Tierpräparate dienen der Forschung

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Ente, Affe oder Bär – Präparate, die bei vielen Jägern und Sammlern an der Wand prangen, haben Wissenschaftler jetzt für seuchenkundliche Studien entdeckt.

 

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Wissenschaflter entdecken Trophäen für die Seuchenforschung. Foto: Frank Rakow
Tierpräparate mögen verstauben und allmählich unansehnlich werden. Doch Federn, Haut und Haare bilden wertvolle Archive. Denn sie beherbergen Untermieter wie Bakterien oder Viren. Mit modernen Methoden entlocken Chemiker und Molekularbiologen den Verstorbenen nun ihre Geheimnisse. Ein Grippeforscher fand an Enten von 1916 beispielsweise heraus, dass sich die Erreger der spanischen Grippe schon damals in Vögeln veränderten und so direkt auf den Menschen übertragen werden konnten.
 
Über diese „Museumsgenomic“ genannte Erbgutuntersuchung gelang es einem französchen Forscherteam zu klären, wieso eine seltene Rattenart auf der Weihnachtsinsel ausstarb. Ratten, die nach 1899 gesammelt wurden, hatten einen durch Flöhe übertragenen Krankheitserreger, der bei Menschen die Schlaf- und Chagaskrankheit auslöst. Alle Präparate, die aus der Zeit von vor 1899 stammten, waren jedoch „gesund“. Nun vermuten die Wissenschaftler, dass europäische Schiffsraten um 1899 die Insel mit dem Erreger verseuchten.
Angesichts der wertvollen Informationen, die Bälge, Trophäen und Präparate in und auf sich tragen, sollten Jäger ausgediente Stücke ihrer Sammlungen nicht gedankenlos der Mülltonne überlassen.  
sd
 


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