Simbabwe aktuell

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Simbabwe im Sommer 2002. Ein Leser war zur Jagd in dem einstigen Jagd-Paradies. Hier seine Eindrücke von dem krisengeschüttelten Land. Ist Jagen überhaupt noch möglich?

Unterschiedliche Eindrücke aus dem Land zwischen Limpopo und Sambesi. Hier unvorstellbare Wilderei, anderswo gute Wildbestände und von Chaos keine Spur.
Von Dr. Volker Döring
Wer seit mehreren Jahren immer wieder nach Simbabwe zur Jagd fährt, zahlreiche private Freundschaften geschlossen hat und Simbabwe in der Blüte erlebt hat, der wollte es wie ich bis vor dem letzten Aufenthalt im Juli und August 2002 einfach nicht glauben, dass dieses Land in vielerlei Hinsicht dem Ende entgegen geht.

Ich hatte mich bis zu diesem Zeitpunkt dem Optimismus (es kann eigentlich nur besser werden) meiner Freunde angeschlossen und gehofft. Doch seit den jüngsten Erlebnissen im Land müssen meine mitgereisten Freunde und ich diesen Optimismus aufgeben.

Nach Ankunft im neuen, luxuriösen Robert-Mugabe-Flughafen, der zum großen Teil mit deutscher Hilfe gebaut worden ist, und zügiger, problemloser Abfertigung, erwartet den Gast nicht mehr eine stundenlange Fahrt durch das Verkehrschaos von Harare: Bei der heutigen Verkehrs„dünne“ kommt man zügig voran nach Norden in die Konzessionsjagdgebiete. Unser Ziel ist das staatliche Konzessionsgebiet Omay am Lake Kariba.

Mir ist es nach mehreren Aufenthalten dort gut bekannt. Schon bei dieser recht langen Fahrt über das Land fällt auf, dass fast alle ehemaligen landwirtschaftlichen Nutzflächen brach liegen oder mit unendlich vielen Hütten bebaut sind, die wiederum von Hunderten von Ziegen umkreist werden.

Auffallend überall im Land sind kleine Baumwoll-Felder, die offensichtlich nicht abgeerntet wurden (warum?). Die Baumwolle liegt auf dem Boden. Davon wird ein Volk nicht satt!

Allerdings sieht man überall große LKW-Trucks mit der Aufschrift „World Food Programm“, die mit Mais beladen sind. Es ist sicherlich menschlich, dass der Rest der Welt dieses Land vor einer beginnenden Hungersnot bewahren will, erscheint aber schizophren in Anbetracht der Tatsache, dass dieses Land einst die Getreidekammer des südlichen Afrikas war. Eingeborenen-Stämme, die Robert Mugabe nicht wohlgesonnen sind, profitieren übrigens nicht von diesem Ernährungshilfe-Programm. Schon jetzt verhungern Menschen dieser Stämme!

Die erste Jagd

Die Autofahrt nach Norden, der anschließend kurze Flug zum Hotel Kariba, das seit Monaten leer steht, und die romantische Bootsfahrt in der Abenddämmerung über den Lake Kariba zum Camp verlaufen ohne jegliche Sicherheitsprobleme. Die Hoffnung und der Glaube, einmal wieder im jagdlichen Paradies zu sein, zerschlägt sich allerdings schnell.

Hatte man vor zwei Jahren noch wirklich sehr viel Wild gesehen, besonders gegen Abend an den Ufern des Lake Kariba, um so trauriger ist es jetzt. Bei den Plains Game-Arten ist das Vorkommen mehr als spärlich, Elefanten und Büffel sind rar.

Diese Büffeljagd ist für alle Beteiligten eine der härtesten Jagden überhaupt. Der Erfolg tritt zwar ein, aber er wird sehr schwer erkämpft, was ja letztlich das Jagd-Erlebnis vertieft.

Löwen werden zahlreich gefährtet, die Erklärung dafür liegt im Busch in Form von in Schlingen getötetem Wild. Wenn man bedenkt, wie klein die Fläche ist, die bei einer mehrstündigen Pirsch abgelaufen wird, und dann die zahlreichen aufgefundenen Schlingen auf die eine Million Hektar große Fläche des Jagdgebietes projiziert, dann braucht man sich nicht zu wundern, dass man nur noch wenig Wild sieht.

Die Wilderei hat ungeahnte Ausmaße angenommen, kein Wunder: Das Volk hat Hunger!

Auf zur zweiten Safari

Nach acht Tagen dann der Wechsel in ein anderes Jagdgebiet, privates Farmland in der Nähe von Cinhoy, wo sich ein paar Farmer zu einer Conservancy zusammengeschlossen haben und die Jagd an Berufsjäger und Safariunternehmer verkaufen. Nach den Berichten aus der Presse und den Erfahrungen im Omay-Konzessionsgebiet erwarten wir nichts Gutes. Doch wir werden eines anderen belehrt. Noch nie haben wir so viel Wild wie in diesem Gebiet gesehen. Alles ist vertreten, und der Jagd-Erfolg stellt sich erwartungsgemäß schnell ein.

Dass es Fleisch gibt, haben allerdings auch Mitglieder einer Bande mitbekommen, die prompt auf der Farm erscheinen mit der Behauptung, sie kämen im Regierungsauftrag, um das Fleisch, das für die Arbeiter und deren Familien bestimmt ist, zu kassieren. Schnell wird diese Behauptung als Lüge entlarvt, was aber die unangenehme Situation nicht gerade entspannt.

Berichten der Farmer entnehmen wir, dass sich derartige Ereignisse in letzter Zeit häufen und diese Banden inzwischen mit hetzenden Hunden vermehrt wildern. Auch hier muss befürchtet werden, dass dieses heute noch hervorragende Jagd-Gebiet in Kürze wildleer sein wird. Auch die bisher optimistischen Farmer haben diesbezüglich keine Hoffnung mehr. Dass am Ende der Safari, nach dem Einchecken in Harare, eine hochwertige Jagdwaffe nebst Wechsellauf wahrscheinlich für immer verschwunden ist, hat die Sehnsucht nach einer erneuten Jagd in Simbabwe nicht gerade verstärkt.

Es muss darauf hingewiesen werden, dass diese aktuellen Erlebnisse und Erfahrungen sich ausschließlich auf die angegebenen Gebiete beziehen und nicht zu verallgemeinern sind.

Doch die Hoffnung auf bessere Zeiten für Wild und Jagd in Simbabwe habe ich für die nähere Zukunft eingefroren. Schade!

 
 
Link zum Auswärtigen Amt
Hier finden Sie umfassende Informationen zum Land und zur Anreise, darunter auch Sicherheitshinweise.
Hansgeorg Arndt

Hansgeorg Arndt


 
Fotos: Karl-Heinz Lehmann, Jörg Eder
Hansgeorg Arndt