis.
Wie zahlreiche andere Wildarten Nordamerikas – Bär, Wolf, Luchs, Elch, Schaf und Bison – sind sie Einwanderer aus Sibirien. Während der Eiszeit sank der Meeresspiegel erheblich, und zwischen Alaska und Ostsibirien entstand eine Landbrücke. Diese bildete sich wiederholt und erlaubte einen Austausch von Tieren und Pflanzen zwischen der Neuen und der Alten Welt. Der Wapiti ähnelt dem Maral Sibiriens und der Mongolei in Größe und Geweihform, und man kann annehmen, daß diese beiden Hirschtypen die gleichen Vorfahren haben.
Die Unterarten
Wapitis besiedelten einst alle jetzigen Staaten der USA mit Ausnahme von Florida, die westlichen Provinzen Kanadas, sowie den nördlichsten Teil Mexikos. Man hat sie in sechs Unterarten eingeteilt:
  • Der östliche Wapiti (C. e. canadensis) hatte seinen Einstand zwischen dem Mississippi und dem Atlantischen Ozean. Er war ein Bewohner der Laubwälder.
  • Den Manitoba-Hirsch ( C. e. manitobensis) fand man im mittleren Westen. Er hatte die Prärie besiedelt.
  • Der Nelson- oder Rocky Mountain-Wapiti (C. e. nelsoni) hatte seinen Einstand im Felsengebirge und angrenzenden Hügellandschaften.
  • Im trockenen Landesinneren Texas und Nordmexikos war der kleine Merriam-Hirsch (C.e.merriami) zu Hause,
  • zwei Wapiti-Typen an der Pazifikküste: In Kalifornien fand man den kleinen Tule-Hirsch (C. e. nannodes)
  • und nördlich davon in Oregon, Washington und Britisch Kolumbien den körperlich sehr starken Roosevelt-Wapiti (C. e. roosevelti).
Die einstige Bestandshöhe dieser Unterart wird auf zehn Millionen geschätzt. Solche Schätzungen sind immer problematisch, denn es ist über 400 Jahre her, seitdem die ersten Europäer sich an der Ostküste ansiedelten und auf die Wildbestände einen Einfluß auszuüben begannen. Diese Schätzungen beruhen hauptsächlich auf Größe des ursprünglichen Einstandes und derzeitige Wapitidichten. Über den Einfluß der Ureinwohner und einem sehr artenreichen Raubwildbesatz weiß man nichts.
Das Schicksal des Wapiti infolge der europäischen Besiedlung Nordamerikas ähnelt dem vieler anderer hiesiger Wildarten. Es gab zunächst Jahrhunderte anhaltender Verfolgungen mit drastischen Reduktionen und Biotopvernichtung, gefolgt von einem langsamen Wiederaufbau in diesem Jahrhundert, besonders seit dem Zweiten Weltkrieg. Ein großer Teil des Lebensraums, möglicherweise bis zu 80 Prozent, verschwand unter dem Pflug oder wurde für die Haustierzucht eingezäunt.
Wichtig war auch eine weitverbreitete, uneingeschränkte kommerzielle Jagd, die erst um die Jahrhundertwende ein Ende fand.
Oft wurden Hirsche nur ihrer Grandeln wegen erlegt. Diese hatten um 1890 einen Wert von 75 US-Dollar, was einem heutigen Wert von über 1000 US-Dollar gleichkommt. Man weiß, daß um 1880 der östliche Wapiti sowie die Merriam-Unterart praktisch ausgerottet und vom Tule-Hirsch in Kalifornien weniger als 500 übriggeblieben waren.
Die Verbreitung des Manitoba-Hirsches in der Prärie war auf kleine Inselbestände beschränkt. Nur der Nelson- und der Roosevelt-Wapiti erfreute sich noch einer gewissen Häufigkeit. Um die Jahrhundertwende wurden dann die ersten Schutzgebiete eingerichtet, die Jagd kontrolliert, Schutzgesetze erlassen und Aufsichtsbeamte eingestellt.
Im Jahre 1922 schätzte man, daß es in Nordamerika noch 90.000 Wapitis gab, von denen 37.000 oder 41 Prozent in Schutzgebieten wie dem Yellowstone National-Park zu finden waren. Die Yellowstone Herde war ein wichtiger Faktor in zahlreichen Wiedereinbürgerungsversuchen in den folgenden Jahrzehnten. Über einen Zeitraum von mehr als 70 Jahren wurden über 15.000 Wapitis im Park gefangen und für fast 300 Ansiedlungsprojekte in fast alle Staaten der USA, nach Kanada, Mexiko und sogar nach Argentinien verschickt.
Diese verschiedenen Maßnahmen hatten den gewünschten Erfolg. Bereits 1937 konnte wieder eine beschränkte Jagd erlaubt werden, und die Strecke belief sich auf 3 378 Hirsche. In den 40er Jahren erlegte man im Schnitt 20.000 Wapiti, und in den 50er und 60er Jahren zwischen 70.000 und 80.000. Derzeit wird der nordamerikanische Gesamtbestand auf 700.000 bis 800.000 geschätzt, und jährlich werden 150.000 bis 200.000 Wapitis erlegt.
Drei Umstände haben das Wachstum der Wapitibestände beschleunigt:
  • In den 30er Jahren gab es wiederholt anhaltende Trockenperioden und dementsprechend zahlreiche verheerende Waldbrände. Während diese allgemein viel Schaden anrichteten, halfen sie den wachsenden Herden, indem sie ideale Äsungsgegebenheiten schufen.
  • Die Vernichtung der Wölfe war bis etwa Mitte dieses Jahrhunderts eine weitverbreitete Tätigkeit in vielen Gebieten. Das Ziel dieser Maßnahmen war der Schutz von Haustieren, aber Wapitis und andere Wildtiere waren ebenfalls Nutznießer. In fast allen Wapitieinständen in den USA ist der Wolf verschwunden, und der Grizzly bei fast 90 Prozent von diesen.
  • Die meisten großen Wapitibestände in den USA haben ihre Einstände auf bundeseigenen Ländereien (Bureau of Land Management, National Park Service usw.). Sie erfreuen sich somit gewisser Stabilität in Bezug auf langfristige, progressive Bewirtschaftungsziele. Andererseits ist die Bewirtschaftung von Land unter überregionaler Kontrolle viel labiler und oft von kurzfristigen, politischen Zielen geprägt.
Wapitis sind eine sehr populäre Wildart, weil sie dem Menschen gegenüber sehr tolerant sein können. In National Parks sind sie die große Attraktion. Aber ihr Management ist nicht ohne Probleme. Ihr tolerantes Verhalten gegenüber Menschen, was in Schutzgebieten erwünscht ist, wird oft zum Problem in Gebieten mit Viehzucht und Heuernten. Keine andere Wildart richtet soviel Schaden an. Jährlich müssen in bestimmten Gebieten Wapitis gefangen und abtransportiert oder in Sonderjagden erlegt werden, um Schaden und Kompensations-Zahlungen in Grenzen zu halten.
Biologie
 
Europäische Leser sind mit den biologischen Merkmalen des Rothirsches vertraut. Es erübrigt sich deshalb die des Wapitis in detaillierter Form zu beschreiben. Wir wollen nur kurz auf einige der Unterschiede eingehen.
Wapitis sind große Hirsche. Männliche Stücke erreichen 350 Kilogramm, Tiere 70 bis 80 Prozent davon. Der Roosevelt-Hirsch ist am stärksten, die Tule-Unterart am schwächsten. Jahrelang waren die Roosevelt-Hirsche auf der Afognak-Insel in Alaska Amerikas stärkste Hirsche. Diese Population wurde 1929 gegründet, als man drei Hirsche und fünf Tiere hier aussetzte. Der Bestand erreichte eine Höhe von 1.200 bis 1.500, und während seiner Wachstumsphase wurden hier wiederholt Hirsche mit 400 bis 420 Kilogramm Körpergewicht erlegt. Interessanterweise ist der Roosevelt-Hirsch aber schwächer in der Geweihbildung als der Nelson- oder der Manitoba-Hirsch.
Allgemein erreichen Tiere mit 2,5 Jahren die Geschlechtsreife, aber in gutem Biotop – wie man für viele neueingebürgerte Populationen dokumentierte – werden sie schon als Schmaltiere beschlagen, und unter solchen Gegebenheiten kann die Zwillingsrate bis zu 25 Prozent der Geburten ausmachen. Der Höhepunkt der Setzzeit ist Ende Mai, nach einer Trächtigkeitsperiode von 249 bis 262 Tagen. Bei der Geburt wiegen die Kälber im Schnitt 17 Kilogramm.
Ein Merkmal vieler Wapiti-„Herden“ ist deren jahreszeitliche Wanderung. Dieses Verhalten kann damit erklärt werden, daß die meisten in derzeitigen Beständen Gebirgsbewohner sind. Der Sommer wird in subalpinen Höhenlagen zugebracht, der Winter 500 bis 1000 Meter tiefer in den Tälern. Diese Wintereinstände, auf die die Hirsche bis zu sechs Monate des Jahres angewiesen sind, und die in traditioneller Weise seit vielen Generationen immer wieder aufgesucht werden, sind oft das große Problem in der Bewirtschaftung dieser Wildart.
Es sind diese Täler mit ihrem günstigen Klima und fruchtbaren Böden, wo der Mensch seit Besiedlung des Landes sein ganzes technisches Können und seine Rücksichtslosigkeit gegen die Natur immer wieder unter Beweis stellte. Hier regieren Land- und Forstwirtschaft, hier verschwinden Wildbiotope unter Beton, Asphalt, Sportplätzen oder dem Wasser von Stauseen. Die noch verbleibenden Wintergebiete bestimmen allgemein die Bestandesgrößen, denn Winterfütterung wie in Europa gibt es in Amerika nicht.
Die Ausnahme ist das Jackson Hole-Schutzgebiet südlich vom Yellowstone Park. Hier werden schon seit über 50 Jahren zwischen 8.000 und 12.000 Hirsche gefüttert. Der Grund ist, daß sowohl Yellowstone als auch Teton Park nur Sommereinstände sind. Die ursprünglichen Wintergebiete dieser Hirsche waren schon zur Zeit der Parkgründungen in den Privatbesitz übergegangen.
Diese populäre Fütterung, die eine große Touristenattraktion geworden ist, löst immer wieder heftige Diskussionen zwischen Wildbiologen, Naturschützern und Jägern aus; denn sie ist nach hiesiger Philosophie „unnatürlich“ und sehr teuer. Wiederholt hat man mit dem Gedanken gespielt, sie einzustellen. Aber dann müßte man Tausende von Hirschen abtransportieren, um ein Massensterben zu verhindern.
Jagd
 
Es gibt zwischen 700.000 und 800.000 Wapitis, und jährlich werden etwa 200.000 erlegt. Wapitijagd ist in vielen Gebieten ausländischen Gästen zugänglich, und gute Gelegenheiten bestehen besonders in Alberta, Britisch Kolumbien, Montana, Wyoming, Colorado und Oregon.
Die amerikanische Trophäenbewertung für Hirsche unterscheidet sich wesentlich von der europäischen. Die Boone and Crocket-Formel berücksichtigt Auslage, Stangenlänge, Länge der einzelnen Enden und Stangenumfänge an vier Stellen. Die einzelnen Werte werden in Zoll registriert. Strafpunkte werden abgezogen für Unterschiede zwischen beiden Stangen. Man legt also Wert auf Symmetrie. Für beide Stangen werden dann die Summen ermittelt und zum Auslagewert addiert. Die erreichte Punktzahl kann über 400 betragen. Schönheitspunkte für Farbe oder Perlung gibt es nicht.
Der Ehrgeiz vieler amerikanischer Jäger ist es, eine Trophäe von einer Güte zu erbeuten, die im berühmten Boone and Crocket- Verzeichnis aufgeführt wird. Nach der augenblicklichen Regel muß eine solche Trophäe wenigstens 375 Punkte erreichen, wenn sie von Hirschen der Nelson- oder Manitoba-Unterart stammt, oder 290 Punkte wenn der Träger ein Roosevelt-Hirsch war. Der immer noch geltende Weltrekord mit 442 3/8 Punkten wurde 1899 in Colorado erlegt.
Das Geweih des Wapiti ist stark im Umfang und im Schnitt länger als das Rothirschgeweih. Es erreicht Gewichte von 20 bis 25 Kilogramm. Aber es hat nicht dessen Endenfreudigkeit noch die Perlung. Kronenbildung gibt es selten. Die meisten Hirsche erreichen eine optimale Endenzahl von sechs an jeder Stange. Gelegentlich kommen 14-Ender vor, und 16-Ender sind sehr seltene Ausnahmeerscheinungen. Amerikanische Jäger haben für diese Hirschtypen besondere Namen geprägt. Der 12-Ender ist ein „Royal“ und der 14-Ender ein „Imperial“ Hirsch, während ein 16-Ender zu den „Monarchs“ gehört.
Wo bestehen die besten Möglichkeiten eine starke Trophäe zu erbeuten? Das Boone and Crocket-Rekordbuch ermöglicht, gewisse Schlüsse zu ziehen. Wir haben in der Tabelle die Zahlen der in den einzelnen Regionen erbeuteten Spitzentrophäen zusammen gestellt. Dieses sind Geweihe, die für Nelson- oder Manitoba-Hirsche mehr als 385 Punkte erreichten und mehr als 290 für den Roosevelt-Hirsch. Die Gesamtzahlen waren 98 und 61 für diese beiden Typen, basierend auf der letzten, im Jahre 1988 erschienenen Ausgabe des Rekordbuches.
Starke Hirsche sind in den nördlichsten Vorkommen in Alberta sowie in den südlichsten in Arizona und Neu Mexiko erlegt worden. Allgemein spiegeln diese Zahlen von Spitzentrophäen die Bestandeshöhen wider, aber es gibt Ausnahmen. Alberta hat nur etwa 20.000 bis 25.000 Wapitis, aber die Zahl der hier erlegten Spitzenhirsche ist ähnlich hoch wie in Montana, Wyoming oder Idaho – alles Gebiete mit Bestandeshöhen von 60.000 bis 80.000 Stück. Colorado hat derzeit mit rund 200.000 die meisten Hirsche, aber nur neun der Spitzentrophäen kamen aus diesem Staat. Die Möglichkeit besteht, daß sich hier eine sehr hohe Wilddichte negativ auf die Geweihentwicklung auswirkt.
Überraschend ist ebenfalls, daß Britisch Kolumbien mit seinen rund 20.000 Hirschen nur im Verzeichnis der Roosevelt-Hirsche zu finden ist. Und wenn wir schon über diese reden, gibt es über die Vorrangstellung Oregons kein Zweifel, und dieser Staat ist das bevorzugte Ziel von Gästjägern, für die dieser Hirsch interessant ist.
Wie auch beim Rothirsch ist die Jagd zur Brunftzeit am interessantesten sowie auch am erfolgreichsten. Bejagte Wapitis sind sehr heimlich. Der Hirsch äugt gut, windet und vernimmt ausgezeichnet. Aber wie andere Großwildarten auch, ist er während der Brunft weniger vorsichtig und kann durch Rufen angelockt und erfolgreich bejagt werden.
Im Gegensatz zum Rothirsch ähnelt sein Laut mehr einem Pfiff als einem Schrei, und erfahrene Jäger und Führer können diesen Pfiff sehr naturgetreu nachahmen. Die Brunftzeit erstreckt sich von Mitte September bis Mitte Oktober. Es ist die schönste Jahreszeit für die Jagd, und die Gelegenheit, jetzt auf Wapitis weidwerken zu können, ist ein Höhepunkt im Jägerdasein. Der Schrei der Hirsche ist meilenweit zu hören, besonders in Gebirgseinständen. Die Landschaft präsentiert sich in ihrer herbstlichen Farbenpracht, die Temperaturen sind noch angenehm, aber schon zu kalt für die lästigen Insekten.
Aber es ist nicht immer möglich, zu dieser bevorzugten Zeit jagen zu können. Das Interesse ist groß, und die Wildschutzbehörden versuchen, den Wünschen verschiedener Jägergruppen gerecht zu werden. Es gibt einheimische sowie auswärtige Trophäenjäger, es gibt Bogenschützen und solche, die mit Vorderlader, Pulver und Blei jagen wollen. Für nur an Wildbret Interessierte gibt es besondere Jagdzeiten auf Tiere oder Jungwild, und in bestimmten Gebieten leben Indianerstämme, und diese besitzen Sonderrechte. Man versucht, diese verschiedenen Interessengruppen jagdzeitlich zu staffeln, damit sie sich nicht gegenseitig stören und auch, um die Möglichkeit der Jagdunfälle einzuschränken.
Wenn Jagd zur Brunftzeit nicht möglich ist, sollte man als Alternative eine späte Jagd wählen. Zu der Zeit liegt bereits Schnee, und der Schnee hilft, die Hirsche ausfindig zu machen. Denn die Brunft ist nin vorbei und die Hirsche schreien nicht mehr. Auch sind jetzt schon viele Bestände auf der Wanderung zu den Wintergebieten, und mit etwas Glück kann man seinen Hirsch ohne viel Aufstieg im Tal erlegen.
In den meisten Gebieten wird die Jagd für Gäste mit Pferden durchgeführt. Geländefahrzeuge werden immer populärer, aber die romantische Jagd auf dem Pferderücken ist dieser modernen Methode vorzuziehen.
Über die beste Waffe zur Hirschjagd streiten sich die Experten. Aber da der Wapiti bis zu 400 Kilogramm wiegen kann und im Vergleich zum Elch widerstandsfähiger ist, sollte ein Kaliber von .30-06 mit einem 180 Grain schweren Geschoß die Mindestanforderung sein. Der amerikanische Wapitiexperte und Jagdautor Craig Boddington rät seinen Lesern, daß die Winchester .338 Magnum die beste diesbezüglicheWaffe ist.
Zucht in Gehegen
 
Wenn Wapitihirsche zur Diskussion stehen, muß deren Zucht in sogenannten Game Farms ebenfalls erwähnt werden, denn in bestimmten Staaten der USA und in mehreren kanadischen Provinzen gibt es jetzt mehr dieser Hirsche hinter Gittern als in freier Natur.
Wildtierzucht in Gehegen ist ein sehr umstrittenes Thema in Nordamerika, denn es widerspricht der vorherrschenden Philosophie über Wildmanagement. Es wird für europäische Leser schwierig sein, die Wichtigkeit dieses Problems zu schätzen. In Europa gibt es schon seit Jahrhunderten Gehege, in denen Wild wie Damhirsche oder Sauen gezüchtet werden. Das Wildbret und andere Produkte wie Decken werden verkauft sowie auch Jagdgelegenheiten.
Auch ist es in Europa den Jagdpächtern erlaubt, das Wildbret erlegter Stücke zu verkaufen, und man kann in vielen Restaurants Wildgerichte bestellen. In Amerika ist Wild Allgemeingut. Keine Einzelperson kann Wild besitzen und damit Handel treiben. Das Wildbret erlegter Stücke sowie Decken oder Trophäen können nicht verkauft werden. Ausnahmen sind Handel zwischen zoologischen Gärten oder Wildparks, wo Wildtiere für Besucher oder zur Arterhaltung gezüchtet werden, und nicht für Jagd oder Fleischverkauf.
Diese Gegebenheiten haben sich besonders im letzten Jahrzehnt in vielen Gebieten Nordamerikas geändert. Der Hauptgrund war der hohe Wert von Zuchttieren und Bastgeweihen sowie eine von Krisen heimgesuchte Landwirtschaft, die in der Wildtierzucht ein Allheilmittel sah.
Warum ist die Wapitizucht derzeit so populär, und was sind die Argumente der Jagd- und Tierschutzinteressen, die zum Lager der Opposition gehören? Der Wert der Zuchttiere ist sehr hoch. Schmaltiere kosten 5.000 bis 8.000 US-Dollar, junge Hirsche 3.000 bis 4.000 US-Dollar. Vergleichsweise liegt der Preis bei jungen Rindern um 1.000 bis 2.000 US-Dollar. Auf der letzten Auktion in Alberta (1997) wurde ein Zuchthirsch mit sehr starker Geweihentwicklung für 30.000 US-Dollar verkauft. Der Preis von Wildbret ist ebenfalls bis zu 50 Prozent höher als Rindfleisch.
Derzeit ist der Handel mit Wildbret noch im Anfangsstadium, aber der Handel mit Bastgeweihen, die hauptsächlich nach Ostasien exportiert werden, ist ein wichtiger Pfeiler dieser neuen landwirtschaftlichen Tätigkeit. Bastgeweihe bringen 100 bis 200 US-Dollar pro Kilogramm. Ein starker Hirsch kann somit über eine Zeitdauer von sechs bis acht Jahren jährlich 2.000 bis 3.000 US-Dollar einbringen.
Wapitizucht ist billiger als herkömmliche Rinderzucht, wenn erst die Einzäunungen und Fangvorrichtungen gebaut worden sind. Diese Hirsche sind widerstandsfähiger gegen Krankheiten, den Umweltgegebenheiten – besonders Winterwetter – besser angepaßt, bescheidener in den Nahrungsansprüchen als Rinder oder Schafe, und sie verwerten die Nahrung besser. Letztlich ist Wapitizucht noch in Gebieten möglich, wo herkömmliche Landwirtschaft nicht mehr gewinnbringend ist. Das gilt besonders für die „Randgebiete“ im Norden Kanadas.
Und hier die Argumente der Opposition: Wapitihaltung ist nur lukrativ wegen der derzeitig hohen Preise für Zuchttiere. Wenn dieser Markt erst einmal gesättigt ist, werden die Preise bis auf den Fleischwert fallen. Dann sind viele kleine Betriebe nicht länger rentabel wegen der hohen Kosten der Einzäunung und der Errichtung von Fang- und Handhabungsanlagen. Sie werden wie bereits andere herkömmliche landwirtschaftliche Tätigkeiten nur durch Subventionen überleben können.
Der derzeit hohe Wert dieses Wildes kann zum illegalen Fang von freilebenden Hirschen und deren Verkauf führen und zum Abschuß von Basthirschen ihrer Geweihe wegen. Keine Einzäunung ist vollkommen sicher. Es kommt immer wieder vor, daß Tiere entkommen und sich mit Wild in freier Wildbahn vermischen. Übertragung von Krankheiten und genetische Veränderungen sind logische Folgen.
Besonders die Idee, sogenannte Randgebiete für die Wapitizucht freizugeben, löst in der Jägerschaft heftige Reaktionen aus. Denn diese Randgebiete sind oft die besten noch verbleibenden Wildeinstände. Die noch besseren sind schon vor Jahren dem Pflug zum Opfer gefallen. Letztlich widerspricht kommerzielle Wildtierzucht der nordamerikanischen Philosophie und einer langen und erfolgreichen Tradition über Allgemein- und Privatgut in Sachen Wild. Man ist stolz auf ein System, daß dem normalen Bürger die Teilnahme an der Jagd ermöglicht und diese nicht einer elitären Gruppe vorbehält.
Wildtierzucht erlaubt wiederum einer kleinen Gruppe gut betuchter Landeigentümer, sich an Wild zu bereichern, und dieser Umstand allein bleibt ein Stein des Anstoßes. Noch ist die Wildtierzucht in vielen Gebieten im Anfangsstadium, und es wird noch Jahre dauern bis man ihre permanente Lebensfähigkeit beurteilen kann.
Der Wapiti ist ein enger Verwandter und Artgenosse des europäischen Rothirsches. Einst wurde er als eigene Art (Cervus canadensis) eingestuft, aber heute werden die Rothirsche Europas, die Marale und andere Formen Asiens sowie die Wapitis alle unter Cervus elaphus zusammengefaßt und die regionalen Typen als Unterarten bezeichnet.
Derzeit gibt es noch 23 dieser Unterarten, von denen wenigstens sechs von Ausrottung bedroht sind. Weitere sind bereits ausgerottet worden, unter ihnen zwei Unterarten des Wapitis.
Wie zahlreiche andere Wildarten Nordamerikas – Bär, Wolf, Luchs, Elch, Schaf und Bison – sind sie Einwanderer aus Sibirien. Während der Eiszeit sank der Meeresspiegel erheblich, und zwischen Alaska und Ostsibirien entstand eine Landbrücke. Diese bildete sich wiederholt und erlaubte einen Austausch von Tieren und Pflanzen zwischen der Neuen und der Alten Welt. Der Wapiti ähnelt dem Maral Sibiriens und der Mongolei in Größe und Geweihform, und man kann annehmen, daß diese beiden Hirschtypen die gleichen Vorfahren haben.
Die Unterarten
 
Wapitis besiedelten einst alle jetzigen Staaten der USA mit Ausnahme von Florida, die westlichen Provinzen Kanadas, sowie den nördlichsten Teil Mexikos. Man hat sie in sechs Unterarten eingeteilt:
  • Der östliche Wapiti (C. e. canadensis) hatte seinen Einstand zwischen dem Mississippi und dem Atlantischen Ozean. Er war ein Bewohner der Laubwälder.
  • Den Manitoba-Hirsch ( C. e. manitobensis) fand man im mittleren Westen. Er hatte die Prärie besiedelt.
  • Der Nelson- oder Rocky Mountain-Wapiti (C. e. nelsoni) hatte seinen Einstand im Felsengebirge und angrenzenden Hügellandschaften.
  • Im trockenen Landesinneren Texas und Nordmexikos war der kleine Merriam-Hirsch (C.e.merriami) zu Hause,
  • zwei Wapiti-Typen an der Pazifikküste: In Kalifornien fand man den kleinen Tule-Hirsch (C. e. nannodes)
  • und nördlich davon in Oregon, Washington und Britisch Kolumbien den körperlich sehr starken Roosevelt-Wapiti (C. e. roosevelti).
Die einstige Bestandshöhe dieser Unterart wird auf zehn Millionen geschätzt. Solche Schätzungen sind immer problematisch, denn es ist über 400 Jahre her, seitdem die ersten Europäer sich an der Ostküste ansiedelten und auf die Wildbestände einen Einfluß auszuüben begannen. Diese Schätzungen beruhen hauptsächlich auf Größe des ursprünglichen Einstandes und derzeitige Wapitidichten. Über den Einfluß der Ureinwohner und einem sehr artenreichen Raubwildbesatz weiß man nichts.
Das Schicksal des Wapiti infolge der europäischen Besiedlung Nordamerikas ähnelt dem vieler anderer hiesiger Wildarten. Es gab zunächst Jahrhunderte anhaltender Verfolgungen mit drastischen Reduktionen und Biotopvernichtung, gefolgt von einem langsamen Wiederaufbau in diesem Jahrhundert, besonders seit dem Zweiten Weltkrieg. Ein großer Teil des Lebensraums, möglicherweise bis zu 80 Prozent, verschwand unter dem Pflug oder wurde für die Haustierzucht eingezäunt.
Wichtig war auch eine weitverbreitete, uneingeschränkte kommerzielle Jagd, die erst um die Jahrhundertwende ein Ende fand.
Oft wurden Hirsche nur ihrer Grandeln wegen erlegt. Diese hatten um 1890 einen Wert von 75 US-Dollar, was einem heutigen Wert von über 1000 US-Dollar gleichkommt. Man weiß, daß um 1880 der östliche Wapiti sowie die Merriam-Unterart praktisch ausgerottet und vom Tule-Hirsch in Kalifornien weniger als 500 übriggeblieben waren.
Die Verbreitung des Manitoba-Hirsches in der Prärie war auf kleine Inselbestände beschränkt. Nur der Nelson- und der Roosevelt-Wapiti erfreute sich noch einer gewissen Häufigkeit. Um die Jahrhundertwende wurden dann die ersten Schutzgebiete eingerichtet, die Jagd kontrolliert, Schutzgesetze erlassen und Aufsichtsbeamte eingestellt.
Im Jahre 1922 schätzte man, daß es in Nordamerika noch 90.000 Wapitis gab, von denen 37.000 oder 41 Prozent in Schutzgebieten wie dem Yellowstone National-Park zu finden waren. Die Yellowstone Herde war ein wichtiger Faktor in zahlreichen Wiedereinbürgerungsversuchen in den folgenden Jahrzehnten. Über einen Zeitraum von mehr als 70 Jahren wurden über 15.000 Wapitis im Park gefangen und für fast 300 Ansiedlungsprojekte in fast alle Staaten der USA, nach Kanada, Mexiko und sogar nach Argentinien verschickt.
Diese verschiedenen Maßnahmen hatten den gewünschten Erfolg. Bereits 1937 konnte wieder eine beschränkte Jagd erlaubt werden, und die Strecke belief sich auf 3 378 Hirsche. In den 40er Jahren erlegte man im Schnitt 20.000 Wapiti, und in den 50er und 60er Jahren zwischen 70.000 und 80.000. Derzeit wird der nordamerikanische Gesamtbestand auf 700.000 bis 800.000 geschätzt, und jährlich werden 150.000 bis 200.000 Wapitis erlegt.
Drei Umstände haben das Wachstum der Wapitibestände beschleunigt:
  • In den 30er Jahren gab es wiederholt anhaltende Trockenperioden und dementsprechend zahlreiche verheerende Waldbrände. Während diese allgemein viel Schaden anrichteten, halfen sie den wachsenden Herden, indem sie ideale Äsungsgegebenheiten schufen.
  • Die Vernichtung der Wölfe war bis etwa Mitte dieses Jahrhunderts eine weitverbreitete Tätigkeit in vielen Gebieten. Das Ziel dieser Maßnahmen war der Schutz von Haustieren, aber Wapitis und andere Wildtiere waren ebenfalls Nutznießer. In fast allen Wapitieinständen in den USA ist der Wolf verschwunden, und der Grizzly bei fast 90 Prozent von diesen.
  • Die meisten großen Wapitibestände in den USA haben ihre Einstände auf bundeseigenen Ländereien (Bureau of Land Management, National Park Service usw.). Sie erfreuen sich somit gewisser Stabilität in Bezug auf langfristige, progressive Bewirtschaftungsziele. Andererseits ist die Bewirtschaftung von Land unter überregionaler Kontrolle viel labiler und oft von kurzfristigen, politischen Zielen geprägt.
Wapitis sind eine sehr populäre Wildart, weil sie dem Menschen gegenüber sehr tolerant sein können. In National Parks sind sie die große Attraktion. Aber ihr Management ist nicht ohne Probleme. Ihr tolerantes Verhalten gegenüber Menschen, was in Schutzgebieten erwünscht ist, wird oft zum Problem in Gebieten mit Viehzucht und Heuernten. Keine andere Wildart richtet soviel Schaden an. Jährlich müssen in bestimmten Gebieten Wapitis gefangen und abtransportiert oder in Sonderjagden erlegt werden, um Schaden und Kompensations-Zahlungen in Grenzen zu halten.
Biologie
 
Europäische Leser sind mit den biologischen Merkmalen des Rothirsches vertraut. Es erübrigt sich deshalb die des Wapitis in detaillierter Form zu beschreiben. Wir wollen nur kurz auf einige der Unterschiede eingehen.
Wapitis sind große Hirsche. Männliche Stücke erreichen 350 Kilogramm, Tiere 70 bis 80 Prozent davon. Der Roosevelt-Hirsch ist am stärksten, die Tule-Unterart am schwächsten. Jahrelang waren die Roosevelt-Hirsche auf der Afognak-Insel in Alaska Amerikas stärkste Hirsche. Diese Population wurde 1929 gegründet, als man drei Hirsche und fünf Tiere hier aussetzte. Der Bestand erreichte eine Höhe von 1.200 bis 1.500, und während seiner Wachstumsphase wurden hier wiederholt Hirsche mit 400 bis 420 Kilogramm Körpergewicht erlegt. Interessanterweise ist der Roosevelt-Hirsch aber schwächer in der Geweihbildung als der Nelson- oder der Manitoba-Hirsch.
Allgemein erreichen Tiere mit 2,5 Jahren die Geschlechtsreife, aber in gutem Biotop – wie man für viele neueingebürgerte Populationen dokumentierte – werden sie schon als Schmaltiere beschlagen, und unter solchen Gegebenheiten kann die Zwillingsrate bis zu 25 Prozent der Geburten ausmachen. Der Höhepunkt der Setzzeit ist Ende Mai, nach einer Trächtigkeitsperiode von 249 bis 262 Tagen. Bei der Geburt wiegen die Kälber im Schnitt 17 Kilogramm.
Ein Merkmal vieler Wapiti-„Herden“ ist deren jahreszeitliche Wanderung. Dieses Verhalten kann damit erklärt werden, daß die meisten in derzeitigen Beständen Gebirgsbewohner sind. Der Sommer wird in subalpinen Höhenlagen zugebracht, der Winter 500 bis 1000 Meter tiefer in den Tälern. Diese Wintereinstände, auf die die Hirsche bis zu sechs Monate des Jahres angewiesen sind, und die in traditioneller Weise seit vielen Generationen immer wieder aufgesucht werden, sind oft das große Problem in der Bewirtschaftung dieser Wildart.
Es sind diese Täler mit ihrem günstigen Klima und fruchtbaren Böden, wo der Mensch seit Besiedlung des Landes sein ganzes technisches Können und seine Rücksichtslosigkeit gegen die Natur immer wieder unter Beweis stellte. Hier regieren Land- und Forstwirtschaft, hier verschwinden Wildbiotope unter Beton, Asphalt, Sportplätzen oder dem Wasser von Stauseen. Die noch verbleibenden Wintergebiete bestimmen allgemein die Bestandesgrößen, denn Winterfütterung wie in Europa gibt es in Amerika nicht.
Die Ausnahme ist das Jackson Hole-Schutzgebiet südlich vom Yellowstone Park. Hier werden schon seit über 50 Jahren zwischen 8.000 und 12.000 Hirsche gefüttert. Der Grund ist, daß sowohl Yellowstone als auch Teton Park nur Sommereinstände sind. Die ursprünglichen Wintergebiete dieser Hirsche waren schon zur Zeit der Parkgründungen in den Privatbesitz übergegangen.
Diese populäre Fütterung, die eine große Touristenattraktion geworden ist, löst immer wieder heftige Diskussionen zwischen Wildbiologen, Naturschützern und Jägern aus; denn sie ist nach hiesiger Philosophie „unnatürlich“ und sehr teuer. Wiederholt hat man mit dem Gedanken gespielt, sie einzustellen. Aber dann müßte man Tausende von Hirschen abtransportieren, um ein Massensterben zu verhindern.
Jagd
 
Es gibt zwischen 700.000 und 800.000 Wapitis, und jährlich werden etwa 200.000 erlegt. Wapitijagd ist in vielen Gebieten ausländischen Gästen zugänglich, und gute Gelegenheiten bestehen besonders in Alberta, Britisch Kolumbien, Montana, Wyoming, Colorado und Oregon.
Die amerikanische Trophäenbewertung für Hirsche unterscheidet sich wesentlich von der europäischen. Die Boone and Crocket-Formel berücksichtigt Auslage, Stangenlänge, Länge der einzelnen Enden und Stangenumfänge an vier Stellen. Die einzelnen Werte werden in Zoll registriert. Strafpunkte werden abgezogen für Unterschiede zwischen beiden Stangen. Man legt also Wert auf Symmetrie. Für beide Stangen werden dann die Summen ermittelt und zum Auslagewert addiert. Die erreichte Punktzahl kann über 400 betragen. Schönheitspunkte für Farbe oder Perlung gibt es nicht.
Der Ehrgeiz vieler amerikanischer Jäger ist es, eine Trophäe von einer Güte zu erbeuten, die im berühmten Boone and Crocket- Verzeichnis aufgeführt wird. Nach der augenblicklichen Regel muß eine solche Trophäe wenigstens 375 Punkte erreichen, wenn sie von Hirschen der Nelson- oder Manitoba-Unterart stammt, oder 290 Punkte wenn der Träger ein Roosevelt-Hirsch war. Der immer noch geltende Weltrekord mit 442 3/8 Punkten wurde 1899 in Colorado erlegt.
Das Geweih des Wapiti ist stark im Umfang und im Schnitt länger als das Rothirschgeweih. Es erreicht Gewichte von 20 bis 25 Kilogramm. Aber es hat nicht dessen Endenfreudigkeit noch die Perlung. Kronenbildung gibt es selten. Die meisten Hirsche erreichen eine optimale Endenzahl von sechs an jeder Stange. Gelegentlich kommen 14-Ender vor, und 16-Ender sind sehr seltene Ausnahmeerscheinungen. Amerikanische Jäger haben für diese Hirschtypen besondere Namen geprägt. Der 12-Ender ist ein „Royal“ und der 14-Ender ein „Imperial“ Hirsch, während ein 16-Ender zu den „Monarchs“ gehört.
Wo bestehen die besten Möglichkeiten eine starke Trophäe zu erbeuten? Das Boone and Crocket-Rekordbuch ermöglicht, gewisse Schlüsse zu ziehen. Wir haben in der Tabelle die Zahlen der in den einzelnen Regionen erbeuteten Spitzentrophäen zusammen gestellt. Dieses sind Geweihe, die für Nelson- oder Manitoba-Hirsche mehr als 385 Punkte erreichten und mehr als 290 für den Roosevelt-Hirsch. Die Gesamtzahlen waren 98 und 61 für diese beiden Typen, basierend auf der letzten, im Jahre 1988 erschienenen Ausgabe des Rekordbuches.
Starke Hirsche sind in den nördlichsten Vorkommen in Alberta sowie in den südlichsten in Arizona und Neu Mexiko erlegt worden. Allgemein spiegeln diese Zahlen von Spitzentrophäen die Bestandeshöhen wider, aber es gibt Ausnahmen. Alberta hat nur etwa 20.000 bis 25.000 Wapitis, aber die Zahl der hier erlegten Spitzenhirsche ist ähnlich hoch wie in Montana, Wyoming oder Idaho – alles Gebiete mit Bestandeshöhen von 60.000 bis 80.000 Stück. Colorado hat derzeit mit rund 200.000 die meisten Hirsche, aber nur neun der Spitzentrophäen kamen aus diesem Staat. Die Möglichkeit besteht, daß sich hier eine sehr hohe Wilddichte negativ auf die Geweihentwicklung auswirkt.
Überraschend ist ebenfalls, daß Britisch Kolumbien mit seinen rund 20.000 Hirschen nur im Verzeichnis der Roosevelt-Hirsche zu finden ist. Und wenn wir schon über diese reden, gibt es über die Vorrangstellung Oregons kein Zweifel, und dieser Staat ist das bevorzugte Ziel von Gästjägern, für die dieser Hirsch interessant ist.
Wie auch beim Rothirsch ist die Jagd zur Brunftzeit am interessantesten sowie auch am erfolgreichsten. Bejagte Wapitis sind sehr heimlich. Der Hirsch äugt gut, windet und vernimmt ausgezeichnet. Aber wie andere Großwildarten auch, ist er während der Brunft weniger vorsichtig und kann durch Rufen angelockt und erfolgreich bejagt werden.
Im Gegensatz zum Rothirsch ähnelt sein Laut mehr einem Pfiff als einem Schrei, und erfahrene Jäger und Führer können diesen Pfiff sehr naturgetreu nachahmen. Die Brunftzeit erstreckt sich von Mitte September bis Mitte Oktober. Es ist die schönste Jahreszeit für die Jagd, und die Gelegenheit, jetzt auf Wapitis weidwerken zu können, ist ein Höhepunkt im Jägerdasein. Der Schrei der Hirsche ist meilenweit zu hören, besonders in Gebirgseinständen. Die Landschaft präsentiert sich in ihrer herbstlichen Farbenpracht, die Temperaturen sind noch angenehm, aber schon zu kalt für die lästigen Insekten.
Aber es ist nicht immer möglich, zu dieser bevorzugten Zeit jagen zu können. Das Interesse ist groß, und die Wildschutzbehörden versuchen, den Wünschen verschiedener Jägergruppen gerecht zu werden. Es gibt einheimische sowie auswärtige Trophäenjäger, es gibt Bogenschützen und solche, die mit Vorderlader, Pulver und Blei jagen wollen. Für nur an Wildbret Interessierte gibt es besondere Jagdzeiten auf Tiere oder Jungwild, und in bestimmten Gebieten leben Indianerstämme, und diese besitzen Sonderrechte. Man versucht, diese verschiedenen Interessengruppen jagdzeitlich zu staffeln, damit sie sich nicht gegenseitig stören und auch, um die Möglichkeit der Jagdunfälle einzuschränken.
Wenn Jagd zur Brunftzeit nicht möglich ist, sollte man als Alternative eine späte Jagd wählen. Zu der Zeit liegt bereits Schnee, und der Schnee hilft, die Hirsche ausfindig zu machen. Denn die Brunft ist nin vorbei und die Hirsche schreien nicht mehr. Auch sind jetzt schon viele Bestände auf der Wanderung zu den Wintergebieten, und mit etwas Glück kann man seinen Hirsch ohne viel Aufstieg im Tal erlegen.
In den meisten Gebieten wird die Jagd für Gäste mit Pferden durchgeführt. Geländefahrzeuge werden immer populärer, aber die romantische Jagd auf dem Pferderücken ist dieser modernen Methode vorzuziehen.
Über die beste Waffe zur Hirschjagd streiten sich die Experten. Aber da der Wapiti bis zu 400 Kilogramm wiegen kann und im Vergleich zum Elch widerstandsfähiger ist, sollte ein Kaliber von .30-06 mit einem 180 Grain schweren Geschoß die Mindestanforderung sein. Der amerikanische Wapitiexperte und Jagdautor Craig Boddington rät seinen Lesern, daß die Winchester .338 Magnum die beste diesbezüglicheWaffe ist.
Zucht in Gehegen
 
Wenn Wapitihirsche zur Diskussion stehen, muß deren Zucht in sogenannten Game Farms ebenfalls erwähnt werden, denn in bestimmten Staaten der USA und in mehreren kanadischen Provinzen gibt es jetzt mehr dieser Hirsche hinter Gittern als in freier Natur.
Wildtierzucht in Gehegen ist ein sehr umstrittenes Thema in Nordamerika, denn es widerspricht der vorherrschenden Philosophie über Wildmanagement. Es wird für europäische Leser schwierig sein, die Wichtigkeit dieses Problems zu schätzen. In Europa gibt es schon seit Jahrhunderten Gehege, in denen Wild wie Damhirsche oder Sauen gezüchtet werden. Das Wildbret und andere Produkte wie Decken werden verkauft sowie auch Jagdgelegenheiten.
Auch ist es in Europa den Jagdpächtern erlaubt, das Wildbret erlegter Stücke zu verkaufen, und man kann in vielen Restaurants Wildgerichte bestellen. In Amerika ist Wild Allgemeingut. Keine Einzelperson kann Wild besitzen und damit Handel treiben. Das Wildbret erlegter Stücke sowie Decken oder Trophäen können nicht verkauft werden. Ausnahmen sind Handel zwischen zoologischen Gärten oder Wildparks, wo Wildtiere für Besucher oder zur Arterhaltung gezüchtet werden, und nicht für Jagd oder Fleischverkauf.
Diese Gegebenheiten haben sich besonders im letzten Jahrzehnt in vielen Gebieten Nordamerikas geändert. Der Hauptgrund war der hohe Wert von Zuchttieren und Bastgeweihen sowie eine von Krisen heimgesuchte Landwirtschaft, die in der Wildtierzucht ein Allheilmittel sah.
Warum ist die Wapitizucht derzeit so populär, und was sind die Argumente der Jagd- und Tierschutzinteressen, die zum Lager der Opposition gehören? Der Wert der Zuchttiere ist sehr hoch. Schmaltiere kosten 5.000 bis 8.000 US-Dollar, junge Hirsche 3.000 bis 4.000 US-Dollar. Vergleichsweise liegt der Preis bei jungen Rindern um 1.000 bis 2.000 US-Dollar. Auf der letzten Auktion in Alberta (1997) wurde ein Zuchthirsch mit sehr starker Geweihentwicklung für 30.000 US-Dollar verkauft. Der Preis von Wildbret ist ebenfalls bis zu 50 Prozent höher als Rindfleisch.
Derzeit ist der Handel mit Wildbret noch im Anfangsstadium, aber der Handel mit Bastgeweihen, die hauptsächlich nach Ostasien exportiert werden, ist ein wichtiger Pfeiler dieser neuen landwirtschaftlichen Tätigkeit. Bastgeweihe bringen 100 bis 200 US-Dollar pro Kilogramm. Ein starker Hirsch kann somit über eine Zeitdauer von sechs bis acht Jahren jährlich 2.000 bis 3.000 US-Dollar einbringen.
Wapitizucht ist billiger als herkömmliche Rinderzucht, wenn erst die Einzäunungen und Fangvorrichtungen gebaut worden sind. Diese Hirsche sind widerstandsfähiger gegen Krankheiten, den Umweltgegebenheiten – besonders Winterwetter – besser angepaßt, bescheidener in den Nahrungsansprüchen als Rinder oder Schafe, und sie verwerten die Nahrung besser. Letztlich ist Wapitizucht noch in Gebieten möglich, wo herkömmliche Landwirtschaft nicht mehr gewinnbringend ist. Das gilt besonders für die „Randgebiete“ im Norden Kanadas.
Und hier die Argumente der Opposition: Wapitihaltung ist nur lukrativ wegen der derzeitig hohen Preise für Zuchttiere. Wenn dieser Markt erst einmal gesättigt ist, werden die Preise bis auf den Fleischwert fallen. Dann sind viele kleine Betriebe nicht länger rentabel wegen der hohen Kosten der Einzäunung und der Errichtung von Fang- und Handhabungsanlagen. Sie werden wie bereits andere herkömmliche landwirtschaftliche Tätigkeiten nur durch Subventionen überleben können.
Der derzeit hohe Wert dieses Wildes kann zum illegalen Fang von freilebenden Hirschen und deren Verkauf führen und zum Abschuß von Basthirschen ihrer Geweihe wegen. Keine Einzäunung ist vollkommen sicher. Es kommt immer wieder vor, daß Tiere entkommen und sich mit Wild in freier Wildbahn vermischen. Übertragung von Krankheiten und genetische Veränderungen sind logische Folgen.
Besonders die Idee, sogenannte Randgebiete für die Wapitizucht freizugeben, löst in der Jägerschaft heftige Reaktionen aus. Denn diese Randgebiete sind oft die besten noch verbleibenden Wildeinstände. Die noch besseren sind schon vor Jahren dem Pflug zum Opfer gefallen. Letztlich widerspricht kommerzielle Wildtierzucht der nordamerikanischen Philosophie und einer langen und erfolgreichen Tradition über Allgemein- und Privatgut in Sachen Wild. Man ist stolz auf ein System, daß dem normalen Bürger die Teilnahme an der Jagd ermöglicht und diese nicht einer elitären Gruppe vorbehält.
Wildtierzucht erlaubt wiederum einer kleinen Gruppe gut betuchter Landeigentümer, sich an Wild zu bereichern, und dieser Umstand allein bleibt ein Stein des Anstoßes. Noch ist die Wildtierzucht in vielen Gebieten im Anfangsstadium, und es wird noch Jahre dauern bis man ihre permanente Lebensfähigkeit beurteilen kann.
Hansgeorg Arndt

Hansgeorg Arndt

Hirsch
Schwer trägt der Hirsch an der zusätzlichen Last.
Hansgeorg Arndt


Bilder:

Jackson-Hole-Schutzgebiet Hirsch mit Brunftrudel

Hansgeorg Arndt


[ Spitzentrophäen ]

Foto: Hansgeorg Arndt, Karl Leßmann

Hansgeorg Arndt

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