Wiesenweihen sind keine Nomaden

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Eine Forschungspreisträgerin der Deutschen Wildtierstiftung brachte aus Afrika jetzt neue Erkenntnisse zu den seltenen Bodenbrütern mit.

 

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Rastet dort, wo sie Lerchen findet: die Wiesenweihe. Foto: Horst Niesters
Bisher dachten Ornithologen, dass die seltenen Wiesenweihen als Generalisten eine Vielzahl von Rastplätzen beim Zug in ihre Winterquartiere nutzen können. Dr. Christiane Trierweiler fand jedoch heraus, dass die Reisenden bei ihrem Zwischenstop im Osten Marokkos nur einige wenige Lebensräume aufsuchen. Sie tanken dort gezielt Energie auf, wo sie Lerchen und andere Kleinvögel finden.
 
Die Biologin reiste den besenderten Greifen auf ihrem Weg in die Sahelzone nach und fand die Langstreckenflieger in den offenen Steppen Ost-Marokkos. Dort untersuchte sie die Gewölle der Wiesenweihen und konnte aus den Resten der Knochen sowie Federn auf die Hauptspeise der Rastenden schließen: Lerchen. Insgesamt neun Lerchenarten kommen in dem ca. 3000 Meter über NN liegenden Hochplateau beim Atlasgebirge vor, das annähernd so groß wie die Niederlande ist. Es wird der Wissenschaftlerin zufolge von den Weihen gezielt als Zwischenstop aufgesucht.
 
In Deutschland brüten etwa 300 Paare dieser seltenen Greifvogelart. Als Bodenbrüter sind sie gefährdet, da ihre typischen Horstplätze – Heuwiesen, Moore, Weiden – durch Intensivierung der Landwirtschaft selten werden. In Äckern liegende Brutplätze werden meist bei der Ernte zerstört. Als Generalisten ernähren sich die Greife von Kleinsäugern, Vögeln, Eiern, Reptilien und Insekten. Nach den neuen Erkenntnissen ist es für die Arterhaltung wichtig, alle im Jahreslauf ausgesuchten Lebensräume der Wiesenweihen international zu schützen.  sd