Leserreise Südafrika 2004

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Buschböcke und blonde Sauen – Buschböcke, Buschschweine und die Jagd auf den Karakal haben die Reise zu einem einmaligen Erlebnis gemacht. Die sonnige Region am Ostkap hat viele Reize

Gleich am ersten Morgen klappte es mit einem knuffigen, alten Bock.
Natürlich hatte ich im Vorfeld der Reise von einer Änderung bei der Waffeneinfuhr erfahren, aber wie es manchmal in Afrika so üblich ist, war nicht herauszubekommen, was sich denn genau verändert haben würde. Klar war nur eines: Geduld war bei der Einreise gefragt.

Da wir von Johannesburg noch nach Port Elizabeth in die Nähe unserer Jagdgebiete weiterfliegen mussten, hatten wir vorsorglich einen späteren Anschlussflug gebucht. Mit unserem deutschen Vermittler hatte ich vorab alle Eventualitäten besprochen, es konnte also eigentlich nichts schiefgehen. Aber was heißt schon eigentlich?

Vor Ort war dann letztlich alles halb so wild wie befürchtet. Die zwei Dienst habenden Beamten waren freundlich und bearbeiteten unsere Anträge, so schnell es ging. Auch sie konnten es nicht verstehen, warum das neue, viele Seiten starke Dokument eingeführt worden war, da es länger, umständlicher auszufüllen, kundenunfreundlich und im Grunde überflüssig ist. In solchen Momenten muss man sich schlichtweg einbläuen, dass Deutschland hinter einem liegt, man fast am Ziel ist und spannende Jagd auf einen wartet. Also, immer auf die helle Seite schauen. Man ist in Afrika angekommen!

Wer anfängt zu meckern, um die Dinge zu forcieren, erreicht unweigerlich eines: Die Dinge werden sich verlangsamen. Ablauf und Organisation unserer Leserreisen haben zwar immer den höchsten Anspruch, aber manchmal muss man sich eben fügen und es so nehmen, wie es kommt. Letztlich hatten wir nur rund anderthalb Stunden verloren, und in Port Elizabeth nahmen uns unsere Jagdführer in Empfang. Es konnte also losgehen.

Heilklima

Den großen Teich quasi zum Greifen nah, liegt unsere Lodge in Sichtweite des Indischen Ozeans. Port Alfred haben wir hinter uns gelassen, um nach einer knappen halben Stunde Fahrt im Jagdgebiet anzukommen. Immergrüner, undurchdringlicher Busch wechselt sich mit offenen, landwirtschaftlich genutzten Flächen ab. Zum Ozean hin wird die Vegetation niedriger und nimmt den typischen Fynbos-Charakter an. Immer wieder sehen wir schwarzbuntes Milchvieh auf den Wiesen und Getreideflächen, die gerade auflaufen.
Das Gelände ist hügelig, die Anhöhen bilden mit dem dornenbewehrten Busch unbepirschbare Bastionen für Buschböcke, Buschschweine, Grauducker und Karakale. Schon auf der Fahrt zum Haupthaus sehe ich die ersten weiblichen Buschböcke am Bestandesrand stehen. Hellrot leuchten die Decken der sonnenbeschienen weiblichen Stücke in der Ferne. Trotz Müdigkeit wegen der langen Anreise geht das Gefühlsbarometer bei diesem Anblick sofort steil nach oben.
Dann kommt das Farmhaus in Sicht, wir sind da. Wimpie, der junge, aber schon sehr erfahrene Berufsjäger heißt uns noch einmal willkommen. Die Farm ist in Besitz seiner Familie, er ist hier aufgewachsen und bestens mit Wild und Wald ? Schrägstrich Busch ? vertraut. Wir nehmen unsere Zimmer, eine Dusche und eine Mütze Schlaf…
Nachmittags, nach einer Tasse Kaffee, geht es dann ans Anschießen der Waffen. Kurz hinter dem Farmhaus steht ein Anschussbock unter einem Baum an einer Wiese. Schnell ist der vorbereitete Pappkarton aufgebaut. Alles passt, die Büchsen schießen geradeaus. Und das ist auch gut so, denn der Karton wird zur linken auf 20 Gänge von einem Pferd und zur rechten auf vielleicht 25 Schritt von einem der Berufsjäger eingerahmt… Die Schützenstreuung hält sich bewiesenermaßen in Grenzen.
Im Grunde ist der Nachmittag, der schon beginnt, längere Schatten zu werfen, dafür vorgesehen, uns zu akklimatisieren und uns auf den morgigen Jagdtag vorzubereiten. Aber bei der Jagd ist nunmal eines sicher: Nichts ist sicher! Wimpies Vater, ein pensionierter Lehrer, der noch einen großen Farmbetrieb leitet und zudem ein hochpassionierter Buschbock-Jäger ist, hat bei einer Fahrt durchs Revier einen sehr guten Bock gesehen und sofort Wimpie Bescheid gegeben. Chancen muss man nutzen und schon geht die Pirsch für einen aus der Gruppe los.
Udo aus Bayern ist der Glückliche. Schnell ist er mit seinem Berufsjäger in Richtung der beschriebenen Stelle unterwegs. Wir anderen machen uns unterdessen mit den Spezialitäten südafrikanischer Rebenkunst auf der Außenterrasse der Lodge vertraut.
Kaum dass wir aber einen auch nur kleinen Blick auf die landestypischen Rebsorten und ihren Geschmack geworfen haben, kommt der Jeep mit Udo zurück. Das ging ja schnell, dachte ich noch, aber es muss ja nicht am ersten Tag klappen. Dann geht die Jeeptür auf, und als ich Udos Gesicht sehe, werde ich doch neugierig.
Tatsächlich, das ist ja der Wahnsinn! Udo hat Waidmannsheil gehabt. Auf der Pritsche liegt ein Buschbock, und was für einer. Eng gestellt und lang sind die Hörner des ersten Buschbockes der Leserreise. Eine gute, ausgereifte Trophäe trägt der alte Bock. Ein Auftakt nach Maß, hatte der Bock doch tatsächlich noch an der Stelle geäst, an der Wimpies Vater Willie ihn bestätigt hatte. Die Pirsch hat geklappt und Udo den Bock sauber gestreckt. Beim Abendessen stoßen wir gemeinsam an und freuen uns auf die kommenden Tage.

Ein guter Buschschwein-Keiler. Alte Keiler wie dieser haben am Wurf Warzen, die Waffen sind kurz und dick.

Teil 2

Jeder Auslandsjäger hat wohl so seine speziellen Wildarten und Träume, die er sich im Laufe seines Lebens erfüllen möchte. Bei mir sind es, neben, zugegeben einigen anderen, die Drehhornantilopen im Speziellen und der afrikanische Kontinent im Allgemeinen.
Die in Südafrika vorkommende Buschbock-Unterart Tragelaphus scriptus sylvaticus, mit dem schönen Zusatz sylvaticus – Wald, besticht duch die dunkle Färbung der Decke bei den Böcken. Fast schwarz erscheint diese, auf der sich die weißen Punkte an den Läufen und hinten, tief auf der Keule deutlich abheben. Der Zusatz Wald, bezieht sich aber wohl in diesem Teil Südafrikas eher auf die undurchdringlich dichten immergrünen Vegetationsformen, als auf Wald in unserem Sinne.
Deutlich tritt der Kontrast der Böcke zu den weiblichen Stücken mit ihrer roten Decke hervor. Auch für das ungeübte Auge ist das Geschlecht sofort klar anzusprechen und mit etwas Erfahrung kann man einen starken Bock sofort als solchen identifizieren.
Beim Abendessen unterhalte ich mich mit Willie, dem Vater unseres verantwortlichen Berufsjägers Wimpie. Schnell höre ich heraus, dass er erfahren und passioniert ist. Besonders, als er von angeschweißten Buschböcken erzählt, werde ich hellhörig.
„Their eyes, when they are wounded, become green of anger. Even in daytime!“, erzählt Willie und sieht mich dabei eindringlich an. Gern lausche ich seinen Berichten, denn jetzt platzt seine ganze Buschbockpassion förmlich aus ihm heraus. Hunderte hat er im Laufe seines Jägerlebens in dieser Gegend geschossen. Auch der Große Kudu und das Nyala kommen am Ostkap schon seit jeher vor, und auch diese Wildarten schätzt er sehr, doch besonders der wehrhafte Buschbock hat ihn schon immer am meisten fasziniert.
Zwei seiner Freunde hat er in dieser Gegend durch angeschossene Buschböcke verloren. Beide wurden sie von den angeschweißten Böcken auf die messerscharfen Spitzen der Hörner genommen und so heftig attackiert, dass sie ihr Leben ließen. Noch im Busch erlag der eine den Forkel-Verletzungen, der andere starb im Krankenhaus.
Meinem vielleicht etwas zweifelndem Blick hält Willie stand, ich glaube ihm. „If they don´t die immediately, you got a problem in our dense bush. I tell you, green in daytime…“
Am Morgen breche ich mit PH Johann auf, nachdem alle anderen aus der Gruppe mit ihren Berufsjägern in den Busch gezogen sind. Wir wollen in ein größeres, dichtes, grünes Buschgebiet, das von breiten Schneisen durchzogen ist. Um dort hinzukommen, muss noch ein kurzes Stück Asphaltstraße zurückgelegt werden. Palavernd sitzen wir im Auto, als uns plötzlich ein dunkler Punkt, weit entfernt am Buschrand auffällt.
Der schwarze Wildkörper lässt nur einen Schluss zu: Buschbock. Schon steht das Auto neben dem Asphalt, Staub wirbelt auf, als der Wagen schlitternd zum Stehen kommt. Schnell sind die Gläser an den Augen und wir schauen angestrengt nach dem sicher anderthalb Kilometer entfernten Bock.
„Ok, wir probieren das. Das gehört zum Jagdgebiet dazu. Vielleicht ist es ein alter Knabe“, sagt Johann. Wir hatten vorher besprochen, wie ich jagen wollte, und dass ich Wert lege auf einen alten Bock, ungeachtet der Trophäenstärke, ist klar.
Das Gelände ist schnell sondiert und wir fahren noch einige Meter bis zum gegenüberliegenden Bestandesrand, wo wir das Auto stehen lassen. Repetieren, sichern, das Zweibein gefasst und die Pirsch beginnt. Mit schnellen Schritten, sockenlos in den typischen Halbschuhen aus Kuduleder, geht Johann in kurzen Hosen vorneweg. Immer dicht am dornenbewehrten Busch entlang führt unser Weg in Richtung Bock. Sehen können wir ihn schon lange nicht mehr, aber um an ihn heranzukommen, können wir nur diesen einen Weg einschlagen.
Wir haben Glück, der Wind passt. Als wir uns um eine Ecke am Busch herumtasten, sind es nur noch gute 250 Meter bis zu der Stelle, an der wir den Bock ausgemacht hatten. Eine kleine Nase am Bestandesrand ragt ins Feld hinaus, gibt uns die nötige Deckung. So gewinnen wir noch weitere wertvolle Meter, können die Distanz deutlich verkürzen. Dort angelangt schieben wir uns Zentimeter um Zentimeter ins Freie, um mit einem Mal zu erstarren. Tatsächlich! Der Bock steht noch an derselben Stelle, kaum 100 Meter entfernt. Mein Puls beschleunigt sich.
Wir fixieren den Bock mit den Gläsern, als dieser mit einem Mal ruckartig aufwirft und uns aus seinen dunklen Lichtern heraus nunmehr seinerseits fixiert. Jetzt bloß keine Bewegung, zu nah sind wir schon, als dass er uns bei dem kleinsten Mucks nicht mitbekommen würde.
Minuten verstreichen, allmählich wird mir meine verdrehte Haltung unbequem und die angespannten Muskeln fangen das Zucken an. Lange kann ich so nicht mehr verharren. Doch dann macht der Bock ein paar Schritte zur Seite, beginnt zu äsen. „Nicht kapital, aber sehr alt“, flüstert Johann und schon sucht der Zielstachel das Blatt. Ich liege flachgestreckt auf dem Acker, versuche die Ellenbogen so hoch wie möglich aufzurichten, weil ich leicht bergauf schießen muss. Der Bock steht, zeigt uns aber nur den Spiegel. Jetzt habe ich Zeit, will noch warten, bis er mit dem Haupt vom Busch weg steht.
Wieder verstreicht die Zeit und wieder tut sie das viel zu langsam. Dann dreht sich der Wildkörper, zeigt mehr und mehr von der Schulter. Noch steht der Bock halbspitz, deutlich ist zu erkennen, wie sich Falten am Träger werfen. Eine letzte kleine Drehung, der Bock zeigt seine Breitseite. Den peitschenden Schuss durch beide Blätter quittiert er mit einer schnellen Flucht, fängt sich in der ersten Bodenwelle, überschlägt sich Staub aufwirbelnd, dreht sich, versucht den Bestand anzufliehen und geht zu Boden.
Eine kurze Zeit hat er das Haupt noch oben, dann sinkt es zur Seite und der Bock ist verendet. Erstaunen ob der Schusshärte weicht langsam meiner Freude. Ein kräftiger Hieb von Johann auf die Schulter hilft ein wenig nach und dann fallen die beklemmenden Gefühle von mir ab. Alles ist so schnell gegangen, erster Tag, erste Pirsch und schon stehe ich vor meinem Bock.
Alt ist er wirklich, die Hornbasis schon teilweise weggeplatzt und brüchig. Kurz und knuffig drehen sich seine Hörner von der Stirn weg. Ich bin glücklich über den Bock.

Teil 3

Während der folgenden Tage haben alle Jäger unserer Gruppe viel Anblick und am vierten Tag liegen alle unsere Buschböcke! Auch vier Buschschweine sind gefallen, darunter zwei gute Keiler. Fehlt eigentlich nur noch ein Karakal. Uwe ist derjenige, der unbedingt ein Pinselohr erbeuten möchte. Seine Jagd werde ich begleiten, wir müssen eine knappe Stunde fahren, um ins Karakal-Gebiet zu gelangen.
 Also warten wir auf die Nachricht vom PH Rex, der mit seiner Meute die Sandwege nach frischen Spuren absucht und im gegebenen Fall Bescheid gibt. In den vergangenen Tagen hatte es allerdings so stark geweht, dass die Spuren nicht lang hielten und sich nichts tat. Am vorletzten Tag ist es aber soweit. Endlich kommt der ersehnte Anruf und im Laufschritt brechen wir unsere Buschbock-Pirsch ab, rennen gut 20 Minuten was die Lungen hergeben zum abgestellten Auto und los geht´s.
Die Fahrt ist halsbrecherisch schnell. Wir rasen über Teerstraßen, ich halte Ausschau nach Polizeikontrollen am Wegesrand, dann biegen wir ab, rasen unvermindert schnell über Gravelroads. Wenn der Wagen jetzt ausbricht, falls Gegenverkehr in den für unsere Geschwindigkeit viel zu engen Kurven auftauchen sollte, dann hätte ich wohl besser mein Testament etwas früher gemacht…
Dann treffen wir Rex. Er ist ein Engländer gestandenen Alters und mir sofort hochgradig sympatisch. In Südafrika genießt er den Ruf des landesweit besten Grauducker- und Karakaljägers. Ein freundlicher Mensch, aufgeschlossen und jagdverrückt. Seine alte Westley & Richards-Doppelflinte hat nur noch letzte Reste an Brünierung vorzuweisen, ist aber trotzdem gepflegt und stilvoll. Als wir mit Uwe vom Wagen klettern, um zu verhören, wo die Hunde den Karakal gestellt haben, klingt uns in weiter Ferne dumpfer Standlaut entgegen.
Rex nickt und wir marschieren los. Ohne Rücksicht auf Klamotten geht es durch den Busch. Immer wieder halten die Dornen uns fest, reißen die Hosenbeine auf und zerschrammen die Haut. Der Standlaut verändert sich nicht, wir gewinnen wertvolle Meter. Bald sind wir nur noch 100 Meter entfernt, dann noch 50 oder 60. Plötzlich wird das Hundegeläut drei Oktaven höher, die einzelnen Stimmen überschlagen sich und entfernen sich in einer lauten Bail. Die Katze hat nicht gehalten, ist vom Baum. Mist!
Ruhe, gespenstische Ruhe herrscht mit einem Mal. Kein Laut ist zu hören, die Hoffnung sinkt. Sollte alles schon wieder vorbei sein? Schulterzuckend stehen wir im dichten Busch. Minuten vergehen. Da, ein Hund schlägt wieder an, verstummt, wird wieder laut. Ein zweiter Hund fällt mit ein, das Geläut nimmt eine stete Richtung an und wird voller. Hoffnung keimt in uns auf. Dann ist die Meute anscheinend wieder dran. Wir im Laufschritt hinterher.
Äste peitschen ins Gesicht, Füße verlieren ihren Halt. Dann hören wir Standlaut. Das ist die letzte Chance, kommt es mir in den Sinn. Jetzt nur die Ruhe bewahren. In eine tiefe Rinne müssen wir runter, rutschen teilweise auf dem Hosenboden in den ausgewaschenen Bachlauf. Uwe hat die Flinte geladen. Nur wenige Meter weiter und wir sehen die Hunde unter dem Baum. Giftig geben sie laut, binden die Katze. Dann fällt der Schuss, der Karakal stürzt aus dem Geäst, wirkt auf mich groß wie ein Berglöwe, als er tödlich getroffen zu Boden stürzt.
Ein guter Kuder mit stumpfen Fangzähnen liegt vor uns. Uwes Traum ist in Erfüllung gegangen und wir freuen uns mit ihm. Waidmannsheil!

Weiße Punkte auf schwarzer Decke

Der letzte Tag ist angebrochen. Alle Jagden aus der Gruppe sind perfekt gelaufen. Ich entschließe mich, noch einmal mein Glück auf einen starken Buschbock zu versuchen. Helmut, ein alter Freund und passionierter Jäger, begleitet heute einmal mich. Johann ist wieder dabei und der schwarze Mabuti, der freundliche Tracker, führt unsere kleine Gruppe an. Er kennt die besten Stellen, weiß um Einstände und führt uns in einen dichten Hang hinein.
Wir verharren an einer Stelle und glasen erst einmal ausgiebig den Gegenhang ab. Nach einer Weile sehen wir einen Bergriedbock, ein weibliches Stück, das regungslos im Gegenhang steht. Noch eine gute Stunde bleiben wir, pirschen dann zurück zum Auto. Wir wollen noch ein letztes Mal wechseln und im großen, auf der anderen Wegseite liegenden Buschkomplex pirschen und haben ein Stück zu fahren. Also huppeln wir über die Felder und durch tiefe Rinnen in den ausgewaschenen Wegen. Eine langgestreckte Weide liegt zur rechten an der Hangseite, verjüngt sich spitz zulaufend und stößt an den Buschrand.
Schwer schlägt mir der noch einmal der Duft von Parfümbäumen in die Nase. Sie stehen in voller Blüte und ich fülle meine Lungen mit dem eigenwilligen Duft. Der Abschied naht, gern bliebe ich noch ein wenig. Es wäre ja zu schön, wenn wir den Tag mit einem Buschbock abschließen könnten…
Fast gleichzeitig entdecken wir sie. Mehrere Stücke, drei weibliche und zwei Böcke stehen in dem schmalen Streifen Feld zwischen den Buschsäumen! Sofort setzt Johann den Wagen zurück, die viele Hundert Meter entfernten Stücke haben uns nicht mitbekommen. Wir müssen einen fast deckungslosen Hang hinunter, um näher heranzukommen. Auf dem Hosenboden, die Waffe auf dem Schoß, geht es bergab. Als wir nach einer ganzen Weile ankommen, sehen wir ein weibliches Stück, dann ein weiteres im Bestand. Wo sind die Böcke? Warten, abglasen, kein Wort wird jetzt zuviel geflüstert. Von unserer Position aus sind es noch immer satte 200 Meter. Also näher ran.
Vorsichtig pirschen wir an die Freifläche heran. Eine kleine Hecke gibt Sichtschutz. Langsam richten wir uns auf, doch kein Wild ist mehr zu sehen. Wir bewegen uns so leise, wie man sich eben zu viert bewegen kann, an der Hecke vorbei. Ich traue meinen Augen kaum, als auf nur wenige Meter von hinten ein starker Buschbock an uns vorbeiwechselt, uns überholt! Irgendwas hat er anscheinend vorher mitbekommen, uns aber nicht eräugt oder gewindet. Das gibt´s doch gar nicht. Noch kurz sehe ich ihn am Bestandesrand verhoffen, dann zieht er in den undurchdringlichen Busch. In diesem Moment brodelt es in mir, den Bock wiederzusehen, wage ich nicht zu hoffen.
Im Bestand, ein paar Meter aufwärts, ist eine kleine Schneise. Sofort ist das Zweibein parat, wenn er kommen sollte, dann kann er auf zehn Meter oder auf 150 an mir vorbeiwechseln. Wieviel Minuten verstreichen, kann ich nicht mehr genau sagen, aber kurz war es nicht!
Der ist sicher schon lange durch, denke ich noch leicht resigniert, als Johann mir wortlos bedeutet, mich umzustellen. Am Rand des Busches stellt er das Zweibein erneut auf, ich versuche noch, Mabuti zu entdecken. Wir stehen kaum, da tauchen die Hornspitzen eines Bockes hinter einer Bodenwelle auf. Langsam zieht er auf die Freifläche. Kein Zweifel, es ist der Starke! Langsam, in abwartend wiegendem Schritt wird er sichtbar.
Stark im Wildpret, ein Bild von einem Buschbock, registriere ich meine Gedanken am Rande, als der Schuss bricht. Mit allen Läufen steht der Bock für den Bruchteil einer Sekunde in der Luft, schnellt dann nach vorne. Der Fangschuss wäre nicht mehr nötig gewesen, beendet dann aber die Jagd.
Was für ein grandioses Finale. Johann hatte Mabuti die Schneise hochgeschickt. Tatsächlich hatte der Bock noch ganz in unserer Nähe verhofft und war langsam ausgezogen, als er unseren schwarzen Jäger bemerkt hatte. Besser hätte der Tag, die Reise ans Ostkap Südafrikas nicht enden können.